Crowdinvesting: Nur für „Spielgeld“ zu empfehlen

Verlockend und modern, vielleicht etwas grün und nachhaltig - so kommt Investment-Werbung für neue Projekte und junge Unternehmen daher. Doch warum warnen Verbraucherschützer Kapitalanleger vor einem Totalverlust?

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Geldscheine in der Hand

Crowdinvesting steht für Schwarmfinanzierung. Der Grundgedanke des Crowdinvesting erscheint zuerst einmal sehr attraktiv. Viele Menschen geben kleine Summen, um gemeinsam über den Umweg einer Geldanlage etwas zu erreichen. Das Prinzip dabei ist immer gleich: Ein Unternehmen (Emittent), das für ein konkretes Projekt (Investment) Kapital benötigt, sucht Geldgeber (Anleger). Gelockt wird gerne mit hohen Ertragsversprechen. Die Vermittlung dieser Geldanlageprodukte erfolgt über spezialisierte Internetplattformen.  

Umsonst gibt es nichts

Verkaufsplattformen und Emittenten kommen und gehen. Eine Vielzahl von Internetplattformen hat sich auf Themen wie Immobilien, Nachhaltigkeit und Klimaschutz spezialisiert. Die Internetplattformen sind Vermittler, die sich um die Gesamtabwicklung dieser Investments kümmern. Angefangen bei der Bewerbung über den Informationsfluss bis hin zum Geldfluss zwischen den Anlegern und dem eigentlichen Emittenten der Geldanlage, wickeln sie alles ab.

Diese Dienstleister arbeiten gewinnorientiert. Sie werden für ihre  Dienstleistung vom Emittenten bezahlt. Neben Vermittlungs- und Erfolgsprovisionen zahlen die Emittenten auch weitere Kosten wie Verwaltungskosten. Bezahlt wird dies aus dem eingenommenen Geld der Anleger, die in ein bestimmtes Projekt investieren wollen. Die oft getroffene Aussage, dass die Geldanlage den Anleger nichts kostet, stimmt daher nur auf den ersten Blick. Da diese Kosten vom Emittenten bezahlt werden müssen, fehlt das Geld letztendlich für den eigentlichen Investitionszweck.

Vorsicht: Totalverlust

Die meisten Geldanlagen, die über diese Plattformen vermittelt werden, fallen unter das  Vermögensanlagegesetz. Alle danach geregelten Geldanlageformen beinhalten ein Totalverlustrisiko. Um den Anlegern diese Risiken deutlich zu machen, hat der Gesetzgeber im Vermögensanlagegesetz vorgeschrieben, dass der Emittent grundsätzlich einen Verkaufsprospekt und ein dreiseitiges Vermögensanlage-Informationsblatt zu veröffentlichen hat.

Diese Form der Geldanlage eignet sich daher keinesfalls für einen langfristigen Vermögensaufbau oder die Altersvorsorge. Insbesondere private Anleger sollten eine solche Investition gut überdenken, wegen des Totalverlustrisikos, das hier im Grundsatz immer besteht.

Wer trotz der erheblichen Risiken überlegt zu investieren, sollte vier Ratschläge beherzigen:

  1. Nur „Spielgeld“ investieren: Für den langfristigen Vermögensaufbau taugen keine Geldanlagen mit Totalverlustrisiko. Daher sollte man in Crowdinvesting nur das Geld investieren, auf das man auch verzichten könnte.
     
  2. Projekt und Finanzierungskonditionen genau prüfen: Wer möchte wofür, wie lange und zu welchem Preis Geld haben? Sind die Projektinformationen vollständig und plausibel?
     
  3. Passende Plattform wählen: Meist ist es den Anlegern nicht wirklich möglich, die Qualität der Investments zu beurteilen. Aber die vermittelnde Plattform kann man sich genauer ansehen. Wie lange ist diese bereits auf dem Markt? Wie viele erfolgreiche Projekte wurden tatsächlich bereits abgeschlossen? Natürlich ist dies keine Erfolgsgarantie, aber so kann man eine Plattform finden, die schon mehr Erfahrung bei der Projektauswahl hat.
     
  4. Risikohinweise lesen: Neben den Projektbeschreibungen und den Prognosen auf den Seiten der Investmentplattformen sollte man auch das Vermögensanlageninformationsblatt (VIB) beziehungsweise das Wertpapierinformationsblatt oder auch Basisinformationsblatt lesen. Sollte ein Verkaufsprospekt auf der Projektseite hinterlegt sein, ist zumindest ein Blick auf die Risikohinweise zu empfehlen.

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V.

Stand: September 2021