Falscher Scorewert – was tun?

Wenn der Abschluss eines Handyvertrags abgelehnt wird oder einem Darlehensantrag nicht zugestimmt wird, liegt dies nicht selten an einem schlechten Scorewert oder einer negativen Auskunft der Auskunftei. Doch wie erfährt man, welche Daten die Auskunfteien gespeichert haben und welche Daten der Berechnung zugrunde liegen?

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Geldscheine und Münzen mit Stoppschild

Sich Klarheit verschaffen: Das Recht auf Auskunft

Seit der Reform des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) im Jahre 2010 hat jeder Verbraucher einmal jährlich einen Anspruch auf eine kostenfreie Selbstauskunft nach § 34 BDSG. Die Auskunft kann man formlos in Textform (zum Beispiel per Brief oder E-Mail) anfordern, und zwar über

  • die zu seiner Person gespeicherten Daten,
  • die Herkunft der gespeicherten Daten,
  • die Empfänger oder die Kategorien von Empfängern, an die Daten weitergegeben wurden,
  • den Zweck der Speicherung,
  • die in den letzten sechs Monaten vor dem Auskunftsverlangen erhobenen oder erstmalig gespeicherten Wahrscheinlichkeitswerte,
  • die tagesaktuellen und die innerhalb der letzten zwölf Monate an Dritte übermittelten Score-Werte,
  • die Empfänger der Scorewerte,
  • die zur Berechnung der Scorewerte genutzten Daten,
  • das Zustandekommen und die Bedeutung der Scorewerte.


Die Auskunft hat in nachvollziehbarer und allgemein verständlicher Form zu erfolgen. Dem Betroffenen müssen auf Wunsch die der Wahrscheinlichkeitsberechnung zugrunde liegenden Sachverhalte in einer für den Laien verständlichen Form dargelegt werden.

Dieser Auskunftsanspruch besteht gegenüber allen Auskunfteien, aber auch gegenüber anderen Stellen und Unternehmen, die Scorewerte verwenden und speichern, wie beispielsweise Banken oder Versandhäuser. Da es immer wieder vorkommt, dass fehlerhafte Daten zu einer falschen Bewertung führen, ist es ratsam, dieses Recht regelmäßig zu nutzen.

Wer der Meinung ist, dass sein Scorewert nicht richtig ist, sollte sie sich zunächst direkt an das Unternehmen wenden, das den Scorewert verwendet hat. Dabei sollte auch nach dem Grund der Ablehnung oder nach der Ursache für den hohen Zins gefragt werden. Die Verbraucherzentrale Hessen bietet hierfür ein Musterschreiben an.  

Hat das Unternehmen Daten oder einen Scorewert von einer Auskunftei verwendet, wird es dies mitteilen. Dann lässt sich bei der genannten Auskunftei nachprüfen, ob die gespeicherten Daten richtig sind. Die Verbraucherzentrale Hessen bietet auch hierfür ein Musterschreiben an.

Achtung:
Die Selbstauskunft ist einmal im Kalenderjahr kostenlos (§ 34 Absatz 8 Satz 1 BDSG). Für jede weitere Auskunft in Textform darf die Auskunftei grundsätzlich ein Entgelt erheben. Dies gilt jedoch nicht, wenn besondere Umstände die Annahme nahe legen, dass die Daten unrichtig, unvollständig oder unzulässig gespeichert wurden oder wenn die Auskunft ergibt, dass die Daten zu berichtigen oder zu löschen sind.

Viele Auskunfteien bieten neben der gesetzlich vorgeschriebenen kostenfreien Auskunft auch kostenpflichtige Auskünfte an. So bietet beispielsweise die SCHUFA neben der kostenfreien Datenübersicht nach § 34 BDSG auch eine Bonitätsauskunft mit Zusatzinformationen gegen Entgelt an. Zur Prüfung, welche Daten gespeichert wurden, ist jedoch die kostenfreie Auskunft ausreichend. Diese Auskunft enthält die persönlichen Daten wie Name, Geburtstag, Geburtsort, aktuelle Anschrift, gegebenenfalls frühere Anschriften und die gemeldeten Geschäftsbeziehungen. Genannt wird auch derjenige, der die Daten gemeldet hat und an wen die Daten übermittelt wurden. Zudem wird über die Scorewerte der letzten sechs Monate informiert und wer diese abgerufen hat.

