„Faire Kleidung“ (II.): „Bio“, „Öko“ oder „upgecycelt“

Wer faire Kleidung tragen möchte, muss genau hinsehen. Denn Umweltschutz und faire Produktionsbedingungen sieht man dem T-Shirt nicht an. „Nachhaltige Kleidung“ wird oft als eine Lösungsmöglichkeit genannt, wenn es darum geht, verantwortungsvoll mit der Umwelt und ihren Ressourcen umzugehen und die Wegwerf-Mentalität in Bezug auf Kleidung zu stoppen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? Wie findet man, was man sucht?

Farbige T-Shirts auf Buegeln Michael Flippo - fotolia.com_.jpg

T-Shirts in verschiedenen Farben

„Nachhaltige Kleidung“ – was ist das?

Recherchiert man im Internet den Begriff „nachhaltige Kleidung“, findet man keine einheitliche Definition. Jedoch gibt es Anhaltspunkte, die zeigen, was nachhaltige Kleidung ausmacht.

Nachhaltige Kleidung wird oft mit ökologischer Mode gleich gesetzt. „Öko“ ist sicherlich ein Aspekt nachhaltiger Kleidung. Der Verkäufer „grüner“ Mode muss sauberste Produktionswege nachweisen können. Das heißt, dass sämtliche Abläufe in den umweltfreundlichen Prozess mit eingebunden sein müssen – von der Produktion bis hin zum Vertrieb. Bei der Herstellung wird auf den Einsatz von umweltbelastenden Stoffen und Chemikalien verzichtet. Auch Nähzubehör wie Knöpfe oder Garne muss umweltfreundlich produziert werden. Außerdem müssen internationale Sozialstandards eingehalten werden. Das beinhaltet die Zahlung von Mindestlöhnen sowie die Schaffung von humanen Arbeitsbedingungen.

Sind Baumwolle, Chemie-Fasern und Tierprodukte auch fair und nachhaltig?

Wenn man nur den Stoff betrachtet, fällt eine Einordnung schwer. Ist Baumwolle nachhaltig? Oder nur Bio-Baumwolle? Und muss die auch noch fair produziert sein?

Baumwolle ist nicht immer Bio. Und Bio nicht immer fair. Laut der Verbraucher-Initiative Öko-Fair werden Bauern im Fairen Handel aber dabei unterstützt, ihren Anbau auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Diese aufwändige Umstellung ist zunächst mit sinkenden Erträgen und steigenden Kosten verbunden. Die Mittel aus dem Fairen Handel helfen den Landwirten beim Übergang zum ökologischen Anbau. Somit trägt Fairer Handel dazu bei, den kontrolliert biologischen Anbau auszuweiten. Dennoch beteiligen sich nicht alle Biobauern am fairen Handel, weil die Erträge, die abseits des fairen Handels erzielt werden können, oft höher sind, da den Erntehelfern oft geringere Löhne gezahlt werden.

Dass Naturgarne wie Baumwolle oder Bambus zur grünen Mode gehören, ist einleuchtend. Doch was ist mit synthetisch hergestellten Fasern wie Lyocell oder Polyester? Können sie auch für grüne Mode eingesetzt werden? Solange die Fasern sauber hergestellt werden und recycelfähig sind, sollte dies möglich sein.

Ob tierische Fasern wie Schurwolle oder tierische Produkte wie Leder auch nachhaltig sind, lässt sich ebenso wenig eindeutig beantworten. Bei Wolle von Schafen fällt die Antwort leichter als bei einem Gürtel aus Rind- oder Krokodilleder, wenn man die Produktion betrachtet. Wenn die Haltung der Tiere qualvoll war, ist dies zu verneinen. Die Frage ist, inwieweit der Verbraucher hier Einblicke hat. Da dies oft nicht gegeben ist, verzichten manche Designer daher in ihren Kollektionen auf tierische Produkte.

Ökologisch und fair produzierte Kleidung hat ihren Preis. Das wissen auch die Verbraucher, weswegen die meisten zurückhaltend sind, wenn es um den Kauf ökologischer Mode geht. Eine Alternative ist Second-Hand-Mode.

Langlebig ist nachhaltig – Second-Hand-Mode als Alternative

Second-Hand-Mode ist langlebig und dadurch auch nachhaltig. Gebrauchte Kleidung, sogenannte Second-Hand-Mode, gibt es bei gewerblichen Händlern oder karitativen Organisationen wie beispielsweise Oxfam und dem Deutschen-Roten-Kreuz zu kaufen. Durch die Weiterverwendung eines neuen Trägers, wird das Kleidungstück nicht wie ein Wegwerf-Artikel behandelt und hat ein längeres Leben vor sich. Wer Second-Hand-Mode kauft, trägt daher auch seinen Teil dazu bei, den Verschleiß von Rohstoffen zu verlangsamen und freundlich mit der Umwelt umzugehen. Zudem wird bares Geld gespart.

