Schritt für Schritt aus der Verschuldung

Schulden entstehen nicht über Nacht. Betroffene haben jahrelange „Schuldnerkarrieren“ hinter sich. Um finanzielle Engpässe zu überbrücken, werden immer neue Verpflichtungen eingegangen. Die Schulden wachsen weiter an. Viele verlieren den Überblick über ihre finanzielle Situation und fühlen sich überfordert. Einen Ausweg findet nur, wer sich der Situation und seinen Schulden stellt.

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Geldbörse in der Hand

Erstellen einer Gläubigerliste

Eine erfolgreiche Schuldensanierung setzt das Wissen voraus: welche Gläubiger bzw. wie viele Gläubiger haben aktuell welche Forderungen? Eine Gläubigerliste hilft dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Auflistung erfolgt zunächst anhand der eigenen Unterlagen wie Rechnungen, Verträgen, Mahn- und Inkassoschreiben. Eine Eigenauskunft bei der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) sowie eine Anfrage beim zuständigen Vollstreckungsgericht stellen sicher, dass alle Gläubiger erfasst sind.

Verbraucher erhalten gemäß § 34 Bundesdatenschutzgesetz von der Schufa auf Anfrage einmal pro Jahr eine kostenlose Datenübersicht. Hieraus wird ersichtlich, welche Informationen dort über den Betroffenen gespeichert sind und von wem diese gemeldet wurden.

Über das zuständige Vollstreckungsgericht, das ist das Amtsgericht am Wohnsitz des jeweiligen Schuldners, kann dieser in Erfahrung bringen, welcher Gläubiger in den letzten Jahren einen Vollstreckungsauftrag erteilt hat, also z. B. den Gerichtsvollzieher geschickt oder eine Kontopfändung veranlasst hat. Hat der Verschuldete in den letzten zehn Jahren den Wohnsitz gewechselt und ist deshalb in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Amtsgerichts gezogen, ist bei jedem der Amtsgerichte eine schriftliche Anfrage zu stellen.

Anfordern von Forderungsaufstellungen

Sind alle Gläubiger bekannt, ist die tatsächliche Höhe der Schulden zu ermitteln. Hierzu werden die Gläubiger oder deren Vertreter aufgefordert, ihre Forderungen mitzuteilen. Um die geltend gemachten Forderungen prüfen zu können, ist es wichtig, eine detaillierte Forderungsaufstellung zu erhalten. Mitteilungen wie „Sie schulden derzeit einen Betrag in Höhe von 15.500 Euro“ sind für den Einzelnen, aber auch für eine Schuldnerberatungsstelle oder einen Rechtsanwalt nicht nachvollziehbar. Für eine Überprüfung der Forderung auf ihre Rechtmäßigkeit ist es notwendig, zu wissen, wie hoch Hauptforderung und Zinsforderung sind und welche Kosten geltend gemacht werden. Um eine eventuelle Verjährung der Forderung prüfen zu können, muss klar sein, ob und, wenn ja, wann welche Zahlungen in der Vergangenheit geleistet wurden.

Korrektur der Forderungen

Gläubigerforderungen sind nicht selten überhöht bzw. nicht nachvollziehbar. In den Forderungsaufstellungen erscheinen Positionen wie Inkassogebühren, Mahngebühren, sonstige Auslagen oder gerne auch Vergleichsgebühren für Ratenzahlungsvergleiche. Nicht selten werden auch verjährte Zinsen geltend gemacht. Um sich dagegen wehren zu können, ist es erforderlich rechtlichen Rat einzuholen.

Reduziert sich die geltend gemachte Forderung um nicht zulässige Kosten oder verjährte Zinsen, ist dies bares Geld wert. Nur der Betrag, der tatsächlich geschuldet wird, sollte Grundlage für ein Regulierungskonzept sein.

