Fake-Shops – Wie erkenne ich sie?

Im Internet lässt sich der Lieblingsartikel schnell mit ein paar Klicks bestellen und bezahlen. Doch wer auf einen Fake-Shop reinfällt, hat bezahlt, bekommt aber keine oder minderwertige Ware. Woran sind Fake-Shops zu erkennen?

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Online-Shopping ist bequem. Ob im Café oder von der heimischen Couch aus: in wenigen Minuten ist der Lieblingsartikel im virtuellen Warenkorb und, wenn man Glück hat, tags darauf schon in der eigenen Wohnung. Es kann aber auch anders gehen. Wenn man auf sogenannte Fake-Shops reinfällt, hat man im schlimmsten Fall Geld im Voraus bezahlt, aber keine Ware erhalten. Wie man Fake-Shops erkennt und was man tun kann, damit man nicht auf diese reinfällt, erklärt ein Experte vom Landeskriminalamt im Gespräch mit dem VerbraucherFenster. Barbara-Maria Birke hat mit Christoph Schulte über gefälschte Online-Shops gesprochen.

VF: Herr Schulte, Fake-Shops – was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Schulte: Fake-Shops sind gefälschte Online-Shops, die die Einkäufer abzocken wollen.

VF: Gefälschte Online-Shops?

Schulte: Ja. Diese gefälschten Internet-Verkaufsplattformen sind teilweise Kopien real existierender Websites, wirken daher seriös und lassen beim Käufer selten Zweifel an ihrer Echtheit aufkommen. Mit aus dem Internet kopierten Produktbildern und Informationen, professionell aufgemachten AGBs und einem gefälschten Impressum wollen die Betrüger das Vertrauen der Online-Shopper gewinnen und sie so zum Kauf animieren.

VF: Machen wir es mal konkret: es kann also sein, dass ich auf eine gedoubelte Amazon-Plattform reinfalle, die dem echten Amazon-Portal täuschend ähnlich sieht oder wie muss ich mir das vorstellen?

Schulte: Grundsätzlich wäre das möglich. Allerdings wollen die Täter den sogenannten „Shop“ über eine längere Zeit betreiben, um möglichst viel Geld zu erwirtschaften. Amazon würde schnell merken, wenn mit deren Namen Schindluder getrieben würde und entsprechend reagieren.

VF: Wie gehen die Täter also vor?

Schulte: Täter „eröffnen“ Shops mit zum Teil ähnlich klingenden Namen wie dem Original. Auch ist es beliebt, frei erfundene Namen auszuwählen oder sich über Nischenprodukte nur einem kleinen, finanziell potenten Käuferkreis zu öffnen. Ist die Homepage online gegangen, werden schwindelerregende Rabatte auf Markenprodukte oder seltene Ersatzteile angeboten. Aktuell werden beispielsweise Sonnenbrillen einer sehr bekannten Marke mit 90 Prozent Rabatt im Internet „angeboten“.

VF: Und was ist nun so schlimm an Fake-Shops?

Schulte: Schlimm für den Kunden ist, dass er Geld verliert. Darin besteht auch das einzige Interesse der Betreiber: möglichst schnell möglichst viel Geld abzocken.

VF: Gut. Wenn ich Geld für eine Ware verlange, ist das doch legitim?

Schulte: An sich ja. In den meisten Fällen erhält der Käufer aber keine Ware oder nur minderwertige Ware zu einem überhöhten Preis. Oft passiert es, dass nach einer Vorauszahlung gar nicht geliefert wird, weil die im Internet angebotene Produktpalette gar nicht existiert. In anderen Fällen werden Lieferschwierigkeiten vorgetäuscht, um Betroffene daran zu hindern, bereits getätigte Überweisungen rückgängig machen zu können.

VF: Wie kann ich mich vor solchen Fake-Shops schützen?

Schulte: Informieren Sie sich. Geben Sie den Namen des Online-Shops in eine Suchmaschine ein. Dadurch können Sie negative Erfahrungen anderer Kunden herausfinden und müssen sich nicht auf die Versprechungen der Shop-Betreiber verlassen. In vielen Selbsthilfeforen erfahren Sie ebenfalls, ob Ihr gewählter Online-Händler unseriöse Geschäftspraktiken anwendet.

