Bezahlt wird mit persönlichen Daten

Schätzungen zufolge hat jeder zweite Konsument in Deutschland eine oder mehrere Rabattkarten im Portemonnaie. Für die meisten ist kein Entgelt zu zahlen. Kostenlos sind die Karten dennoch nicht, denn die Inhaber zahlen mit ihren persönlichen Daten sowie den Daten zu ihrem Einkaufsverhalten

Plastikkarten idrutu - fotolia.com_.jpg

Stapel aus Plastikkarten

Datenerhebung bei Antragstellung

Die Nutzung von Rabattkarten hat einen hohen Preis: die Preisgabe persönlicher Daten und die damit verbundene Aufgabe der Anonymität. Doch gerade hierauf kommt es den Anbietern der Bonussysteme ja an – je mehr Daten über einen Kunden zur Verfügung stehen, desto verlässlicher ist das erstellte Kundenprofil.

Erforderliche Angaben

Nach § 28 Abs. 1, Nr. 1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ist die Datenerhebung zu geschäftlichen Zwecken zulässig, wenn die Daten zur Erfüllung des Geschäftszweckes erforderlich sind. Daten, die zur Abwicklung des Rabattvertrages notwendig sind, dürfen also erhoben und verarbeitet werden – das sind der Name, das Geburtsdatum und die Adresse des Kunden. Insbesondere die Frage, ob es zulässig ist, das Geburtsdatum der Kunden zu erheben, ist höchstrichterlich geklärt. Mit seinem Urteil vom 16.07.2008 (VIII ZR 348/06) hat der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigt, dass die Angabe des vollständigen Geburtsdatums zur Vermeidung von Identitätsverwechslungen in besonderer Weise geeignet ist.

Freiwillige Angaben

Daten zur Haushaltsgröße, zum Einkommen, zu Hobbys oder sonstigen Vorlieben sind hingegen nicht unbedingt für die Vertragsabwicklung erforderlich. Es handelt sich um freiwillige Angaben. Die entsprechenden Felder in den Antragsformularen müssen also nicht ausgefüllt werden.

Recht auf Information

Die Antragsformulare müssen Informationen darüber enthalten,

  • wer welche Daten nutzt und speichert,
  • ob die Daten an Dritte weitergegeben werden; wenn ja, an wen und zu welchem Zweck,
  • dass man jederzeit Auskunft über die gespeicherten Daten erhalten kann und einen Anspruch auf Löschung der Daten hat.

Fehlen diese Informationen im Antragsformular, sollte man sich fragen, ob die angebotenen Rabatte es wert sind, dass die persönlichen Daten beliebig genutzt und weitergegeben werden können.

Datennutzung nur mit Einverständnis

Meist findet sich in den Antragsformularen ein Hinweis, dass die Daten zu Werbe- oder marktwirtschaftlichen Zwecken genutzt und zu diesem Zweck an Dritte weitergegeben werden können. Die Nutzung und die Datenweitergabe sind nur mit Einwilligung der Karteninhaber zulässig. Die Einwilligungserklärung ist in vielen Antragsformularen schon vorformuliert. Wer keine Werbung, Newsletter oder ähnliches erhalten möchte, muss dieser Einwilligungserklärung im Antragsformular widersprechen oder sie durchstreichen. Sollte man das bei der Antragsstellung übersehen und somit in die Datennutzung zu Werbezwecken eingewilligt haben, kann man diese Einwilligung jederzeit schriftlich widerrufen.

Datenerhebung beim Einkauf

Wird die Rabattkarte beim Einkauf genutzt, werden weitere Daten erfasst, zum Beispiel:

  • Ort und Zeitpunkt der Kartennutzung
  • Angaben zur gekauften Ware oder der in Anspruch genommenen Dienstleistung
  • Preis der Ware oder Dienstleistung
  • Höhe des Rabattbetrages oder Anzahl der Bonuspunkte
  • Kennung des Partnerunternehmens – bei Multipartnerprogrammen

Gemeinsam mit den personenbezogenen Daten und den eventuell gemachten freiwilligen Angaben werden die beim Einkauf erhobenen Daten genutzt, um ein Kundenprofil anzulegen. So können Vorlieben für bestimmte Produkte festgestellt werden. Speziell auf den Karteninhaber zugeschnittene Werbung ist die Folge. Diese kommt dann per Post oder per E-Mail nach Hause, erscheint beim Besuch der Internetseite des Unternehmens oder wird beim Anruf an der Hotline eingespielt. Verhindern kann man das nur, indem man der Nutzung seiner Daten zu diesem Zweck schriftlich widerspricht – entweder direkt auf dem Antragsformular oder nachträglich.

Die Frage, ob der Handel Angaben zu der gekauften Ware oder der in Anspruch genommen Dienstleistung speichern darf, ist durch Entscheidung des BGH vom 16.07.2008 (VIII ZR 348/06) geklärt. Der BGH ist der Ansicht, dass Informationen zu den unter Einsatz der Rabattkarte erworbenen Waren und Dienstleistungen dem Zweck des Rabattvertrages dienen können und damit datenschutzrechtlich zulässig seien.