Ausarbeitung eines konkreten Regulierungsplanes

Bei der Ausarbeitung eines Vergleichsvorschlages ist immer die jeweilige individuelle Situation des Verschuldeten zu berücksichtigen. Wie viel Geld steht ihm zur Verfügung? Bestehen langfristige Zahlungsverpflichtungen, aus denen er sich momentan nicht lösen kann, wie etwa langjährige Versicherungsverträge? Aber nicht nur finanzielle Aspekte sind zu beachten. Mentalität und Familiensituation des Betroffenen spielen ebenfalls eine Rolle. Hält er eine jahrelange Ratenzahlung durch? Wie sieht seine weitere Lebensplanung aus? Will er vielleicht an einer Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen, um bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben? Welche Vorgehensweise wird den Schuldner motivieren, beim Abbau der Schulden durchzuhalten?: Das Geld für die jeweilige Vergleichszahlung ansparen und die Gläubiger dann mit Einmalzahlungen nacheinander über einen längeren Zeitraum zu befriedigen? Oder lieber mit mehren oder gar allen Gläubigern Ratenzahlungen vereinbaren, die gleichzeitig bedient werden?

Vergleichsverhandlungen, in denen Gläubigern die Begleichung eines Teils ihrer Forderung als Einmalzahlung gegen Verzicht auf die Restforderung angeboten wird, haben die größten Erfolgschancen. Hat der Betroffene keine Eigenmittel zur Verfügung, kann er vielleicht auf Hilfe und Unterstützung von Familie und Freunden zurückgreifen. Freunde und Verwandte sollten sich jedoch nicht aus falsch verstandener Hilfsbereitschaft selbst verschulden, indem sie Kredite aufnehmen oder das Girokonto überziehen.

Bei Regulierungsplänen, die über einen längeren Zeitraum laufen, ist genau zu überlegen, welche Summen in Zukunft aufgebracht werden können. Niemandem ist geholfen, wenn unrealistische Beträge versprochen werden und die Raten dann nicht gezahlt werden können. Läuft der Vergleich über einen längeren Zeitraum, ist es ratsam, keine festen Beträge anzubieten. Sinnvoller ist es, den jeweils pfändbaren Betrag des Einkommens anzubieten. Damit ist sichergestellt, dass dem Schuldner zumindest immer das Existenzminimum verbleibt. Die aktuelle Pfändungstabelle sowie Hinweise zu ihrer Anwendung gibt es auf den Internetseiten des Bundesjustizministeriums.

Letzter Ausweg – Insolvenzverfahren

Scheitert der Versuch einer gütlichen Einigung mit den Gläubigern, kann mit Hilfe eines Insolvenzverfahrens eine Entschuldung erreicht werden. Die Insolvenzordnung bietet dem redlichen Schuldner mit der Verbraucherinsolvenz ein Verfahren an, mit dem er nach einer bestimmten Frist schuldenfrei wird. Über einen Zeitraum von maximal sechs Jahren wird der jeweils pfändbare Betrag seines Einkommens an seine Gläubiger verteilt. Die Höhe des pfändbaren Einkommens wird anhand der aktuellen Pfändungstabelle ermittelt. Während dieser Zeit muss der Betroffene bestimmte Pflichten beachten. Er muss zum Beispiel einer angemessenen Erwerbstätigkeit nachgehen oder sich im Falle der Erwerbslosigkeit um eine solche bemühen. Nach Ablauf von maximal sechs Jahren wird der Schuldner von seinen Restschulden befreit. Er darf dann von seinen Gläubigern nicht mehr „belästigt“ werden, gleichgültig wie hoch seine Restschulden noch sind.

Weitere Informationen

Informationen aus anderen Quellen

  • Ausführliche Informationen über die Zugangsvoraussetzungen des Verbraucherinsolvenzverfahrens und seine Ablauf enthält die vom Bundesministerium für Justiz herausgegebene, kostenfreie Broschüre „Restschuldbefreiung – eine Chance für redliche Schuldner“. Diese kann kostenlos über die Internetseiten des Ministeriums heruntergeladen oder telefonisch bestellt werden unter (030) 18 27 22 721.

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Persönliche Schuldnerberatung in den Beratungsstellen Borken, Rüsselsheim und Frankfurt. Nähere Informationen hierzu über (069) 972010-900 oder bei den Beratungsangeboten der Verbraucherzentrale.
     
  • Telefonische Beratung Schulden und Insolvenz: (069) 972010-87, mittwochs 10 bis 14 Uhr.
     
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
     
  • Homepage: www.verbraucher.de/

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt
 

Stand: Juli 2017