Alles ins Reine bringen:  Berichtigen und Löschen von Daten

Haben unrichtige Daten zu einer negativen Bewertung oder einem ungünstigen Scorewert geführt, müssen diese Daten zunächst berichtigt werden. Am besten ist es, der Auskunftei schriftlich mitzuteilen, welche Daten zu berichtigen sind. Die Begründung hierfür sollte in dem Anschreiben gleich mitgeliefert werden – möglichst unter Vorlage geeigneter Nachweise. 

Zusätzlich sollte auch der für den Eintrag verantwortliche Vertragspartner schriftlich gebeten werden, bei der Auskunftei eine Berichtigung der Daten zu verlangen.

Der Anspruch auf Berichtigung fehlerhafter Daten ergibt sich aus § 35 Abs. 1 BDSG.  Kann nicht festgestellt werden, ob die Daten richtig oder falsch sind, sind diese von der Auskunftei zu sperren, § 35 Abs. 4 BDSG.

Sollte sich herausstellen, dass gespeicherte Daten fehlerhaft oder unzulässig gespeichert sind, muss die Auskunftei eventuell gezahlte Kosten für die Auskunft erstatten, § 34 Abs. 8 Satz 5 BDSG.

Darüber hinaus müssen Auskunfteien von sich aus in regelmäßigen Abständen prüfen, ob die zu einer Person gespeicherten Daten weiterhin erforderlich sind. Wenn nicht, sind die Daten zu löschen. § 35 Absatz 2 Nr. 4 BDSG gibt hierfür eine Frist von drei Jahren – beginnend mit dem Jahr, das der erstmaligen Speicherung folgt – vor. Hat sich beispielsweise in diesem Zeitraum eine Forderung erledigt, ist der entsprechende Datensatz zu löschen. Besteht die Forderung weiterhin, muss nach dem Ende des vierten Kalenderjahres nach der erstmaligen Speicherung erneut überprüft werden.

Viele Auskunfteien wenden diese Regelung fehlerhaft an. Häufig löschen sie die gespeicherten Daten erst drei Jahre nach Erledigung der Forderung. Das ist eindeutig zu spät.

Hinweis: Daten aus dem Schuldnerverzeichnis der Amtsgerichte sind nach Ablauf von drei Jahren seit dem Ende des Jahres der Eintragung im Schuldnerverzeichnis zu löschen. Ausnahmen gibt es im Hinblick auf die Löschung von Daten, die sich auf Insolvenzverfahren beziehen.

Weitere Informationen

  • Informationen zum Scoring-Verfahren und zur Berechnung des Scorewertes enthält der Fachbeitrag „Scoring – Bonitätsprüfung der Unternehmen und Banken“ (bitte verlinken)
  • Informationen des Hessischen Datenschutzbeauftragten auf www.datenschutz.hessen.de
  • Auf www.datenschutz.de finden Interessierte ein virtuelles Datenschutzbüro der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder sowie weiterer Projektpartner.

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zu Verbraucherrecht montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
  • Homepage: www.verbraucher.de 
  • Verbraucherinfos / Ratgeber:
    Ausführliche Informationen zum Datenschutz im Alltag bietet der Ratgeber „Meine Daten gehören mir“. Den 200-seitigen Ratgeber gibt es zum Abholpreis von 9,90 € in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen. Für zusätzlich 2,50 € bei Einzelversand, also für insgesamt 12,40 €, kommt er mit Rechnung – auch ins Haus.
    Bestellungen an:
    Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf,
    Bestell-Telefon: (0211) 38 09 - 555, Bestell-Fax: (0211) 38 09 - 235
    E-Mail: ratgeber@vz-nrw.de.

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: August 2017