Billigklamotten vom Discounter – Top oder Flop?

Ein Sonnentop für drei Euro, eine Jeans für zehn Euro – taugt das was? Andersherum gefragt: Sind teure Klamotten zwangsläufig besser? Viele stellen sich diese Fragen, wenn sie bei Aldi, Lidl & Co. oder beim Textildiscounter Schnäppchenangebote sehen. Und wie verhält es sich mit den Produktionsbedingungen in Billiglohnländern?

RS10199_Kleiderstaender © Mikael Damkier - Fotolia.com_.jpg

Polohemden auf Kleiderständern

Hauptsache billig

Viele Verbraucher sparen gern beim Klamottenkauf. Dabei gilt: Je billiger desto lieber. Billige Kleidung bieten sowohl Textildiscounter wie Kik, Primark, Takko etc. und zunehmend auch die Lebensmitteldiscounter Aldi, Lidl & Co. an. Und das zu einem Preisniveau, das zum Teil um ein Vielfaches unter dem von Modegeschäften oder gar von Marken-Läden liegt.

Discounter gegen Outlets

In die umkämpfte Billig-Sparte drängen zunehmend auch Outlets, beispielsweise von Kaufhof (Saks Off 5th), Karstadt (dress-for-less) oder ab 2020 auch der Moderiese H&M mit „Afound“. Bezüglich des Warenspektrums sind Textildiscounter von Outlets zu unterscheiden: In Outlets werden in der Regel Markenartikel - meist nicht verkaufte Ware der Vorjahres-Saison – oft zu Ramschpreisen an die Frau oder an den Mann gebracht. Sowohl Outlets als auch Textildiscounter sind bei den Kunden beliebt, wie steigende Umsatzzahlen belegen.

Qualität hat ihren Preis – oder?

Verständlicherweise fragen sich viele Verbraucher, ob die Billigware qualitativ mit den teureren Kleidungsstücken mithalten kann. Medienberichten zufolge können günstige Textilien in punkto Haltbarkeit, Farbbeständigkeit und Einlaufsicherheit offenbar problemlos mit mittel- oder hochpreisigen Produkten konkurrieren. Teilweise schnitten bei Qualitätstests die günstigeren Kleidungsstücke sogar besser ab als die teurere Markenware.

Billigklamotten müssen also zumindest qualitativ nicht zwangsläufig schlecht sein, wenn man den Berichten Glauben schenkt. Aber wie ist das mit der Passform, der Optik und der Haptik? Sehen teurere Kleidungsstücke nicht besser aus und passen sie nicht besser als die günstigeren Alternativen? Und wie fühlen sich die Wühltischteile im Vergleich zur Designerware an? Eindeutige Antworten auf diese Fragen gibt es wohl nicht, denn Jede(r) hat einen individuellen Geschmack und subjektive Vorstellungen von den Material- und Trageeigenschaften. Was der Einen auf der Haut juckt, kratzt den Anderen oft nicht. Die Optik ist auch nicht jedem Verbraucher so wichtig wie ein günstiger Preis.

Vielen Kunden sind indes der „Wohlfühl-Aspekt“ und das Aussehen des Kleidungsstücks wichtiger als der Preis. So werden manche Verbraucher beispielsweise einen hochwertigen Pullover aus reiner, weicher Kashmirwolle einem billigen Pulli aus Synthetik-Material schon aus optischen Gründen vorziehen. Ein Anzug aus reiner Schurwolle in Super-100-Qualität wird aufgrund seiner geringen Knitterneigung und temperaturausgleichenden Eigenschaften sowohl im Sommer als auch im Winter seinen Dienst tun und nicht nur deshalb gegenüber vergleichbarer „Kunststoff-Billigware“ klar im Vorteil sein. Und dass ein Radsport-Trikot für unter acht Euro zwar ordentlich verarbeitetet sein mag, aber vielleicht nicht perfekt sitzt oder sich der Stoff wellt sobald man auf dem Rad sitzt, wird den einen Käufer mehr, den anderen weniger stören. „Man bekommt, was man bezahlt“, diese alte Weisheit bewahrheitet sich auch beim Kauf von Textilien. Oder um es mit einem John Ruskin (1819-1900) zugeschriebenen Zitat zu sagen "Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden gerechte Beute solcher Machenschaften."

Muss man beim Kauf von Discounter-Klamotten ein schlechtes Gewissen haben?

Irgendwo muss der niedrige Preis herkommen – so viel ist sicher. Wer beispielsweise ein T-Shirt im Wert von drei Euro kauft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es nicht hierzulande und nicht zu den bei uns üblichen Konditionen produziert wurde. Die Billigware - aber nicht nur diese, oft auch Markenware - kommt aus Billiglohnländern und wird dort von Menschen hergestellt, die vielfach weniger als 50 Euro im Monat verdienen und teilweise bis zu 16 Stunden pro Tag arbeiten müssen. Diese Umstände scheinen viele Verbraucher aber nicht sonderlich zu interessieren: Umfragen zufolge achten nur fünf Prozent der Deutschen auf die Herstellungsbedingungen, und nur etwa jeder Dritte würde für sozialverträglich hergestellte Textilien mehr bezahlen.

Bekanntlich sind bestimmte Bereiche der Textilbranche aufgrund von Berichten über bedenkliche Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern in die Kritik geraten. Einige westliche Unternehmen und Verbände haben reagiert und bemühen sich inzwischen um bessere Produktionsbedingungen in den Textilfabriken Süd- beziehungsweise Südostasiens. Durch Qualitätssiegel für faire Bezahlung, fairen Handel („fair trade“) oder die Einhaltung von Umweltauflagen, Schadstoffgrenzwerten etc. werden die nach diesen Standards hergestellten Produkte gekennzeichnet und sind dann als solche für Verbraucher erkennbar. Dass diese Kleidung auch gekauft wird, hängt von der Bereitschaft der Verbraucher ab, etwas mehr zu bezahlen.

Fazit

  • Wer billige Textilien kaufen möchte, bekommt dazu immer mehr Gelegenheit durch zunehmende Angebote der (Textil-)Discounter und Outlets.
  • Die günstige Markenware in Outlets ist nicht direkt mit der Billigware der Discounter vergleichbar.
  • Billigklamotten müssen nicht zwangsläufig schlechter verarbeitet oder weniger haltbar sein als Markenware.
  • Markenware unterscheidet sich von Billigware hauptsächlich durch Materialeigenschaften, Passform und Optik. Für den einen oder anderen Verbraucher mag auch das Marken-Image für den Kauf dieser Produkte ausschlaggebend sein.
  • Beim Kauf von Textilien sollte man möglichst auf Produkte zurückgreifen, die zu fairen Bedingungen und/oder umweltschonend produziert wurden. Diese sind durch entsprechende Qualitätssiegel gekennzeichnet.

Stand: Dezember 2018