Faire Mode dank dem „Grünen Knopf“?

Verbraucher achten beim Kleiderkauf mittlerweile mehr auf faire Herstellungsprozesse und Arbeitsbedingungen. Nun gibt es ein neues, staatliches Siegel, das Textilien kennzeichnen soll, die unter sozial verträglichen und ökologischen Bedingungen hergestellt werden: Der Grüne Knopf.

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Logo Grüner Knopf als Etikett in grünem Hemd

Was ist der Grüne Knopf?

Als erstes staatliches Siegel kennzeichnet der Grüne Knopf fair und ökologisch produzierte Textilien. Um das Siegel zu bekommen, werden die herstellenden Unternehmen geprüft und müssen nachweisen, dass sie verantwortungsvoll, ökologisch und sozial arbeiten. Für einzelne Vorzeigeprodukte wird der Grüne Knopf hingegen nicht vergeben.

Damit Verbraucher sofort erkennen können, ob die Produkte fair und ökologisch hergestellt wurden, ist das Siegel direkt an der Textilie angebracht, zum Beispiel am Etikett oder auf der Verpackung. Das Siegel wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herausgegeben.

Der Grüne Knopf ist nicht bloß auf deutsche Unternehmen begrenzt, die Textilwaren herstellen oder vertreiben, sondern richtet sich ebenso an internationale Firmen.

Welche Produkte werden mit dem Siegel gekennzeichnet?

Der Grüne Knopf soll für fast alle Textilien gültig sein, zum Beispiel Bekleidung, Bettwäsche, Möbelüberzüge aber auch Rucksäcke oder Markisen. Neben Baumwolle bezieht der Grüne Knopf auch Produkte aus Synthetikfasern mit ein.

Was müssen die Produkte und Unternehmen erfüllen, um das Siegel zu bekommen?

Damit ein Unternehmen seine Produkte mit dem Grünen Knopf kennzeichnen darf, muss es bei der Produktion 26 Mindeststandards zu Umweltschutz und Arbeitsbedingungen erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel Kohlendioxid (CO2)-Einsparungen, das Verbot von umweltschädlichen oder krankmachenden Chemikalien, das Verbot von Kinder- und Jugendarbeit, Zahlung von Mindestlöhnen sowie Maßnahmen zum Arbeitsschutz.

Aktuell befindet sich das Siegel noch bis 2021 in der Einführungsphase. Während dieser Phase umfasst das Siegel daher noch nicht alle Produktionsstufen. Derzeit beinhaltet der Grüne Knopf nur die Produktionsstufen „Färben und Bleichen“ sowie „Nähen und Zuschneiden“. Die Schritte „Faserproduktion und Baumwollanbau“ und „Spinnen und Weben“ sollen aber in den nächsten Jahren noch hinzukommen.

Das Unternehmen wird zusätzlich anhand weiterer Kriterien geprüft, die sich dabei unter anderem auf die Leitprinzipien der Arbeitsorganisation ILO der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte beziehen, zum Beispiel ob die Unternehmenspolitik auf Menschenrechte und Umweltschutz ausgerichtet ist.

Wer prüft, ob die Kriterien eingehalten werden?

Ob die Anforderungen für das Siegel von den Unternehmen tatsächlich eingehalten werden, kontrollieren unabhängige Prüforganisationen wie etwa TÜV und Dekra, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht werden. Dabei sollen die Unternehmen alle drei Jahren erneut auf die Kriterien geprüft werden. Zusätzlich sollen jährliche Stichprobenziehungen stattfinden. Sollte es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten geben, sind auch unangekündigte Kontrollen möglich.

Praktisch: Manche Siegel erfüllen bereits die Anforderungen für den Grünen Knopf

Unternehmen die bereits eines oder mehrere dieser Textilsiegel tragen, können auch den Grünen Knopf als weiteres Zertifikat erhalten. Die Anforderungen der Siegel entsprechen, zumindest in Teilen, auch denen des Grünen Knopfes und werden für die Auszeichnung anerkannt.

Die folgenden Siegel entsprechen allen sozialen und ökologischen Produktanforderungen:

  • Fairtrade Textilstandard
  • Global Organic Textile Standard, GOTS
  • Naturtextil IVN zertifiziert BEST
  • OEKO-TEX Made in Green

Diese Siegel und Initiativen erfüllen soziale Anforderungen, benötigen für den grünen Knopf allerdings zusätzlich noch einen Nachweis für die Umweltkriterien:

  • Fair Wear Foundation, FWF
  • SA 8000

Diese Siegel und Initiativen erfüllen ökologische Anforderungen, benötigen für den grünen Knopf allerdings zusätzlich noch einen Nachweis für die Sozialkriterien:

  • Bluessign product
  • Baluer Engel
  • Cradle-to-cradle

Was ist das Besondere am Grünen Knopf?

Der Mehrwert des Grünen Knopfes im Vergleich zu bisherigen Textilsiegeln bestehtin der zusätzlichen Unternehmensprüfung. Denn diese erfordert vom Unternehmen sich in der Lieferkette auszukennen, menschenrechtliche Risiken bei der Produktion zu registrieren und über diese öffentlich zu berichten und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Im Vergleich zu vielen anderen Siegeln, bindet der Grüne Knopf zudem nicht nur soziale Aspekte, sondern auch ökologische ein.

Kritik am Grünen Knopf

Zunächst klingt das Siegel vielversprechend und als eine gute Orientierungshilfe für den Verbraucher. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen. So weist beispielsweise der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) darauf hin, dass eine bestandene Unternehmensprüfung kein Garant für den Ausschluss von Menschenrechtsverletzungen ist. Auch gibt es aktuell noch keinen klar geregelten Sanktionskatalog, der Maßnahmen bei Verstößen sammelt.

Auch in Bezug auf die vom Grünen Knopf geforderten Mindestlöhne gibt es seitens Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Gegenwind. Diese sind in vielen Ländern für ein würdevolles Leben nicht ausreichend. Stattdessen fordern Gegner die Zahlung von existenzsichernden Löhnen.

In der Einführungsphase werden zudem noch nicht alle Produktionsstufen bei der Siegelvergabe berücksichtigt.

Auch kritisieren NGOs, dass es sich beim Grünen Knopf um ein für die Unternehmen freiwilliges Siegel handelt und fordern ein sogenanntes Lieferkettengesetz, welches den Herstellern die Einhaltung bestimmter Standards in der Produktion vorschreibt.

Der Branchenverband „textil und mode“ befürchtet einen möglichen Etikettenschwindel, da noch unklar sei, wie die komplette Lieferkette auf ökologische und soziale Standards hin tatsächlich geprüft werden solle.

Fazit

Der Grüne Knopf hat Potenzial, Verbraucher bei Kaufentscheidungen zu unterstützen und für faire Herstellungsprozesse und Umweltschutz zu sensibilisieren.

Da sich das Siegel aktuell noch in der Einführungsphase befindet, bleibt abzuwarten, wie es sich in den nächsten zwei Jahren umsetzen und etablieren lässt. Scharfe Kontrollen und Maßnahmen bei Nicht-Einhaltung der Kriterien bleiben aber unerlässlich, um ein glaubwürdiges Siegel zu schaffen. (Sie)

Stand: Oktober 2019