Geliehenes für Zinsen und Sicherheiten

Eine neue Wohnungseinrichtung, ein kurzfristig benötigtes Auto oder auch der Urlaub – für Vieles reichen die Rücklagen oft nicht aus. Banken und Vermittler preisen Kredite zu günstigen Konditionen an. Wer auf Pump einkauft, sollte die Spielregeln rund um Zinsen, Sicherheiten und Kreditwürdigkeit kennen.

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Geldübergabe

Der Kreditvertrag: Geliehenes kostet

Ein Kredit ist ein Vertrag, bei dem eine Bank oder Sparkasse dem anderen Vertragspartner, auch Kreditnehmer genannt, für eine bestimmte Zeit Geld überlässt. Das macht sie jedoch nicht umsonst. Der Kreditnehmer muss für das geliehene Geld Zinsen bezahlen. In welcher Zeit er das Geliehene plus Zinsen zurückzahlen muss, wird schriftlich vereinbart – ebenso die sonstigen Bedingungen wie Zinshöhe, Tilgungsanteil und Ratenhöhe. Die Rechte und Pflichten, die sich aus einem nach dem 11.06.2010 geschlossenen Kreditvertrag ergeben, sind in den §§ 488 bis 510 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt.

Bieten Möbelhäuser oder Autohändler beim Kauf einen Kredit an (Ratenkauf), kommt das geliehene Geld meist von einer Bank. Der Kreditvertrag wird also mit dieser abgeschlossen.

Tipp:

Achten Sie darauf, wer die finanzierende Bank ist und fragen Sie nach, wenn die Bank für Sie nicht erkennbar ist. Achten Sie auf den Sollzinssatz, zusätzliche Kosten, Laufzeit und Ratenhöhe. Unter Umständen liegt die Summe aller Raten weit über dem Barkaufpreis, sodass Ihre Investition nicht mehr wirtschaftlich ist.

Kein Kredit ohne Sicherheiten

Doch Banken und Sparkassen lassen sich den Kredit nicht nur über die Zinsen vergüten, sie möchten auch sicher sein, dass sie das geliehene Geld zurück erhalten. Vor der Kreditvergabe fordern sie daher verwertbare Sicherheiten wie Lohn- oder Gehaltsabtretungen, Restschuldversicherungen, Bürgschaften oder ähnliches.

Die Sicherheiten dürfen nicht willkürlich von der Bank festgelegt werden, sie müssen in Umfang und Höhe dem Kredit und dem erforderlichen Sicherungsinteresse entsprechen. Wer sich nicht sicher ist, ob er die geforderte Sicherheit geben muss, sollte sich rechtlich beraten lassen oder noch andere Kreditangebote einholen.

Achtung:

Eine Mitverpflichtung von Ehegatten oder die Übernahme von Bürgschaften kann dazu führen, dass der Mitverpflichtete oder Bürge sein Leben lang für Schulden Dritter zahlt.

Die Kreditwürdigkeit entscheidet

Ob man einen Kredit bekommt, wie hoch die Zinsen sind und welche Sicherheiten gestellt werden müssen, darüber entscheiden Banken und Sparkassen, nachdem sie die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers geprüft haben. Hierzu bedient sie sich meist der Schufa – Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung – und des von dieser durchgeführten Scoring. Der von der Schufa übermittelte Scorewert soll Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit zulassen.

Widerruf und Kündigung

Verbraucherkreditverträge können innerhalb von 14 Tagen nach Zugang der Belehrung über das Widerrufsrecht widerrufen werden. Wurde der Kredit bereits ausgezahlt, muss der Kreditnehmer diesen spätestens innerhalb von 30 Tagen nach Erklärung des Widerrufs zurückzahlen. Das Widerrufsschreiben sollte in diesen Fällen per Einschreiben mit Rückschein versandt werden.

Langfristige Verbraucherkredite mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren, die vor dem 11.06.2010 abgeschlossen wurden, können nach zehn Jahren mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt werden. Für kurzfristigere Verträge, die vor dem 11.06.2010 abgeschlossen und für die ein variabler Zins vereinbart wurde, gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Für die meisten anderen Kreditverträge, die vor dem 11.06.2010 abgeschlossen wurden, dürften die Kündigungsfristen bereits verstrichen sein. Im Zweifel hilft eine rechtliche Beratung weiter.

Nach dem 11.06.2010 abgeschlossene Verbraucherkredite können jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückgezahlt werden (§ 500 BGB). Der Darlehensnehmer muss allerdings an den Darlehensgeber eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Diese beträgt 1% beziehungsweise, wenn der Zeitraum zwischen vorzeitiger und vereinbarter Rückzahlung weniger als ein Jahr beträgt, 0,5% des vorzeitig zurückgezahlten Betrages. Dies gilt jedoch nicht für Immobiliardarlehensverträge, welche durch ein Grundpfandrecht gesichert sind.

Banken und Sparkassen können einen Kreditvertrag kündigen, wenn der Kreditnehmer ganz oder teilweise mit zwei aufeinander folgenden Raten und mindestens zehn Prozent des Kreditbetrages (bei einer Laufzeit von mehr als drei Jahren mindestens fünf Prozent) in Verzug ist und eine zweiwöchige Frist zur Nachzahlung verstrichen ist.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
  • Homepage:  Verbraucherzentrale Hessen

Verfasser:    Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: August 2017