Second-Hand-Ware ist nicht zweitklassig, sondern oft erstklassige Markenware

Die Einstellungen von Jugendlichen zur Second-Hand-Mode sind dabei noch deutlich ausbaufähig. Laut einer Greenpeace-Umfrage mögen fast siebzig Prozent der Jugendlichen Second-Hand-Kleidung nicht, weil sie ihrer Ansicht nach „nicht sauber“ ist. Dies ist jedoch ein Vorurteil, welches mit der Realität selten übereinstimmt. Schaut man in die Regale der Second-Hand-Läden – sei es bei gewerblichen oder karitativen Verkaufsstellen –, sieht man, dass sich die Kleidung in einem guten Zustand befindet. Manche Händler waschen und bügeln die angebotene Kleidung sogar vor dem Verkauf. Zudem ist die Kleidung keinesfalls schlecht. Oft sind die Kleidungsstücke von namhaften Herstellern. Vielerorts gibt es sogar Second-Hand-Designer-Shops, die gut frequentiert sind. Denn die Käufer erhalten oft nur selten getragene Ware von Nobel-Marken für günstiges Geld.

Online-Portale als Schnäppchenzentrum

Auch Flohmärkte oder Online-Plattformen wie Ebay oder der Kleiderkreisel bieten oft interessante Second-Hand-Kleidungs-Schnäppchen an. Was andere ausrangieren, trifft den eigenen Geschmack manchmal besonders gut und ist zudem noch günstig zu haben.

Wieso nicht das Abendkleid ausleihen?

Wer Kleidung ausleiht, trägt auch seinen Teil zum nachhaltigen Umgang mit Mode bei. Das

Abendkleid für den Ball muss nicht unbedingt neu gekauft werden. Spezielle Geschäfte bieten die Möglichkeit, Abendrobe auch auszuleihen. Auch online ist dies bereits möglich. So kann man für einen Tag ein Designer-Kleid tragen, ohne sein ganzes Gehalt darauf zu verwenden. Leihen spart dem Träger somit einerseits Geld, andererseits hängt das Stück nach dem Anlass nicht auf ewig ungetragen im eigenen Kleiderschrank.

Kleider-Abo gibt Möglichkeit, immer neue Stücke auszuprobieren

Im digitalen Zeitalter ist das Ausleihen nicht mehr nur auf Abendkleider und reale Geschäfte beschränkt. Auf der Internet-Seite www.kleiderei.com kann man ein Kleiderabo abschließen. Der Kunde kann vier Kleidungsstücke aussuchen. Wenn es weniger sind, wird das Paket nach dem Stil des Kunden, der vorher einen Fragebogen ausgefüllt hat, aufgefüllt. Das Kleiderei-Sortiment setzt sich dabei aus exklusiven Designer-Kooperationen mit Jung-Designern, ausgewählten Vintage-Teilen und Ex-Lieblingsstücken der Kunden zusammen. Wenn der Kunde Lust auf etwas Neues hat, kann er die Kleiderei-Teile zusammenpacken, zurückschicken und neue Stücke auswählen. Ein Retoure-Schein liegt jedem Paket bei. Nach 3 Monaten Startphase kann das Kleiderei-Abo gekündigt werden.

Recyceln und Reparieren

Der Reißverschluss der Lieblingsjacke ist kaputt? Bei der Knopfzierleiste fehlen auf einmal Knöpfe? Kein Grund zur Sorge. Die Lieblingsstücke müssen nicht gleich weggeworfen werden. In sogenannten Repair-Cafés wird das Kleidungsstück wieder auf Vordermann gebracht und einsatzbereit gemacht. Recyceln beziehungsweise „upcyceln“ ist zudem eine Möglichkeit, aus „alt“ „neu“ zu machen. Hierbei werden alte Kleidungsstücke in neuen verarbeitet – sei es der Kragen des Hemdes oder der Stoffrest der alten Bluse. Manche Hersteller von Sport-und Outdoor-Bekleidung bieten Jacken und Rucksäcke aus aufbereitetem Material wie Plastikflaschen an.

Tausch-Partys als Kleider-Plattform

Eine weitere Möglichkeit, Kleidung länger leben zu lassen, sind Tausch-Partys, die entweder privat oder durch bestimmte Anbieter organisiert sind. Wer also schon längst einmal seinen Kleiderschrank ausmisten wollte und gerne ein paar neue Stücke ergattern möchte, ist auf einer Tauschparty richtig. Bei einer Kleider-Tausch-Party können Kleidungsstücke, die man selbst nicht mehr trägt, gegen die Schrank-Leichen anderer getauscht werden. Die Kleidung sollte dabei noch gut erhalten und wenig getragen sein, sodass der neue Besitzer sie noch eine Weile tragen kann. Wer Tauschpartys besuchen möchte, sollte googeln. Das Internet gibt Auskunft über Veranstaltungen und Austragungsorte.

Quellen und weitere Informationen:

Stand: August 2017