Dreiste Telefonabzocke bei „Ja“

Wer bei einem Anruf einer unbekannten Person auf die Frage „Hören Sie mich gut“? mit „Ja“ antwortet, kann eine Rechnung über ein angeblich telefonisch bestelltes Produkt bekommen. Wie funktioniert diese Betrugsmasche? Wie wehre ich mich dagegen?

RS7853_Frau mit Handy © Tadija Savic - Fotolia.com_.jpg

Frau telefoniert

Wie funktioniert die Abzocke mit dem „Ja“?

Privatpersonen erhalten einen Telefonanruf von einer unbekannten Person, die mitteilt, dass sie eine Umfrage macht und deshalb ein paar Fragen stellen möchte. Gerne wird als Thema Energiekosten gewählt, da man mit dem richtigen Stromanbieter Geld sparen kann und wer möchte das nicht. Der Anrufer fragt dann auch noch nach, ob man damit einverstanden ist, dass das Gespräch zur Verbesserung der Beratungsqualität aufgezeichnet wird. Wer auf diese Frage mit „Ja“ statt mit „Ich bin einverstanden“ oder „Das ist in Ordnung“ antwortet, hat schon verloren. Das aufgezeichnete Gespräch wird nämlich von Betrügern so geschickt zusammengeschnitten, dass der Eindruck entsteht, dass die angerufene Person telefonisch einen Vertrag abgeschlossen und zum Beispiel ein teures Produkt oder ein Abo abgeschlossen hat. Deshalb erhalten die angerufenen Personen auch kurze Zeit nach dem Telefonat Rechnungen oder Vertragsunterlagen, obwohl sie nichts bestellt haben.

Dieser Trick wird auch mit anderen Fragen wie „Hören Sie mich gut?“ oder Können Sie mich verstehen?“ durchgeführt, um als Antwort „Ja“ zu erhalten. Diese Fragen werden einfach zwischendurch im Gespräch gestellt.

Die Betrüger gehen bei ihren Telefonaten sehr dreist vor. So werden arglose Telefonbesitzer angerufen und gefragt „Sind Sie Herr Müller“? Die meisten Menschen antworten auf diese Frage mit „Ja“ und nicht „Es stimmt. Ich heiße Herr Müller“. Und schon hat man wieder „Ja“ gesagt.

Was können Betroffene tun, die „Ja“ gesagt haben?

Grundsätzlich ist es so, dass Verträge am Telefon abgeschlossen werden können. Bei dieser Betrugsmasche ist aber kein Vertrag zustande gekommen, auch wenn die Absender der Verträge und Rechnungen behaupten, die angerufene Person hätte am Telefon zugestimmt. Und ohne wirksamen Vertrag besteht auch keine Zahlungspflicht, so die Verbraucherzentrale. Auch wenn der Angerufene nicht zahlen muss, sollte die vom Abzocker erhaltene Rechnung keinesfalls ignoriert werden. Die Verbraucherzentrale rät, sich zu wehren und der Forderung zu widersprechen.

Verbraucherzentrale hilft mit Musterbriefen

Auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale findet man einen Musterbrief zur Abwehr einer unberechtigten Forderung. Diesen können Betroffene als Vorlage nutzen und an den persönlichen Fall anpassen.

Zudem wird betroffenen Personen geraten, Anzeige zu erstatten.

Tipps zum Verhalten am Telefon bei unbekannten Anrufern

Am besten ist es, ein „Ja“ in einem Telefongespräch zu vermeiden. Dies ist jedoch kaum praktikabel und realistisch.

Folgende Tipps helfen Ihnen, wenn unbekannte Personen Sie anrufen:

  • Fragen mit einem ganzen Satz beantworten und nicht mit „Ja“.
    Zum Beispiel: „Können Sie mich gut verstehen?“- Antwort: „Ich verstehe Sie gut.“
  • Die Anrufer sind oft sehr hartnäckig. Sagen Sie dem Anrufer in einem sehr bestimmten Ton, dass Sie kein Interesse haben. Die Verbraucherzentrale rät auch, im Zweifel einfach aufzulegen.
  • Wer den Eindruck hat, dass es sich um einen unseriösen Anruf handelt, sollte die Telefonnummer aufschreiben und sie der Verbraucherzentrale oder der Bundesnetzagentur melden. Bei Anrufen von Firmen muss die Telefonnummer zu sehen sein, da sie Personen nicht mit unterdrückter Rufnummer kontaktieren dürfen.

Ist dennoch die Nummer unterdrückt, sollte genau nachgefragt werden, für welche Firma der Anrufer tätig ist. Ob diese Frage ehrlich beantwortet wird, weiß man allerdings nicht. Das lässt sich nur durch einen Rückruf bei der genannten Firma überprüfen.

Stand: August 2017