Fair und ökologisch einkaufen – nicht immer einfach

Die meisten Menschen wollen keine Kleidung, Smartphones oder Lebensmittel kaufen, die unter menschenunwürdigen und umweltschädlichen Bedingungen hergestellt werden. Aber was kann man tun, um so fair und ökologisch wie möglich zu konsumieren? Und wie geht es die nächsten Jahre weiter?

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Perosn hält mehrere Einkaufstaschen

Durch den globalisierten Welthandel produzieren viele deutsche Unternehmen an Standorten außerhalb Deutschlands oder Europa. Besonders arbeits- und verschmutzungsintensive Industrien werden häufig in andere Weltregionen verlagert – etwa nach Südostasien. Grund dafür sind beispielsweise günstigere Produktionskosten und höhere Gewinnspannen. Die Arbeitsbedingungen und die Einhaltung von Umweltstandards an diesen Produktionsstätten oder während der Rohstoffgewinnung stehen dabei oft in der Kritik. So sind Kinderarbeit, fehlender Arbeitsschutz, mit Chemikalien und Mikroplastik verseuchte Gewässer oder Enteignungen von Flächen keine Seltenheit.

Die rechtliche Verantwortung liegt bei den lokalen Betrieben und den dortigen überwachenden Behörden. Deutsche Unternehmen müssen bisher keine Konsequenzen für die Schäden tragen, die durch ihre weltweiten Geschäfte entstehen. Sie können lediglich auffällige Zulieferer aus dem Ausland boykottieren und mittels moralischer Appelle auf sie einwirken.

Der Grüne Knopf soll den Weg für faire und umweltfreundliche Lieferketten ebnen

Mit dem Grünen Knopf gibt es seit 2019 das erste staatliche Siegel, das fair und ökologisch produzierte Textilien kennzeichnen soll. Um das Siegel zu bekommen, werden die herstellenden Unternehmen geprüft und müssen nachweisen, dass sie verantwortungsvoll, ökologisch und sozial arbeiten. Dazu gehören zum Beispiel CO2-Einsparungen, das Verbot von umweltschädlichen oder krankmachenden Chemikalien, das Verbot von Kinder- und Jugendarbeit, Zahlung von Mindestlöhnen sowie Maßnahmen zum Arbeitsschutz. Das Siegel wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herausgegeben.

Es gibt auch Kritik

Zwar klingt das Siegel vielversprechend und nach einer guten Orientierungshilfe für den Verbraucher. Aber es gibt auch kritische Stimmen. So weist beispielsweise der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) darauf hin, dass eine bestandene Unternehmensprüfung kein Garant für den Ausschluss von Menschenrechtsverletzungen ist. Auch gibt es aktuell noch keinen klar geregelten Sanktionskatalog, der Maßnahmen bei Verstößen sammelt. Außerdem ist das Siegel im Massenmarkt noch nicht ausreichend angekommen, um die Verbraucher zu erreichen und Kaufentscheidungen zu beeinflussen.

NGOs kritisieren zudem, dass es sich beim Grünen Knopf nur um ein für die Unternehmen freiwilliges Siegel handelt und fordern ein sogenanntes Lieferkettengesetz, welches den Herstellern die Einhaltung bestimmter Standards in der Produktion vorschreibt.

Lieferkettengesetz: Pflicht statt Freiwilligkeit

Ein Lieferkettengesetz soll Unternehmen dazu verpflichten, bestimmte Standards wie die Einhaltung von Menschenrechten, faire Löhne und Arbeitsbedingungen sowie Umweltschutz in ihren Lieferketten einzuführen und diese auch umzusetzen. Kommt es zu Verstößen, können die Unternehmen aufgrund des Gesetzes haftbar gemacht werden. Auf diese Weise erlangen Waren keinen Wettbewerbsvorteil, der auf Ausbeutung von Mensch und Umwelt beruht.

Auch Verbraucher profitieren

Während der Grüne Knopf und andere Textilsiegel dem Verbraucher Auskunft über Produktionsbedingungen geben und so die Kaufentscheidungen mit beeinflussen sollen, würde bei einem Lieferkettengesetz die Verantwortung für die Produkte und deren Herstellung wieder zurück zum produzierenden Unternehmen gehen. So wäre es nicht in erster Linie die Pflicht des Verbrauchers den Kauf bestimmter Produkte genau zu überdenken, um Einfluss auf Ausbeutung und Umweltverschmutzung zu nehmen, sondern Verbraucher könnten bei jedem Kauf von gewissen Standards ausgehen.

In Deutschland müssen sich die Verbraucher noch gedulden

In Frankreich, Großbritannien und den USA ist bereits ein Lieferkettengesetz verabschiedet worden und auch die Niederlande bereiten bereits einen Gesetzesentwurf vor. In Deutschland hat das BMZ zusammen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales erste Vorschläge für ein Lieferkettengesetz für Deutschland erarbeitet:

  • Das Lieferkettengesetz soll dabei genau festlegen, welche Pflichten Unternehmen beim Schutz von Menschenrechten haben und wie die Unternehmen diesen nachkommen können.
  • Das Lieferkettengesetz soll Unternehmen dazu verpflichten, über ihr Tätigwerden Bericht zu erstatten.
  • Arbeiterinnen und Arbeiter sollen durch das Lieferkettengesetz Schadensersatzansprüche in Deutschland geltend machen können.

Bis das Lieferkettengesetz für Deutschland aber auf einem festen Fundament steht, wird es wohl noch etwas dauern. Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments hat im Januar 2021 für ein europäisches Lieferkettengesetz abgestimmt. Das bedeutet, dass sich nun auch die EU-Kommission mit dem Thema beschäftigen muss. Zwar ersetzt eine Einigung auf EU-Ebene keine nationalen Entscheidungen, dennoch steigt der Druck, hierzulande ein deutsches Lieferkettengesetz voran zu bringen.

Was Verbraucher bis dahin tun können

So lange es in Deutschland noch kein Lieferkettengesetz gibt, bleibt Verbrauchern nichts Anderes übrig, als vorerst beim Einkauf von Lebensmitteln, Kleidung und weiteren Gütern einen Blick auf Labels und Siegel zu werfen und Einkäufe kritisch zu hinterfragen: Brauche ich das neue T-Shirt oder das neue Smartphone wirklich? Auch Secondhand-Shopping oder Gütertausch kann manchmal eine lohnenswerte Alternative zum Neukauf sein. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick lassen sich viele Produkte auch nochmal reparieren – Hilfe gibt es zum Beispiel im Repaircafé. Ein Loch in der Sohle oder in der Jeans? Ein Schuhmacher oder Schneider kann es wieder richten.

Wer etwas Klarheit im Siegel-Dschungel sucht, findet zum Beispiel Antworten auf den Seiten des VerbraucherFensters:

(sie)

Stand: Februar 2021