VF: Helfen Kundenbewertungen wirklich weiter? Die sind ja oft geschönt.

Schulte: Kundenbewertungen bieten eine gute Orientierungshilfe. Bei Ebay kann man sich beispielsweise die Bewertungen anderer Käufer zu einem Verkäufer ansehen.

Zudem gibt es viele Preisvergleichs- und Testportale wie ciao.de, doyoo.de und andere, bei denen Sie eine Bewertung der Internet-Shops erhalten, sowie Erfahrungsberichte. Finden Sie in Portalen bei Kundenbewertungen auffallend oft gestelzte Formulierungen oder Lobhudeleien, könnten die Bewertungen auch von den Anbietern selbst, Mitarbeitern oder PR-Fachleuten stammen. Skepsis ist angebracht, wenn der Anbieter noch relativ neu ist und in kurzer Zeit besonders viele überschwängliche Kommentare erhalten hat.

Wenn ein Shop ein paar schlechte Bewertungen hat, muss das allerdings noch nicht heißen, dass es sich um einen unseriösen Anbieter handelt. Einige wenige vereinzelte Fälle negativer Wortmeldungen können immer mal vorkommen. Wenn sich aber die negativen Wortmeldungen häufen, zum Beispiel über Lieferverzögerungen, sollten Sie hellhörig werden.

VF: Wo kann ich mir sonst noch Infos über einen Online-Shop einholen, wenn ich Zweifel habe?

Schulte: Den Verbraucherzentralen liegen oft Informationen über einen Online-Händler vor. Zudem sollten Sie kostenfreie Programme wie „Web of Trust“ oder „Abzockschutz“ nutzen. Sie geben Auskunft über die bekanntesten Fake-Shops.

VF: Wo bekomme ich die?

Schulte: Viele erhalten Sie im Internet. Unter www.polizei.hessen.de oder www.polizei-beratung.de finden Sie aktuelle Informationen auch zu diesem Thema. Natürlich gibt es im Internet ebenfalls eine Menge Seiten, die auf aktuelle Phänomene hinweisen oder sogar die gängigsten Fake-Shops auflisten. 

 VF: Wie erkenne ich als Online-Shopper einen Fake-Shop?

Schulte: Eigentlich sind Fake-Shops einfach zu erkennen. Das perfide an diesem „Geschäftsmodell“ ist, dass diese Angebote an unsere Jäger-und-Sammler-Mentalität appellieren. Es ist ein tolles Gefühl, ein gutes Produkt für einen fairen Preis zu bekommen. Besonders eindrucksvoll kann man dieses Verhalten erkennen, wenn es vermeintliche Sonderangebote gibt. Der Gedanke, für einen so niedrigen Preis „nichts falsch machen zu können“, ist da schnell präsent Genau da setzen die Täter an. Bleiben Sie deshalb realistisch. Würde ein Händler die eben angesprochene Markensonnenbrille wirklich zu so einem Preis verkaufen? Was sagen seriöse Handelsplattformen wenn ich den Namen oder die Nummer der Ware eingebe und vergleiche?

VF: Gibt es weitere Hinweise?

Schulte: Ja, zum Beispiel das Impressum oder den „Kontakt“. Sind dort viele Rechtschreibefehler vorhanden, klingt der Ort des Firmensitzes oder der Name des Geschäftsführers unseriös, sollten Sie von dem Shop Abstand nehmen.

Das gilt besonders dann, wenn nur eine obskure Postfachadresse angegeben wird. Und erst recht dann, wenn es offenbar eine Briefkastenfirma ist. Sehr beliebt ist hier z.B. ein angeblicher Firmensitz irgendwo in Übersee, z.B. auf den "Virgin Islands", oder auch eine "Limited"-Firma mit britischer Briefkastenadresse, typischerweise z.B. "69 Great Hampton Street" in Birmingham oder "95 Wilton Road" in London. Beides ganz typische Abzocker-Adressen.

