Öko-Label bei Textilien

Wie sehr bei der Herstellung unserer Kleidung die Umwelt belastet wurde, wo die Textilien herkommen, wer sie unter welchen Bedingungen genäht hat und ob die Materialien unsere Gesundheit belasten, ist auf den ersten Blick meist nicht so leicht zu erkennen. Einige herstellerübergreifende Siegel geben Auskunft darüber, ob und in welchem Umfang die Textilien umwelt- und sozialverträglich produziert wurden.

RS10868_Farbige T-Shirts auf Buegeln © Michael Flippo - Fotolia.com_.jpg

farbige T-Shirts auf Kleiderbügel

Baumwolle: Raubbau an Mensch und Natur

Während früher Textilien vor allem aus Wolle hergestellt wurden, wird heute der Großteil der weltweit produzierten Textilien aus Chemiefasern und Baumwolle gefertigt. Der Anbau von Baumwolle – überwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten – hat jedoch gravierende ökologische und soziale Folgen.

Auswirkungen auf die Umwelt
Der Baumwollanbau ist sehr wasserintensiv. Mehr als die Hälfte der weltweiten Baumwolle stammt von künstlich bewässerten Flächen. Für die Produktion von einem Kilogramm Baumwolle werden laut WWF im weltweiten Durchschnitt 22.000 bis 25.000 Liter Wasser benötigt. Besonders in niederschlagsarmen Anbauregionen führt dies zu gravierenden Problemen in der Wasserversorgung und zur Versalzung der Böden.

Der Anbau in Monokulturen führt unter anderem dazu, dass die Pflanzen extrem anfällig gegen Schädlinge sind. Obwohl Baumwolle auf nur vier Prozent der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche angepflanzt wird, werden rund elf Prozent aller Pestizide und etwa ein Viertel der weltweit eingesetzten Insektizide auf Baumwolläckern ausgebracht. Hinzu kommen gerade beim Anbau in Monokulturen ein hoher Düngereinsatz, große Bodenauslaugung und Grundwasserbelastung.

Soziale und gesundheitliche Folgen
Laut WHO sterben im Baumwollanbau jedes Jahr rund 20.000 Menschen bei Unfällen mit Pestiziden. Zudem gibt es 1,5 Millionen Vergiftungsfälle. Nicht nur die Arbeiter, auch die Bevölkerung in der Umgebung der Anbauflächen kommt mit den Pestiziden in Kontakt. Denn das Wasser ist durch die Pestizide kontaminiert, die Chemikalien reichern sich im Trinkwasser sowie in Lebens- und Futtermitteln an.

Um die Chemikalien kaufen zu können, verschulden sich viele Kleinbauern, deren Existenz durch die Versalzung der Böden und das Absinken des Grundwasserspiegels ohne hin bedroht ist. Laut Wuppertal Institut gefährden der Verlust der Bodenfruchtbarkeit und das Festhalten an nicht nachhaltigen Anbauweisen in vielen Entwicklungsländern die Lebensgrundlagen. Zudem konkurriert der Baumwollanbau mit der eigentlich notwendigen Lebensmittelproduktion. Außerdem: Über 90 Millionen Kinder arbeiten nach Angaben von UNICEF weltweit in der Baumwollindustrie.

Verlässliche Siegel und Qualitätszeichen

Ein einheitliches, unabhängiges Qualitätssiegel für faire und ökologische Kleidung gibt es bislang nicht. Die Begriffe „Öko“, “Bio" oder “organic“ sind bei Textilien zudem nicht umfassend geschützt. Den verschiedenen Textil-Kennzeichnungen liegen daher unterschiedliche Kriterien zu Grunde. Es gibt Kennzeichen, die ökologische und soziale Aspekte entlang des gesamten Herstellungsprozesses berücksichtigen und solche, die nur den Schadstoffgehalt im Endprodukt berücksichtigen. Im Folgenden werden ausschließlich herstellerübergreifende Siegel vorgestellt, denen stets ökologische und soziale Kriterien zu Grunde liegen – allerdings in unterschiedlichem Maße.

Das Qualitätszeichen „IVN zertifiziert NATURTEXTIL BEST“

… kennzeichnet Kleidung aus Naturfasern, zum Beispiel Baumwolle, Leinen oder Seide, die nach höchsten Standards umweltschonend und sozialverträglich produziert wurde.
Die Baumwolle der so gekennzeichneten Kleidungsstücke stammt aus zertifizierter und kontrolliert ökologischer Landwirtschaft. Neben den Fasern selbst müssen auch alle anderen für die Kleidung verwendeten Accessoires aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt sein. Bei der Weiterverarbeitung der Baumwolle dürfen keine schädlichen Chemikalien benutzt werden. Neben den hohen Umweltstandards gelten auch hohe Sozialstandards wie das Verbot von Zwangsarbeit, Diskriminierung und Kinderarbeit sowie die Einhaltung geregelter Arbeitszeiten. „IVN zertifiziert NATURTEXTIL BEST“ basiert auf ambitionierten ökologischen und sozialen Aspekten, wobei die Kriterien über die gesetzlichen Vorgaben hinausreichen.
 

Das Qualitätszeichen „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“

… ist weniger streng als das Qualitätszeichen „IVN zertifiziert NATURTEXTIL BEST“. So können zum Beispiel auch Fasern aus konventioneller Erzeugung verwendet werden, wenn nicht genügend Rohstoffe aus kontrolliert biologischer Herstellung verfügbar sind. Dies gilt jedoch nicht für Baumwolle – sie muss immer aus kontrolliert biologischer Herstellung stammen. Auch hier sind nur vergleichsweise umweltschonende Verarbeitungs- und Ausrüstungsmethoden erlaubt. Darüber hinaus müssen bei allen Arbeitsschritten die sozialen Mindeststandards der „IVN zertifiziert NATURTEXTIL BEST“-Zertifizierung eingehalten werden.

