Kapitalanlagebetrug

Von reich zu arm geht oft ganz schnell. Windige Berater versprechen märchenhafte Zinsen. Wer sein Geld bei den Märchenerzählern anlegt, erlebt einen Albtraum. Kapitalanlagebetrug tut richtig weh. Wie man sich und sein Vermögen schützt, verraten wir im fünften Teil unserer Serie.

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Geld, Lupe und Taschenrechner

Der hessische Rentner  hatte sich auf den verdienten Ruhestand gefreut und sein gespartes Geld – 500.000 Euro – bei einem in der Zeitung durch einen Anlageberater beworbenen Immobilienfonds angelegt. Unter dem Slogan „Hier legt die Elite an“ wurde ein Ertrag von acht bis zwölf Prozent versprochen. Gesehen hat der Unternehmer Volker Mittelmann aus Korbach von dem Geld nichts. Kurz nach der Anlage des Geldes wurden alle Auszahlungen aus diesem Fonds eingestellt und die Zahlungsunfähigkeit der Fonds erklärt.  Was Volker Mittelmann, der mittlerweile einen Kriminalroman über sein Schicksal geschrieben hat, passiert ist, nennt man Kapitalanlagebetrug. Vor allem Senioren, die ihr angespartes Geld vermehren wollen, werden Opfer von windigen Anlageberatern. Grundsätzlich gilt: Wer in der heutigen Zeit fünf Prozent Zinsen oder mehr verspricht, dem sollte man mit großer Vorsicht begegnen. Da bewegt man sich im Hochrisikobereich. Damit Sie nicht in ihre Falle tappen, verrät unser LKA-Experte Christoph Schulte im Gespräch, worauf Sie achten sollten.

VF: Kapitalanlagebetrug – was steckt dahinter?

Schulte: Die Täter haben es auf das Geld leichtgläubiger Investoren abgesehen.

Dabei spielen den Tätern regelmäßig zwei Umstände in die Hände: Die vor allem für Laien oft undurchsichtige Komplexität der angebotenen Finanzprodukte auf der einen und die auf Grund hoher Gewinnversprechen häufig fehlende Vorsicht potenzieller Anleger auf der anderen Seite.

VF: Wie kann ich seriöse Berater erkennen?

Schulte: Banken und sonstige Finanzdienstleister wie Vermögensberater und -vermittler sind verpflichtet, im Rahmen ihrer Kundenberatung über die Risiken des angebotenen Anlageprodukts aufzuklären. Sie sind ferner seit dem Jahr 2010 verpflichtet, den Inhalt jeder Anlageberatung zu protokollieren und dem Kunden eine Ausfertigung des Protokolls vor Vertragsabschluss auszuhändigen. Zur Beratung und Dokumentation gehören insbesondere die Angaben und Wünsche des Kunden in Zusammenhang mit einer Kapitalanlage, die vom Berater erteilten Empfehlungen und die für die Empfehlung maßgeblichen Gründe. Sollte Ihnen ein Anlageberater diese Informationen nicht zukommen lassen wollen, ist was faul.

VF: Was sind weitere Anzeichen für möglichen Betrug?

Schulte: Hohe Gewinnversprechen. Der Aussicht auf einen hohen Gewinn steht immer ein hohes Risiko, bis hin zum Totalverlust, gegenüber. Die oft als Werbemittel eingesetzten Produkt-Zertifizierungen (z.B. „Siegel“) bieten weder Gewähr für die Seriosität des Anbieters noch für risikolose Kapitalanlagen.

VF: Wie kann ich die Seriosität des Anlageberaters prüfen?

Schulte: Lassen Sie sich aussagekräftige Referenzen nachweisen. Sollte der Berater Sie unter Druck setzen oder Sie drängen etwas zu unterschreiben, ist das kein gutes Zeichen.  Achten Sie auf den Firmensitz. Unseriöse Anbieter von Anlageprodukten wählen ihren Geschäftssitz gerne im Ausland, vor allem in den bekannten Steueroasen in Übersee.

Achten Sie auch  auf die Gesellschaftsform. Beispielsweise kann eine als „Limited“ (Ltd.) geführte Gesellschaft mangels nennenswerten Stammkapitals keiner realistischen Haftungsverpflichtung unterliegen.

VF: Was empfehlen Sie dem Anleger?

Schulte: Lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters genau durch und stellen Sie bei Unklarheiten gezielte Nachfragen. Erkundigen Sie sich immer nach der Absicherung Ihrer Investition. Bestimmte Produkte sind nämlich nicht über einen so genannten Einlagensicherungsfonds abgesichert. Das heißt, bei einer Insolvenz des ausgebenden Unternehmens sind diese Gelder verloren. Holen Sie Vergleichsangebote anderer Anbieter ein. Nutzen Sie den Service von Verbraucherzentralen und spezialisierten Anwälten, zum Beispiel Fachanwälten für Kapitalmarktrecht und lassen Sie die Ihnen vorliegenden Angebote prüfen.

VF: Wie verhalte ich mich, wenn ich an einen unseriösen Anbieter geraten bin?

Schulte: Grundsätzlich ist es ratsam, sich an die Verbraucherschutzzentralen oder direkt an einen Fachanwalt für Kapitalanlagedelikte zu wenden und eine Anzeige der Polizei zu erstatten.

VF: Wie ist die Chance, dass ich mein Geld wieder sehe, wenn ich an einen Betrüger geraten bin?

Schulte: Das kommt auf den Einzelfall an. Die Anzeige bei der Polizei und das anhängende strafrechtliche Verfahren müssen von der zivilrechtlichen Klagemöglichkeit unterschieden werden.

VF: Wie viele Fälle von Anlagebetrug gibt es jährlich? Sind Senioren, die aus ihrem Ersparten noch etwas machen wollen, vermehrt betroffen?

Schulte: Die Statistik im Jahr 2015 weist 3.838 Fälle mit einem Gesamtschaden in Höhe von 38.085.584 € aus. Aufgeklärt werden konnten 3.831 Fälle was einer Aufklärungsquote von 99,8% entspricht. 2016 wurden 2.734 Fälle mit einer Gesamtschadenshöhe von 63.797.015 € statistisch erfasst. Aufgeklärt wurde 2.731 Delikte, was einer Aufklärungsquote von 99,9% entspricht. Das Delikt Kapitalanlagebetrug zieht sich durch fast alle Altersschichten. Jeder Anleger sollte sich zweimal überlegen, ob er ein Angebot mit einem weit über dem Marktdurchschnitt liegenden Renditeversprechen nutzt. Hohe Rendite geht immer mit einem hohen Risiko, bis hin zum Totalverlust, einher. Das muss jedem Anleger klar sein.  

Christoph Schulte

Christoph Schulte

Stand: Juni 2017