Fahrradkauf ohne Reue – Tipps für die Kaufentscheidung

Schnell ist es beim Surfen im Internet passiert: Ein schickes Fahrrad verleitet zum Spontankauf. Doch entspricht dieses Rad auch den gewünschten Ansprüchen? Worauf ist beim Kauf zu achten?

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Beratungsgespräch mit Kundin beim Fahrradhändler

Bewusste Kaufentscheidung treffen

Noch bevor man durchs Internet surft oder die Fahrradgeschäfte vor Ort aufsucht, sollte man sich die Frage stellen, welchen Zweck der neue Drahtesel erfüllen soll. Wie häufig nutze ich das Fahrrad? Plane ich für den nächsten Urlaub eine mehrtägige Fahrradtour? Suche ich ein Rad für den täglichen Weg zur Arbeit bei Wind und Wetter? Fahre ich häufig auf unebenen Strecken und Feldwegen? Oder bewege ich mich hauptsächlich auf festen Straßen und Radwegen vorwärts? Brauche ich „Stauraum“ und die Möglichkeit Dinge zu transportieren?

Nach der Bedarfsanalyse kommt man auf Fahrradtypen, die sich unterschiedlich gut für die geplanten Vorhaben eignen, etwa Lastenräder, Mountainbikes, City-Räder oder Trekkingbikes. Zudem gibt es häufig auch die Möglichkeit, die unterschiedlichen Radtypen in einer Elektro-Ausführung zu erhalten.

Der Rahmen: Ausrichtung und Größe entscheiden über Fahrspaß

Hat man den passenden Fahrradtyp gefunden, sollte der zweite Blick der Geometrie und der Größe des Fahrradrahmens gelten. Schließlich ist es wichtig, dass das Rad auch dem Körperbau und Fahrstil entspricht und nicht bloß dem Auge gefällt.

Die Größe des Rahmens ist abhängig von der jeweiligen Körpergröße, der Schrittlänge und des Fahrradtyps. Radfahrer sollten weder mit einem krummen Rücken auf dem Rad sitzen, noch die Kontrolle über das Gefährt verlieren.

Es gibt Tabellen, die auf Erfahrungswerten beruhen und Auskunft über mögliche Rahmengrößen bei den Körpergrößen geben können. Die passende Rahmengröße kann auch mittels eigener Messung herausgefunden werden, etwa über die Schritthöhe (Innenbeinlänge). Um diese zu ermitteln, wird barfuß und mit hüftbreitem Fußabstand die Länge des Innenbeins gemessen. Dabei kann ein großes Buch hilfreich sein, welches man sich zwischen die Beine klemmt, sodass man an eine Wand gelehnt die exakte Höhe markieren kann.

Der hierbei ermittelte Wert in Zentimetern (cm) wird dann mit einem bestimmten Faktor multipliziert, der abhängig von der Fahrradart ist:

  • Klassisches Citybike / Rennrad: 0,665 (ergibt Rahmengröße in cm)
  • Mountainbike: 0,226 (ergibt Rahmengröße in Zoll)
  • Trekking- oder Tourenrad: 0,259 (ergibt Rahmengröße in Zoll)

Beispielrechnung für Rahmenhöhe Mountainbike
Schritthöhe = 90 cm

90 x Faktor 0,226 = 20,34 Zoll

Wenn der errechnete Wert zwischen zwei Rahmengrößen liegt, sollte bei einer sportlicheren Fahrweise eher die kleine Rahmengröße gewählt werden, andernfalls ist zur größeren Rahmengröße zu raten.

Viele Fahrradhändler bieten eine Ausmessung der exakten Sitzposition an. Hier gilt: Einfach nachfragen!

Auf die Sitzposition kommt es an

Je nach Fahrradart und Vorhaben können Radler eine unterschiedliche Haltung auf dem Fahrrad einnehmen.

Bei einer flachen, nach vorne geneigten Sitzposition bekommt das Rad mehr Tempo. Daher ist diese Haltung beispielsweise gut für ein sportlicheres Fahren geeignet, etwa auf dem Rennrad. Aber auch bei langen Fahrradtouren kann bei dieser Haltung Kraft gespart und der Rücken entlastet werden. Bei City-Rädern ist dagegen ein aufrechter Sitz bequemer. Ein breiter Sattel und ein hoher Lenker sind dafür die Voraussetzung.

Unabhängig davon, ob die Haltung eher sportlich oder aufrecht ist: Der Rücken sollte immer gerade sein!

Stahl, Karbon oder Alu?

