Der Ratenkredit

Eine neue Wohnungseinrichtung, ein kurzfristig benötigtes Auto oder auch der Urlaub – für Vieles reichen die Rücklagen oft nicht aus. Banken und Vermittler preisen Kredite zu günstigen Konditionen an – immer öfter mit einer Nullprozentfinanzierung. Doch lohnt sich das wirklich?

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Geldscheine gebündelt

Der Ratenkredit: alles fest vereinbart

Bei einem Ratenkredit erfolgt die Rückzahlung in festgelegten und gleich bleibenden Raten - meist über einen Zeitraum von 36 bis 84 Monaten. Die Raten setzen sich aus den Zinsen und einem Tilgungsanteil zusammen. Mit Letzterem wird das geliehene Geld zurückgezahlt.

Der Kreditnehmer weiß also genau, wie viel er monatlich über den festgelegten Zeitraum für den Kredit zurückzahlen muss – er hat Planungssicherheit.

Die Kehrseite ist, dass man die Ratenhöhe nicht einfach senken kann, wenn sich das monatliche Einkommen des Kreditnehmers durch unvorhersehbare Umstände verringert.

Eine vorzeitige Rückzahlung des Kredits – ganz oder teilweise – ist möglich, § 500 BGB. Für eine solche Sondertilgung muss der Kreditnehmer allerdings eine Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von maximal 1% an die Bank oder Sparkasse zahlen. Ist der Zeitraum zwischen vorzeitiger und vereinbarter Rückzahlung kleiner als ein Jahr, beträgt die Entschädigung 0,5% des vorzeitig zurückgezahlten Betrages.

Achtung:

Wer seinen laufenden Kreditvertrag kündigen und einen neuen mit einer niedrigeren Rate abschließen möchte, muss mit steigenden Gesamtkosten rechnen. Denn neben der Vorfälligkeitsentschädigung für den gekündigten Kredit werden für den neuen Kreditvertrag unter Umständen weitere Kosten fällig. Im Vorteil ist, wer hier genau nachrechnet.

Zinshöhe

Ratenkredite gibt es mit bonitätsunabhängigen und bonitätsabhängigen Zinskonditionen. Gut situierte Verbraucher können von bonitätsabhängigen Zinsen profitieren. Die Kriterien für die Beurteilung der Bonität sind jedoch nicht einsichtig und werden dem Kreditnehmer in der Regel nicht mitgeteilt. Es gibt also keine Möglichkeit, im Nachhinein die Bonitätseinstufung zu verändern.

Tipp:

Mit besonders günstigen Zinsen dürfen Banken und Sparkassen nur werben, wenn mindestens zwei Drittel der Kreditnehmer den beworbenen Zinssatz erhalten.

Verbraucher müssen zudem vor Vertragsabschluss umfangreiche Informationen in Form eines standardisierten Merkblattes erhalten. Verschiedene Kreditangebote sollen so besser miteinander verglichen werden können. Fragen Sie daher vor Vertragsunterzeichnung gezielt nach dem standardisierten Merkblatt!

Nullprozentfinanzierung

Der Handel bietet beim Kauf von Möbeln oder Elektro-Artikeln zunehmend eine sogenannte „Nullprozentfinanzierung“ an. Im Ergebnis dürfte damit die Summe der Raten nicht höher als der bei Barzahlung zu leistende Preis sein.

Doch die Realität sieht leider anders aus. Häufig werden Entgelte, Vermittlungsprovisionen oder Prämien für eine Restschuldversicherung gefordert. Die vermeintlich günstige Finanzierung kann durch solche Kosten teuer werden.

Handelt es sich um eine „Nullprozentfinanzierung“ ohne jegliche Kosten und wurde der Vertrag vor dem 21.03.2016 abgeschlossen, gibt es kein Widerrufsrecht. Bei Verträgen, die ab dem 21.03.2016 geschlossen worden sind, ist ein Widerruf möglich, wenn die vereinbarte Kreditsumme mindestens 200 Euro beträgt. Wer den Kreditvertrag widerruft, ist dann auch nicht mehr an den Kaufvertrag gebunden. Voraussetzung ist, dass Kauf- und Ratenkreditvertrag ein verbundenes Geschäft darstellen.

Tipp:

Fragen Sie vor Abschluss des Finanzierungsvertrages, ob neben dem Zinssatz von null Prozent weitere Kosten vereinbart werden. Fragen Sie auch nach einem Barzahlungsangebot. Dieses könnte sogar günstiger sein.

Restschuldversicherung

Zur Absicherung des Kreditrisikos bieten Banken und Sparkassen häufig den Abschluss einer Restschuldversicherung (RSV) an. Dabei handelt es sich um eine Risikolebensversicherung, die das Risiko der Bank oder Sparkasse für den Fall absichert, dass der Versicherungsnehmer vor dem Ende der Vertragslaufzeit verstirbt. Die Kosten für diese Versicherung können den Kredit erheblich verteuern.

Die Beiträge für die Restschuldversicherung können einmalig, monatlich oder jährlich bezahlt werden. In jedem Fall enthält die RSV eine hohe Abschlussprämie für die Bank, die Sparkasse und / oder den Vermittler. Werden Abschlussprämie und Beiträge mitfinanziert, werden hierfür auch Zinsen berechnet, was die Kosten für die RSV bzw. für den Kredit weiter in die Höhe treibt. In jedem Fall erhöht sich entweder die monatliche Rate oder es verlängert sich die Laufzeit des Kredites.  

In den effektiven Jahreszins rechnen Banken oder Sparkassen die Kosten für die RSV selten mit hinein. Der effektive Jahreszins ist der Gesamtpreis für den Kredit – ähnlich wie das Preisschild an der Ware im Kaufhaus. Er soll Verbrauchern die Möglichkeit geben, die Kosten eines Kredites bei unterschiedlichen Banken und Sparkassen zu vergleichen.

Nach der Preisangabenverordnung müssen die Kosten für die RSV aber nur dann in den effektiven Jahreszins hineingerechnet werden, wenn der Abschluss einer solchen Versicherung für den Abschluss des Kreditvertrages zwingend erforderlich ist oder wenn die Kreditkonditionen nur mit Restschuldversicherung gewährt werden. 

Die Praxis der Banken und Sparkassen wird dann problematisch, wenn sie überteuerte Restschuldversicherungen anbieten. Es gab Fälle, bei denen die Summe der Prämien für die RSV 50% des Nettokredites betrug – zum Beispiel: Nettokredit 20.000 €, Prämie für Restschuldversicherung 11.000 €.

Tipp:

Bietet Ihnen Ihre Bank oder Sparkasse eine RSV an, fragen Sie nach einer transparenten Gesamtkostenübersicht. Lesen Sie das standardisierte Merkblatt genau durch, denn dort sind alle Kosten und auch die Prämie der Restschuldversicherung aufgeführt.

Die Restschuldversicherung enthält nicht selten zusätzlich eine Berufsunfähigkeits-, Unfall- oder Arbeitslosenversicherung. Doch die Erwartungen der Kreditnehmer in puncto Risikoabsicherung werden oft enttäuscht. Wer eine RSV abschließt, sollte daher die Vertragsbedingungen gründlich prüfen: Was genau ist abgesichert? Wann tritt die Versicherung ein? Was kostet sie? Welche Alternativen gibt es? Nicht immer ist der Abschluss einer Restschuldversicherung notwendig. Wer bereits eine Risiko- oder eine Kapitallebens- sowie eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat, kann meist auf den Abschluss einer Restschuldversicherung verzichten.

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Verfasser:    Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt


Stand: Juni 2017