Das Textilsiegel „Global Organic Textile Standard(„GOTS“)

… entspricht in seinen Qualitätskriterien dem Kennzeichen „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“: Die Kennzeichnung besagt, dass bei der Produktion von Kleidungsstücken aus Naturfasern (zum Beispiel Baumwolle, Leinen, Seide) auf den Einsatz bedenklicher Chemikalien verzichtet wird. Es werden nur Farbstoffe und Hilfsmittel gewählt, deren toxikologischen und ökologischen Wirkungen geprüft sind und die als unbedenklich eingestuft werden. Auch soziale Mindeststandards wie Verbot von Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Diskriminierung sowie die Einhaltung von geregelten Arbeitszeiten sind Teil des „GOTS“-Standards und werden regelmäßig überprüft. Das Gütesiegel basiert auf ökologischen und sozialen Aspekten, wobei die Kriterien über die gesetzlichen Vorgaben hinausreichen.

Es gibt zwei Varianten von „GOTS“. In jedem Fall müssen mindestens 70 Prozent der Fasern aus Bio-Anbau (bzw. aus in Umstellung auf Bio-Anbau befindlicher Produktion) stammen:

  • "GOTS grade 1" bzw. „organisch“ (bio) oder „organisch – in Umstellung“ kennzeichnet Textilien, die zu mindestens 95 Prozent aus zertifizierten Fasern des Bio-Anbaus bestehen oder aus Baumwolle von Feldern, die gerade auf den ökologischen Anbau umgestellt werden.
  • Textilien mit dem Label "GOTS grade 2" bzw. „aus X Prozent bio“ oder „aus X Prozent in Umstellung auf bio“ müssen zu mindestens 70 Prozent aus zertifizierten Fasern des Bio-Anbaus bestehen bzw. aus Betrieben, die in Umstellung auf Bio-Anbau sind. Wie hoch der jeweilige Anteil ist, wird auf dem Gütezeichen in Prozent angegeben.

Das Europäische Umweltzeichen („Euro Blume“)

… kennzeichnet Textilien, die umweltfreundlich hergestellt wurden und im Vergleich zu konventionellen Produkten geringere Umweltauswirkungen haben, wobei die Kriterien über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Für Textilfasern mit diesem Zeichen gelten Grenzwerte für die Verwendung von Formaldehyd und ein Verbot von krebserzeugenden Farbstoffen. Ökologische und gesundheitliche Aspekte werden sowohl bei den eingesetzten Fasern und Hilfsstoffen als auch beim Endprodukt berücksichtigt. Soziale Kriterien sind kein Vergabekriterium.
 

Die Zeichen „Textiles Vertrauen - Schadstoffgeprüft nach Öko-Tex Standard 100 + Öko-Tex Standard 1000“ und „Textiles Vertrauen – Schadstoffgeprüfte Textilien nach Öko-Tex Standard 100“ („Öko-Tex 1000“)

... kennzeichnen schadstoffgeprüfte Textilien, die in umweltbewusst arbeitenden Betrieben hergestellt wurden. Bei der Vergabe der Siegel spielen ökologische Kriterien wie die Abwasserreinigung, der Energieeinsatz, der Einsatz von Chemikalien und Technologien sowie Sozialkriterien (zum Beispiel Verbot von Diskriminierung und Zwangsarbeit) eine wesentliche Rolle.

Die Kriterien, auf denen Öko-Tex 1000 basiert, berücksichtigen sowohl die Produkte (Schadstoffprüfungen) als auch den Produktionsablauf (Betriebsprüfungen) und gehen teilweise über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.

Das Siegel „Textiles Vertrauen – Schadstoffgeprüfte Textilien nach Öko-Tex Standard 100“ ist nur eingeschränkt zu empfehlen, da hierbei nur ein Teil der ökologischen und gesundheitlichen Aspekte des Siegels „Öko-Tex Standard 1000“ als Bewertungskriterien herangezogen werden.

Das Fairtrade-Siegel

…garantiert, dass die in einem Kleidungsstück verarbeitete Baumwolle fair gehandelt wurde – die Produzenten also einen fairen und stabilen Preis für ihre Baumwolle erhalten haben. Das klassische Fairtrade-Zeichen wird für Baumwoll-Textilien durch den Schriftzug "Certified Cotton" ergänzt. Auch wenn in erster Linie der faire Handel zertifiziert wird, schließen die Fairtrade-Kriterien aber auch besonders umweltschädliche Anbaumethoden aus.
 

Nachhaltigkeit bei der Kleidung

Wem Nachhaltigkeit sowohl beim Kauf der Kleidung als auch während des Tragens und Pflegens wichtig ist, kann sich an folgenden Tipps orientieren:

  • Kauf von Textilien aus Bio-Baumwolle und/oder mit Umweltzeichen, wobei die Umweltkennzeichnungen kritisch zu hinterfragen sind 
  • Kauf langlebiger, nicht extrem modeabhängiger Textilien
  • Second-Hand: alte Kleider neu entdecken
  • Energieeffizientes Waschen (niedrige Temperatur, volle Beladung der Waschmaschine)
  • Verzicht auf Wäschetrockner, wenn möglich
  • Stromsparende Waschmaschine und Wäschetrockner nutzen

Weitere Informationen

Informationen aus anderen Quellen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zu Verbraucherrecht 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
  • Informationen zu weiteren Siegeln: www.verbraucher.de/fairer-handel?i=3

Verfasser:  Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt,

Stand: August 2017