Das Rahmenmaterial besteht meist aus Aluminium oder Carbon. Vorteil von Carbon: Der Rahmen ist dann deutlich leichter. Allerdings ist ein Rad mit Aluminium-Rahmen wesentlich günstiger und für die meisten Radfahrer vollkommen ausreichend. Denn das Gewicht des Rads spielt hauptsächlich für Enthusiasten eine Rolle, etwa beim Radsport.

Weitere Materialien sind außerdem Stahl oder Titan. Beide zählen allerdings eher zu den Ausnahmen. Stahl ist häufig noch bei älteren Fahrradmodellen zu finden.

Richtige Einstellung von Lenker und Sattel

Fahrradlenker und –sattel müssen so passen, dass weder die Hände schmerzen und es im Nacken zu Verspannungen kommt, noch der Sattel zu einer falschen Sitzhaltung führt und so das Kniegelenk überlastet wird. Daher sollte der Lenker verschiedene Festhaltemöglichkeiten bieten und die Griffe bestenfalls mit einem griffigen, hautfreundlichen Material überzogen sein.

Die optimale Sattelhöhe hat man dann gefunden, wenn das Bein bei der niedrigsten Pedalstellung immer noch leicht gebeugt ist. Nur dann können Radfahrer bestmöglich in die Pedale treten.

Ob der Sattel zu weit vorne oder zu weit hinten ist, zeigt sich bei waagerecht stehenden Pedalen. Nur wenn die Kniescheibe des Fahrers exakt über der vorderen Pedalachse steht, sitzt der Sattel richtig. Ändern daran auch verschiedene Einstellungen nichts, ist der Fahrradrahmen eventuell zu klein.

Welcher Sattel ist der Richtige?

Damit das Radfahren so angenehm wie möglich ist, ist ein passender Sattel unerlässlich. Generell gilt: Der Po gehört auf den breiteren Teil des Sattels! Ist der Sattel unter dem Hintern nicht mehr zu sehen, stimmt alles. Wenn allerdings die hintere Sattelkante hervorschaut, sitzt der Fahrer zu weit vorne. Dies kann unter anderem an einem zu breiten Sattel liegen. Auch wer ein breiteres Gesäß hat, kann tendenziell eher zu einem schmalen Sattel greifen. Entscheidend ist nämlich der Abstand der Sitzknochen.

Die Ausrichtung des Sattels sollte zudem waagerecht sein (Tipp: Wasserwaage!), sodass der Radler beim Fahren nicht auf die Sattelnase rutscht.

Auf Probefahrt nie verzichten

Auf eine Probefahrt sollte man, trotz noch so durchdachter Planung, nicht verzichten. Es empfiehlt sich daher, das Angebot mancher Fahrradhändler in Anspruch zu nehmen und das Rad der Wahl über das Wochenende auch auf längeren Strecken zu testen, auch manche Onlinehändler bieten den Kauf auf Probe an. Eingeschlafene Hände und ein schmerzender Nacken stellen sich häufig erst bei einer längeren Tour ein.

Verkehrstauglichkeit ist das A und O

Das Wichtigste ist allerdings, dass das neue Rad verkehrstauglich ist – darauf sollten Käufer immer achten, besonders dann, wenn das Rad gebraucht gekauft wird! Laut Straßenverkehrszulassungsordnung (STVZO) dürfen diese Dinge am Fahrrad nicht fehlen und müssen funktionstüchtig sein:

  • Eine helltönige Klingel
  • Zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsen (Vorderrad- und Hinterradbremse)
  • Großflächiger roter Z-Rückstrahler
  • Zwei rutschfeste Pedale mit gelben Reflektoren vorne und hinten
  • In jedem Rad zwei gelbe Speichenreflektoren oder reflektierendes Material (weiß) an Speiche, Felge, oder Reifen
  • Dynamo oder Lampen mit Akku- oder Batteriebetrieb. Letztere müssen tagsüber nicht mitgeführt werden, allerdings das Prüfzeichen des Kraftfahrt Bundesamtes tragen.
  • Rotes Rücklicht mit rotem Rückstrahler, weißer Scheinwerfer mit Frontreflektor. Rücklichter, die weiterleuchten, wenn das Fahrrad steht, machen den Radfahrer auch in Wartesituationen sichtbar.

Weitere Ausstattung kann hilfreich sein

Wer nicht gerade mit dem Mountainbike durchs Gelände fährt, sondern das Rad zur alltäglichen Fortbewegung nutzt, für den sind außerdem Schutzbleche und Kettenschutz sinnvoll. Andernfalls wird man bei Regenwetter schnell schmutzig. Auch ein Gepäckträger zum Transportieren von Einkäufen ist oft eine gute Idee. (Sie)

Stand: August 2020