Sorgfaltspflichten und Schutz vor Missbrauch

Der Umgang mit Bank- und Kreditkarten erfordert ein Mindestmaß an Sorgfalt und Vorsicht. Denn wer seine Finanzen nicht im Griff hat, riskiert, dass die Karten irgendwann gesperrt werden. Und wer allzu achtlos mit Karten und PINs umgeht, sorgt dafür, dass moderne Bankräuber ein leichtes Spiel haben.

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Kreditkartensicherheit

Die Kosten im Blick, Schulden vermeiden

Egal, ob Bank-, Geld- oder Kreditkarte, Kosten entstehen fast immer. Zum einen berechnen Banken und Kreditkarteninstitute monatliche oder jährliche Entgelte dafür, dass sie die Karten zur Verfügung stellen. Diese Kosten fallen unabhängig von den mit der Karte vorgenommenen Transaktionen an.

TIPP:

Manche Banken bieten kostenlose Girokonten an – inklusive einer Bankkarte mit Zahlungsfunktion. Bedingung ist oft ein monatlicher Mindestumsatz auf dem Konto.

Zum anderen berechnen Banken oft Kosten für einzelne Transaktionen. Wer beispielsweise mit seiner Bank- oder Kreditkarte Bargeld vom Konto abheben möchte, sollte sich vorher über die Kosten informieren. Die eigene Bank oder Banken derselben Bankengruppe verlangen hierfür kein oder nur ein geringes Entgelt, wenn man die Bankkarte an deren Geldausgabeautomat benutzt. Bei fremden Banken kann es teuer werden. Abhebungen mit der Kreditkarte sind in der Regel – auch bei der eigenen Bank - immer teurer.

Vorsicht Schuldenfalle! Mit der Kreditkarte einkaufen und später zahlen, so werben viele Kreditkartenanbieter. Leicht verliert man den Überblick und gibt mehr aus, als man in einem vernünftigen Zeitrahmen zurückzahlen kann. Und das kann teuer werden. Denn sowohl für den Dispokredit auf dem Girokonto als auch für Kredite der Kreditkartenanbieter sind oft Zinsen bis zu 15% fällig.

Vor Auslandsreisen die Akzeptanz der Karten und die Kosten, die beim Einsatz der Karten entstehen können, prüfen. Wer eine V-Pay-Karte besitzt, sollte vor der Reise  mit der Bank klären, ob die V-Pay-Karte am Reiseziel akzeptiert wird. Außerdem: Kartenlimit überprüfen und dieses gegebenenfalls für die Dauer der Urlaubsreise erhöhen, damit bei unvorhergesehenen Notfällen (zum Beispiel Reiseabbruch und Buchung eines neuen Rückflugtickets) ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.  

Das Verlustrisiko minimieren

Moderne Bankräuber lassen sich immer etwas Neues einfallen, um die Schwächen des elektronischen Geldverkehrs für sich nutzen zu können. Ziel der Diebesbanden ist es, an die Karten und PINs zu kommen. Die Methoden ändern sich jedoch laufend. Häufig ist das Konto längst geplündert, wenn der Kunde den Verlust bemerkt.

Grundsätzlich gilt, dass die Bank für die Sicherheit der von ihr zur Verfügung gestellten Automaten verantwortlich ist. Sie muss auch beweisen, dass der Karteninhaber den Auftrag – beispielsweise zur Abhebung eines Geldbetrages – gegeben hat. Hier genügt jedoch ein sogenannter „Anscheinsbeweis“. Wenn die zur Bankkarte passende PIN eingegeben wurde, kann die Bank davon ausgehen, dass der Karteninhaber die Verfügung getroffen hat.

Diesen „Anscheinsbeweis“ muss der Kunde widerlegen. Das kann er, in dem er beweist, dass ihm die Karte gestohlen wurde und er die Karte rechtzeitig – vor der Abbuchung – hat sperren lassen. Kann der Karteninhaber diesen Beweis führen, tragen die Bank oder der Kartenaussteller den finanziellen Schaden. Allerdings kann die Bank vom Karteninhaber einen Eigenanteil von bis zu 150 Euro verlangen.

Wurde das Konto vor der Kartensperre leer geräumt, dann unterstellen Bank oder Kartenaussteller dem Karteninhaber grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit der PIN und fordern von ihm Schadenersatz. Den finanziellen Verlust muss der Karteninhaber dann selbst tragen.

Viele Gerichte teilen diese Auffassung. Einige Gerichte lassen aber das Argument, die PIN sei ausgespäht oder geknackt worden, gelten. Dafür muss der Karteninhaber glaubwürdig belegen, dass er mit der PIN sorgfältig umgegangen ist, diese zum Beispiel nirgendwo notiert hat und an keine anderen Personen weiter gegeben hat. Der Ausgang eines solchen Rechtstreites ist aber eher unsicher.

Verhaltensregeln

Es lohnt sich also, mit Karten und PINs sorgfältig umzugehen, um das Risiko einer missbräuchlichen Nutzung zu minimieren. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es jedoch nicht. Die nachstehenden Verhaltensregeln sollten unbedingt eingehalten werden:

  • Wenn die Karte verloren geht oder gestohlen wurde, diese sofort sperren lassen. Hierfür gibt es rund um die Uhr eine zentrale Servicenummer für alle Karten: 116116.
    Diese Nummer ist mit der Vorwahl 0049 auch aus dem Ausland erreichbar. Man kann aber auch direkt bei seiner Hausbank anrufen. Der Bundesgerichtshof hat am 20.10.2015 entschieden, dass eine Ersatzkarte unentgeltlich auszustellen ist, wenn die erste Karte gestohlen wurde oder abhandengekommen ist.
     
  • Auch  wenn die Karte im Geldausgabeautomat stecken bleibt oder wenn man glaubt, man habe die Karte nur verlegt, sollte man diese sofort sperren lassen.
     
  • Karte und PIN nie zusammen aufbewahren.
    Keinesfalls sollte man sich die PIN irgendwo aufschreiben – auch nicht verschlüsselt. Am besten ist es, die PIN auswendig zu lernen und den PIN-tragenden Beleg zu vernichten.
    Übrigens: wer seine PIN vergisst, bekommt eine neue. Die Bank berechnet hierfür allerdings ein Entgelt.
     
  • Abstand halten. Wenn man seine PIN eingeben muss, immer darauf achten, dass Dritte diese nicht „ausspähen“ können. Im Supermarkt oder Kaufhaus, Personen, die zu nahe stehen, auffordern, Abstand zu halten.
     
  • Vorsicht Betrüger! Niemals die PIN an einem angeblich defekten Geldausgabeautomat – auch wenn da eine Aufforderung der Bank hängt – mehrfach eingeben oder sich von angeblichen Bankmitarbeitern dabei helfen lassen.
     
  • Geringes Guthaben auf der Geldkarte (Chip) schützt vor größeren Verlusten bei Diebstahl.

Weitere Informationsquellen

Informationen aus anderen Quellen
Hier finden Sie eine Übersicht über die Rufnummern, die zur Sperrung von Bank-und Kreditkarten angerufen werden können

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Persönliche Beratung in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen.
  • Telefonische Beratung 0900-1-972010.
    1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
  • Homepage: http://www.verbraucher.de

Stand: August 2017