Bonitätsprüfung der Unternehmen und Banken

Wer einen Kredit beantragt oder ein Girokonto einrichtet, muss meist eine sogenannte „SCHUFA-Klausel“ unterschreiben. Damit erklärt man sich einverstanden, dass die Bank personenbezogene Daten an die SCHUFA weitergibt. Auch andere Auskunfteien sammeln Daten, verarbeiten diese und geben Daten an Dritte weiter. Doch was passiert mit diesen Daten genau? Und was ist eigentlich ein Scorewert?

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Bankgebäude

Scoring-Verfahren – was ist das?

Bevor Unternehmen ihre Leistungen erbringen, wollen sie oft wissen, wie zahlungsfähig ihre potentiellen Kunden sind. Dafür nutzen sie Auskunfteien, die die Zahlungsfähigkeit anhand statistischer Werte ermitteln. Dieses Verfahren wird Scoring genannt. Der Scorewert soll Rückschlüsse auf die Zahlungsfähigkeit oder Kreditwürdigkeit des potentiellen Kunden ermöglichen. Mit diesem Verfahren wollen sich Unternehmen und Banken insbesondere dann absichern, wenn sie in Vorleistung gehen oder Kredite vergeben.

Für das Scoring-Verfahren nutzen Auskunfteien und Unternehmen die zu einer Person gesammelten Daten wie zum Beispiel Name, Geburtsdatum, Anschrift, Berufsausbildung, Dauer der Beschäftigung, Wohnort, Familienstand, bisherige Vertragsbeziehungen und das Zahlungsverhalten. Diese Daten werden anhand von Erfahrungswerten statistisch analysiert. Das Ergebnis soll Prognosen über das künftige Zahlungsverhalten oder die Liquidität ermöglichen.

Das Scoring-Verfahren wurde von der „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ – auch SCHUFA genannt – im Jahr 1996 eingeführt. Heute werden Scorewerte von vielen anderen Auskunfteien und auch von Kreditinstituten oder Telekommunikationsunternehmen selbst errechnet. Die bekannteste Anwendung ist das Kredit-Scoring. Mit Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes zum 1. April 2010 wurde das Scoring erstmals gesetzlich geregelt (§ 28b BDSG).

Auskunfteien in Deutschland

Es gibt in Deutschland mehrere Auskunfteien. Am bekanntesten dürfte die SCHUFA sein. Sie wird von Kreditinstituten getragen und besitzt laut Jahresbericht 2014 rund 728 Millionen Einzeldaten von 4,3 Millionen Unternehmen und 66,3 Millionen natürlichen Personen.

Die Infoscore Consumer Data GmbH (ICD), ein Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe, verfügt nach eigenen Angaben über einen Datenpool mit über 40 Millionen aktuellen Informationen zum negativen Zahlungsverhalten von über 7,8 Millionen Konsumenten.

Mit diesen Daten kann nahezu von jedem Bundesbürger ein Finanzporträt erstellt werden. Daneben zählen Unternehmen wie die Creditreform, BÜRGEL Wirtschaftsinformationen GmbH, Deltavista GmbH, SAF Accumio, EOS Information Services GmbH und die Deutsche Mieterdatenbank DEMDA zu den bekanntesten Auskunfteien.
 

Berechnung des Scorewerts

Unklar ist nach wie vor, wie sich der Scorewert im Einzelfall errechnet, also welche Daten mit welcher Gewichtung verwendet werden. Die von den Auskunfteien und Unternehmen eingesetzten Verfahren und Berechnungsmethoden sind so kompliziert, dass Verbraucher sie häufig nicht nachvollziehen können. Die Unternehmen behandeln sie als Geschäftsgeheimnis. Gesetzlich vorgegeben ist, dass die zum Scoring genutzten Daten eine erwiesene Relevanz zur Bonität des Verbrauchers haben müssen und dass die Daten auch unabhängig vom Scoring genutzt werden dürfen. Zudem hat der Bundesgerichtshof am 28.01.2014 entschieden, dass die Schufa ihre Rechenformel nicht offenlegen muss (Az.: VI ZR 156/13).
 

