Steuerlich absetzbar: Unfall auf dem Weg zur Arbeit

Wer bei einer beruflichen Fahrt einen Unfall hat, kann die Kosten dafür steuerlich als Werbungskosten absetzen. Allerdings gilt dies nur für den direkten Weg zur Arbeitsstelle oder wenn das geparkte Auto während der Arbeitszeit beschädigt wurde.

Auffahrunfall Daniel Bujack - fotolia.com_.jpg

Auffahrunfall mit zwei Pkw

Voraussetzung für die steuerliche Berücksichtigung

Unfallkosten können von der Steuer abgesetzt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der Unfall ist auf einer beruflichen Fahrt passiert.
  • Die Kosten wurden tatsächlich selbst bezahlt.

Was sind berufliche Fahrten?

Nicht nur der direkte Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zählt als beruflicher Anlass, sondern auch:

  • Fahrten zu Vorstellungsgesprächen
  • Fahrten zu beruflichen Fortbildungsveranstaltungen
  • Fahrten aufgrund eines beruflich bedingten Umzugs
  • Fahrten aufgrund einer doppelten Haushaltführung
  • Beruflich bedingte Umwegfahrten (zum Beispiel zur Abholung von Mitgliedern einer Fahrgemeinschaft, Betanken des Fahrzeuges)
  • Fahrten zum Kauf von Arbeitsmitteln

Wird das geparkte Auto während der Arbeitszeit beschädigt, so können die damit verbundenen Kosten ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden.

Wird nicht der direkte Weg von der Arbeitsstätte nach Hause gewählt, weil noch im Supermarkt eingekauft wird oder das Kind vom Kindergarten abgeholt werden muss, und es passiert ein Unfall, dann sind die entstandenen Unfallkosten nicht abzugsfähig.

Welche Kosten sind abzugsfähig?

Folgende Kosten können zum Beispiel abgesetzt werden:

  • Abschleppkosten
  • Ausgaben für Anwälte, Sachverständige, Gerichtskosten
  • Reparaturkosten am eigenen oder geliehenen Fahrzeug
  • Unfallnebenkosten wie Telefonkosten, Ausgaben für Taxifahrten, Fahrten zum Rechtsanwalt, Gericht oder zur Werkstatt
  • Schadensersatzzahlungen an den Unfallgegner sowie an den Eigentümer eines geliehenen Autos
  • Selbstbeteiligung bei Teilkasko- und Vollkaskoversicherungen
  • Zinsen für einen Kredit zur Finanzierung der Unfallkosten

Erhöht sich der Versicherungsbeitrag durch den Unfall, so kann der in den Folgejahren zu zahlende höhere Beitrag nicht abgesetzt werden. Gleiches gilt für Verwarnungsgelder oder Bußgelder.

Es gibt keine Höchstgrenze für steuerlich abzusetzende Unfallkosten.

Was ist bei selbst verschuldetem Unfall?

Es spielt keine Rolle, ob der Unfall selbst verschuldet wurde. Wichtigstes Kriterium ist, dass der Unfall bei einer beruflich bedingten Fahrt passiert ist. Wer allerdings Alkohol trinkt und einen Unfall verursacht, kann die Kosten nicht steuerlich absetzen.

Was ist bei Erstattungen von dritter Seite aus?

Wer die Kosten infolge des Unfalls zum Beispiel vom Unfallgegner oder der Versicherung erstattet bekommt, muss diesen Betrag von den unfallbedingten Kosten abziehen. Dies gilt nur, wenn im Jahr des Unfalls beziehungsweise im Jahr der Zahlung der Unfallkosten die Ausgaben erstattet wurden. Werden die bezahlten Unfallkosten erst später erstattet, dann müssen diese Beträge als Einnahmen versteuert werden.

Welche Unterlagen sind beim Finanzamt einzureichen?

In der Regel sind folgende Unterlagen einzureichen bzw. Angaben zu machen:

  • Polizeilicher Unfallbericht
  • Unfallort und Unfallzeit
  • Nachweis der Versicherungsleistungen
  • Falls vorhanden: Zeugenaussagen
  • Rechnungen über die Reparaturkosten

Die Kosten sind bei der Steuererklärung im Formular „Anlage N“ auf der Seite 2 unter „Werbungskosten“ einzutragen.

Wer per Post die Steuererklärung abgibt, kann die Belege beifügen. Wer die Steuererklärung online ausfüllt, sollte die Belege aufbewahren für den Fall, dass die angegebenen Kosten nachgewiesen werden müssen.

Übrigens: Auch Radfahrer und Fußgänger können Unfallkosten, die beruflich bedingt entstanden sind, absetzen.

Stand: August 2017