Rabatte ohne Datenpreisgabe – das geht auch

Stempelkarten
Vornehmlich Dienstleistungsunternehmen wie Friseure, Cafés oder Kinos versuchen, ihre Kunden über Stempelkarten an sich zu binden. Nach dem zehnten Haarschnitt beim Friseur gibt es den elften kostenlos. Das macht immerhin zehn Prozent Rabatt, ohne dass die Daten der Verbraucher elektronisch gespeichert werden. Es verleitet aber auch dazu, öfter zum Friseur zu gehen als nötig, nur damit die Stempelkarte schnell voll wird.

Rabattcoupons und Rabattmarken
Mit Rabattcoupons, die in Zeitungen, auf Verpackungen oder in persönlichen Werbeschreiben zu finden sind, verfolgen Händler ebenfalls das Ziel, Verbraucher in ihre Geschäfte zu locken und Rabattverhandlungen zu vermeiden. Einige Unternehmen bieten ganze Couponhefte an. Im Vergleich zu Rabattmarken, die der Handel ebenfalls zur Kundenbindung nutzt, haben Coupons den Vorteil, dass man diese nicht erst sammeln muss, sondern sofort einen Nutzen ziehen kann. Die Reduzierung des Kaufpreises kann jedoch dazu verleiten, einen Artikel zu kaufen, den man ohne Coupon oder ohne die gesammelten Marken möglicherweise nicht gekauft hätte. 

Preissenkungen des Handels
Auch bei besonders beworbenen Rabattaktionen des Handels lässt sich manches Schnäppchen machen – ganz ohne Rabattkarte, Coupons oder Marken. Um abschätzen zu können, ob der gewährte Rabatt echt ist, müssen Verbraucher allerdings das Warenangebot und die Preise im Handel über längere Zeit beobachten. Obwohl es wettbewerbswidrig ist, kommt es immer wieder vor, dass der Handel mit sogenannten "Mondpreisen" wirbt. Dabei wird der Ausgangspreis unverhältnismäßig hoch darstellt, um den Eindruck zu erwecken, der aktuelle Angebotspreis sei ein Schnäppchen. Keinesfalls sollte man sich durch Preisreduzierungen zu voreiligen Kaufentscheidungen verleiten lassen. 

Tipps

  • Verzichten Sie auf Rabattkarten, wenn Sie nicht möchten, dass Informationen über Ihre Einkäufe für die Erstellung eines Kundenprofils genutzt werden.
  • Gehen Sie mit Ihren Daten sparsam um. Angaben zu Haushaltsgröße, Einkommen und Hobbys gehen niemanden etwas an.
  • Achten Sie im Antragsformular auf Informationen zur Verwendung der Daten. Werden Sie misstrauisch, wenn Sie dazu nichts finden.
  • Wenn Sie keine Werbung erhalten wollen, widersprechen Sie der Nutzung Ihrer persönlichen Daten zu Werbe- und Marketingzwecken schriftlich. Diese Erklärung können Sie jederzeit formlos abgeben – auch noch nach Erhalt der Rabattkarte.
  • Lassen Sie Ihre Daten löschen oder sperren, wenn Sie ein Rabattsystem nicht mehr nutzen.
  • Vergleichen Sie vor einer Kaufentscheidung immer die angebotene Ware und den Preis in mehreren Geschäften und Online-Shops. Machen Sie Ihre Kaufentscheidung nicht davon abhängig, in welchem Geschäft Sie Rabattpunkte sammeln können.
  • Achten Sie bei den angebotenen Prämien auf den Preis, der sich aus den von Ihnen gesammelten und eingesetzten Rabattpunkten und einer eventuell erforderlichen Zuzahlung zusammensetzt. Lohnt sich die Anschaffung wirklich? Benötigen Sie dieses Produkt?
  • Alternativ können Sie die Rabattpunkte auch zum Bezahlen beim Einkauf einsetzen. Fragen Sie in den Partnerunternehmen nach dieser Möglichkeit.

Weitere Informationen

Informationen im Verbraucherfenster

Payback & Co., Teil 1: Lohnen sich die Bonusprogramme des Handels?

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

Telefonische Beratung 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.

Auskunfts- und Servicetelefon: Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 - 900.

Homepage: www.verbraucher.de   

Der Ratgeber „Meine Daten gehören mir“  ist für 9,90 € in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen erhältlich. Für zusätzlich 2,50 € bei Einzelversand, also für insgesamt 12,40 €, kommt er – mit Rechnung – auch ins Haus.

Bestellungen an: Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf, Bestell-Telefon: (0211) 38 09 - 555, Bestell-Fax: (0211) 38 09 – 235, E-Mail: ratgeber@vz-nrw.de

Verfasser:  Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: August 2017