Probleme in der Praxis

In der Praxis ist häufig festzustellen, dass der Scorewert das tatsächliche Zahlungsverhalten des Verbrauchers falsch prognostiziert. Verbraucher mit einem höheren Einkommen und sicherem Arbeitsplatz erhalten plötzlich einen schlechten Scorewert und sind überrascht, wenn infolgedessen der angebotene Sollzinssatz sehr hoch ist oder der Kredit gänzlich verwehrt wird. Dies kann daran liegen, dass der Scorewert anhand falscher, veralteter oder unvollständiger Daten errechnet wurde oder dass der Betroffene einer Merkmalsgruppe zugeordnet wurde, die bezüglich des Zahlungsverhaltens ungünstige Schlussfolgerungen nach sich zieht. Damit wird unter Umständen ein Scorewert ermittelt, der mit dem tatsächlichen Zahlungsverhalten nicht übereinstimmt.

Beispiel:

Verbraucher V. ist Akademiker und seit über zehn Jahren bei seinem Arbeitgeber beschäftigt: Er verdient überdurchschnittlich, hat keine Schulden und kommt seinen Zahlungsverpflichtungen immer pünktlich nach. Er wohnt im eigenen Haus in der Innenstadt, welches er von den Eltern geerbt hat. Im Wohnumfeld wohnen viele junge Familien und die Nachbarn wechseln häufiger. Der für ihn ermittelte Scorewert von 9456 sagt aus, dass ein erhöhtes Risiko hinsichtlich der Rückzahlung eines Kredits besteht.

Eine mögliche Ursache für diese Einschätzung könnte sein, dass unter anderem die Wohnanschrift in den Scorewert eingeflossen ist. Das ist immer dann zulässig, wenn die Anschriftendaten mit weiteren Daten gemeinsam verwendet werden und daraus insgesamt ein Scorewert errechnet wird. Anschriftendaten dürfen also nicht ausschließlich verwendet, sondern nur ergänzend herangezogen werden; auch muss der Betroffene vor der Berechnung des Wahrscheinlichkeitswertes über die vorgesehene Nutzung dieser Daten unterrichtet werden. Dies dürfte regelmäßig über die Kenntnisnahme der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Unternehmen erfolgen.

Für Verbraucher bedeutet ein fehlerhafter Scorewert immer die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Sind falsche Daten verwendet worden? Oder wurden alte Daten nicht gelöscht?

Weitere Informationen

Informationen im Verbraucherfenster

  • Weitere Informationen zum Auskunftsrecht nach § 34 BDSG und den Möglichkeiten, fehlerhafte Daten löschen zu lassen, enthält der Fachbeitrag „Falscher Scorewert – was tun?“

Informationen aus anderen Quellen

  • Informationen des Hessischen Datenschutzbeauftragten auf www.datenschutz.hessen.de 
  • Auf www.datenschutz.de finden Interessierte ein virtuelles Datenschutzbüro der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder sowie weiterer Projektpartner.

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zu Verbraucherrecht montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
  • Homepage: www.verbraucher.de 
  • Verbraucherinfos / Ratgeber:
    Ausführliche Informationen zum Datenschutz im Alltag bietet der Ratgeber „Meine Daten gehören mir“. Den über 200-seitigen Ratgeber gibt es zum Abholpreis von 9,90 € in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen. Für zusätzlich 2,50 € bei Einzelversand, also für insgesamt 12,40 €, kommt er – mit Rechnung – auch ins Haus.
    Bestellungen an:
    Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf,
    Bestell-Telefon: (0211) 38 09 - 555, Bestell-Fax: (0211) 38 09 - 235
    E-Mail: ratgeber@vz-nrw.de.

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: August 2017