Bausparen: Lohnt sich das heute noch?

Bausparverträge haben an Attraktivität verloren. Grund dafür sind die aktuell niedrigen Zinsen. Doch wie funktioniert Bausparen eigentlich? Wann lohnt sich ein solcher Vertrag trotzdem?

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Haus auf Stapel mit Münzen

Bausparkasse: kollektives Sparen

Eine Vielzahl von Menschen, die Wohneigentum erwerben wollen, schließen sich zusammen und zahlen in einen gemeinsamen Topf ein. Sobald der Topf gefüllt ist, erhalten sie daraus ein zinsgünstiges Darlehen, um damit ein Eigenheim zu finanzieren. Die Zinsen für die Sparphase und ein späteres Darlehen werden bei Vertragsschluss festgelegt. Die regelmäßigen Einzahlungen der Bausparer und die Rückzahlung der Darlehen sorgen für einen stetigen Mittelzufluss, sodass weitere Darlehen vergeben werden können.

Dieser kollektive Spargedanke ist erstmals mit einem Dokument aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert in China belegt. Das System der Bausparkassen der Neuzeit kam im 18. Jahrhundert in England auf. 1885 wurde in Bielefeld die erste Bausparkasse gegründet.

Heute regelt das Bausparkassengesetz die Tätigkeit der Bausparkassen in Deutschland. Mit seinen Spareinlagen erwirbt der Bausparer einen Rechtsanspruch auf Gewährung eines Bauspardarlehens. Die Zinserträge aus Bauspardarlehen sind die Hauptertragsquelle der Bausparkassen.

Bausparen im „Zinswandel“

In Zeiten höherer Darlehenszinsen für Hypothekenkredite sind die niedrigen Darlehenszinsen für Bauspardarlehen und der Bausparvertrag als Zinsversicherung durchaus attraktiv. Fördermittel und steuerliche Vergünstigungen tragen dann ebenfalls dazu bei, die Zahl der Vertragsabschlüsse hoch zu halten.

Sind die Zinsen niedrig, verlieren die Angebote jedoch schnell an Attraktivität. Aktuell bieten die meisten Tarife nur Mikrozinsen von 0,10 Prozent im Jahr an. Unter Berücksichtigung der  Abschlussgebühr von 1 Prozent ergeben sich oft Negativrenditen – das heißt, die Bausparer legen drauf. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Bausparverträgen rückläufig ist.

Dazu kommt, dass die Bausparkassen viele Kunden verprellt haben, weil sie attraktive Altverträge gekündigt, Bonuszinsen nicht ausgezahlt und hohe Nachforderungen geltend gemacht haben.

Das Anlageziel als Entscheidungsgrundlage

Pauschale Empfehlungen sind nicht möglich. Entscheidend ist im Vorfeld eines jeden Vertragsabschlusses die Frage nach dem Anlageziel. Will man tatsächlich Wohneigentum erwerben oder die eigene Immobilie modernisieren? Oder geht es darum, monatlich einen festen Betrag zurückzulegen, ohne konkrete Vorstellungen, was man damit später einmal machen möchte?

Wer noch gar nicht weiß, wozu er den Bausparvertrag überhaupt nutzen will, sollte sich gut überlegen, ob er einen Bausparvertrag abschliesst. Gerade jüngere Verbraucher erhalten von der Hausbank häufig einen Einstiegsvertrag, der später zu Folgeverträgen führt. In der Beratungspraxis der Verbraucherzentrale Hessen sind daher folgende Situationen typisch: entweder haben die Ratsuchenden zuteilungsreife Bausparverträge ohne Objekt und ohne sofortigen Finanzierungswunsch oder sie wollen ein konkretes Objekt erwerben verbunden mit einem aktuellem Finanzierungswunsch, haben aber keinen zuteilungsreifen Bausparvertrag. Irgendwie passt es nie.  

Wer einen reinen Sparvertrag abschließen will, für den sind Kriterien wie Zinssicherheit, Rentabilität und Flexibilität entscheidend bei der Auswahl des passenden Finanzproduktes.

Bausparverträge sinnvoll nutzen…

…für die Immobilienfinanzierung

Als Baustein für eine künftige Immobilienfinanzierung kann sich ein Bausparvertrag trotz niedriger Zinsen lohnen. Denn die Zinsen werden irgendwann auch wieder steigen. Wer dann einen Bausparvertrag mit niedrigen Darlehenszinsen hat, kann durchaus profitieren. Der Bausparvertrag ist dann eine Absicherung gegen steigende Zinsen. Auch als  Rücklage für spätere Modernisierungen ist das Bausparen attraktiv, da andere Banken dafür oft keine günstigen Kreditangebote haben.

Die Bausparer profitieren dabei von folgenden Vorteilen:

  • Die Zinsen sind nicht abhängig von der Kreditsumme, keine Kleinsummenaufschläge
  • Bausparkassen bieten auch Nachrangdarlehen an
  • Bei Krediten unter 30.000 € verzichten die Bausparkassen meist auf eine Grundschuld  

ACHTUNG: Da der Abschluss eines Bausparvertrages nur im Hinblick auf das Bauspardarlehen interessant ist, darf die Ansparphase mit ihrer Negativverzinsung nicht zu lang sein. Nur wer in fünf, acht oder zehn Jahren ein Bauspardarlehen tatsächlich für den Erwerb oder die Modernisierung von Wohneigentum nutzen möchte, sollte sich die niedrigen Darlehenszinsen mit einem Bausparvertrag sichern. Die Bausparsumme muss so gewählt werden, dass die Rate für das Bauspardarlehen später finanziell auch möglich ist. Wer jetzt finanzieren will, erhält mit einem Annuitätendarlehen mit einer Zinsbindung von 15 Jahren dieselbe Zinssicherheit bei geringerem Kostenaufwand.

…als Geldanlage

Ein Bausparvertrag als reiner Sparvertrag ist nur für diejenigen attraktiv, die fest mit einer staatlichen Förderung rechnen können, denn dadurch erhöhen sich Guthabenzinsen und Rendite. In Frage kommen die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmersparzulage, vermögenswirksame Leistungen und die Riester-Förderung. Die staatliche Förderung allein rechtfertigt den Abschluss eines Bausparvertrages aber nicht. Der Bausparvertrag muss zur eigenen Lebensplanung passen. Die  meisten staatlichen Förderungen können auch bei alternativen Finanzprodukten eingesetzt werden.  

Fazit

Ein Bausparvertrag lohnt sich, wenn

  • die Bauzinsen deutlich steigen,
  • die spätere Immobilie/Modernisierung sicher eingeplant ist,
  • das Geld nicht anderweitig benötigt wird,
  • die Sparraten auch eingehalten werden können,
  • der Vertrag zuteilungsreif ist, sobald das Geld auch benötigt wird,
  • die Zeit bis zur Auszahlung des Bauspardarlehens überschaubar ist,
  • die Raten für das spätere Bauspardarlehen finanziell verkraftet werden können.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zu Immobilienfinanzierung immer dienstags von 10 bis 14 Uhr 0900 1 972011. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Persönliche Beratung der Verbraucherzentrale Hessen zur Immobilienfinanzierung. Kosten: 100 € pro 60 min. Terminvereinbarungen am Servicetelefon.
  • Servicetelefon/Auskunft: (069) 97 20 10 – 900, Mo bis Do 10 – 16 Uhr, Fr 10 – 15 Uhr

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str.13 – 17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: Januar 2019