Ist erst gar keine Seite zu finden, wo Sie über den Anbieter informiert werden, lassen Sie am besten gleich die Finger von dem Angebot. Dann handelt es sich mit hoher Sicherheit um einen Betrüger, der von Ihnen möglichst nicht gefunden werden will.

VF: Verbergen sich hinter Fake-Shops nur ausländische Anbieter oder sind auch deutsche gefährlich?

Schulte: Die Täter agieren auch aus dem Ausland, was das Löschen solcher Fake-Shops sehr schwierig macht. Die Betrüger können über viele Wochen hinweg ahnungslose Online-Einkäufer um ihr Geld bringen. Allerdings kann ich als Endnutzer  nicht genau erkennen, aus welchem Land der Anbieter kommt. Wenn eine Webseite beispielsweise die Endung „.de“ hat, muss sie nicht zwangsläufig aus Deutschland kommen.

Wenn Ihr Bauchgefühl Ihnen sagt, hier könnte etwas nicht stimmen, empfehle ich Ihnen mit Hilfe einer Suchmaschine zu recherchieren, ob entweder unter dem Namen des Geschäftsführers oder unter dem Namen der Firma irgendwelche negativen Informationen zu finden sind. Wenn Sie dann Meldungen über Betrug, Abzocke oder Insolvenzen finden, wissen Sie gleich woran Sie sind.

VF: Das sind schon einmal hilfreiche Anhaltspunkte. Gibt es weitere?

Schulte: Ist die Webseite allzu reißerisch aufgemacht? Erscheinen die Preise nicht vielleicht allzu verdächtig günstig? Gibt es keine vernünftige Beschreibung der Artikel? Das sind alles Dinge, auf die man achten sollte. Bevor Sie ein Produkt in den Warenkorb eines Online-Shops legen, sollten Sie den Produkt-Preis bei anderen Anbietern vergleichen. Denn Betrüger locken ihre Opfer mit unwahrscheinlich niedrigen Preisen. Sehen Sie sich auch genau die Allgemeinen Geschäftsbedingungen an. Prüfen Sie, ob Sie über das Widerrufsrecht belehrt werden und ob die Informationspflichten erfüllt werden.

Zu guter Letzt: Wenn Sie sich unsicher sind, kaufen Sie Ihr Wunschprodukt einfach woanders.

VF: Haben Sie noch weitere Tipps, um sich nicht das Geld aus der Tasche locken zu lassen?

Schulte: Zahlen Sie, wenn möglich, per Nachnahme, auf Rechnung oder Lastschriftverfahren oder nutzen Sie sichere Bezahldienste wie Paypal.

VF: Wenn das alles nichts hilft und ich auf einen Fake-Shop reingefallen bin, sollte ich was tun?

Schulte: Sollten Sie bereits Geld für Ihren Kauf überwiesen haben, informieren Sie sich umgehend bei Ihrer Bank, ob Sie die Zahlung rückgängig machen können. Dies ist innerhalb eines bestimmten Zeitraums in der Regel noch möglich. Bei anderen Zahlungsarten  wie Bargeldtransfer kontaktieren Sie sofort den Dienstleister und lassen ihn die Transaktion stoppen.

VF: Macht eine Anzeige bei der Polizei Sinn?

Schulte: Auf jeden Fall. Denn nur so können Löschungen von Fake-Shops konsequent vorangetrieben werden. Sichern Sie hierzu alle Beweise für Ihren Online-Kauf wie den Kaufvertrag, die Bestellbestätigung oder E-Mails und übergeben Sie diese der Polizei. Eine Anzeige bei der Polizei ist auch online unter www.polizei.hessen.de möglich.

VF: Brauche ich eine Rechtsberatung?

Schulte: Das kommt immer darauf an. Holen Sie sich Rechtsberatung ein, wenn Ihnen die Sache zu heikel ist und Sie nicht weiterkommen.

VF: Vielen Dank für die vielen hilfreichen Informationen.

Stand: März 2018

Christoph Schulte

Christoph Schulte