Bargeldlos bezahlen dank NFC

Mal schnell ein paar Brötchen beim Bäcker kaufen. Und gerade jetzt ist der Geldbeutel leer. Dumme Sache. Denn anschreiben lassen ist schwierig und die Brötchen zurückgeben hilft nicht gegen Hunger. Das braucht man auch gar nicht. An vielen Stellen kann man bereits bargeldlos mit dem Smartphone bezahlen. Möglich macht das die sogenannte NFC-Technik. Wir berichten über Vor- und Nachteile sowie die möglichen Risiken.

Smartphone Zeigefinger bloomua - Fotolia.com_.jpg

Frau tippt mit dem Zeigefinger auf das Touchscreen ihres Handys mit einer neuen SMS

Fahrkartenkauf per Smartphone, den Einkauf ohne Bargeld bezahlen? Mittlerweile bieten in Deutschland viele Unternehmen diese Möglichkeit an. Technisch realisierbar wird das Ganze durch die NFC-Technik – Near Field Technology. Was sich genau dahinter verbirgt und was man beachten muss, um diese anwenden zu können, lesen Sie im VerbraucherFenster.

Was ist NFC?

NFC bedeutet Near Field Communication, zu Deutsch: Nahfeld-Kommunikation. Diese Funktechnik ermöglicht den blitzschnellen Austausch von Daten zwischen zwei Geräten, etwa einem Handy und einem Fahrkartenautomaten. Die Technik ist dabei in einem Chip eingebaut. Viele Smartphones und Headsets sind mit diesem Chip bereits ausgestattet.

Wie funktioniert es?

Wichtige Voraussetzung ist, dass zwei NFC-Endgeräte maximal zehn Zentimeter voneinander entfernt sein dürfen, wenn sie Daten per NFC austauschen sollen. Die physische Nähe soll verhindern, dass ein Zugriff durch nicht genehmigte Nutzer möglich ist.

NFC basiert auf der drahtlosen Technik RFID. Es gibt zwei NFC-Arten:

  • Passiver Modus: Hier erzeugt ein Gerät, das Daten in NFC-Chips ausliest, ein elektromagnetisches Feld – und gibt dann zum Beispiel den Zugang zu einer Firma frei. Das zweite Gerät, etwa ein Chip in der Zugangskarte, bezieht seine Energie vom Lesegerät. So kann dieses die auf dem Chip gespeicherte Berechtigung des Mitarbeiters auslesen – und mit einer angebundenen Datenbank abgleichen. Das klappt aber ohne Weiteres auch mit älteren RFID-Chips.
  • Aktiver Modus: Hier erzeugen beide NFC-Geräte ein elektromagnetisches Feld. Das ist notwendig für den Datenaustausch – zum Beispiel für das wechselseitige Übermitteln von Kontaktdaten durch Smartphones mit NFC-Chips.

Die Datenübertragung ist zwar langsamer als zum Beispiel Bluetooth oder WLAN, dafür ist der Verbindungsaufbau sehr schnell. Die erstmalige Verbindung zweier NFC-Geräte dauert meist nur eine Zehntelsekunde. Zum Vergleich: Bluetooth ist mit etwa einer Sekunde deutlich langsamer. Zudem muss bei Bluetooth und WLAN die Verbindung zweier Geräte manuell durch den Nutzer herbeigeführt werden. Dies ist bei NFC nicht notwendig.

Was brauche ich, um bargeldlos zu bezahlen?

Grundvoraussetzung ist ein Konto bei einem Anbieter, der einen Dienst für bargeldlosen Zahlungsverkehr anbietet.

Von dem Anbieter erhält man dann in der Regel eine Karte in der Größe einer Kreditkarte. Viele Kreditinstitute oder Banken bieten bereits kostenlos Kreditkarten an, die einen entsprechenden NFC-Chip besitzen.

Damit das Bezahlen per Smartphone klappt, muss der Nutzer zusätzlich eine App seines Bezahldienstes wie beispielsweise Paypass (Mastercard), Girogo (Sparkasse) oder Paywave (VISA) installiert haben und das Handy muss einen NCF-Chip besitzen.

Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone?

Das mit dem NFC-Chip ausgestattete Smartphone hält man beim Bezahlvorgang an ein Terminal. Die NFC-Technologie überträgt die Daten dann via Funk. Nach kurzer Zeit bestätigt eine Nachricht den Kauf. Geld aufladen ist nicht nötig, die Umsatzabbuchung erfolgt direkt von dem Referenzkonto.

Wo wird NFC eingesetzt?

NFC wird unterschiedlich beim bargeldlosen Zahlen eingesetzt. So bietet die Bahn in einigen Städten die Möglichkeit an, Fahrkarten per NFC bargeldlos zu kaufen. Beim Ein- und Aussteigen hält man sein NFC-Smartphone an den Touchpoint. Die Fahrtkosten werden automatisch berechnet und vom Konto abgebucht.

Auch bei einigen Einzelhändlern ist der Kauf mittels der NFC-Technik bereits möglich, wie z. B. bei Douglas, Thalia-Buchhandlungen, Christ, AppelrathCüpper, Hussel, Star-Tankstellen, Kaiser's und in Vapiano-Restaurants.

Einige Firmen setzen NFC-Ausweiskarten bereits auch als Zugangskontrolle in ihrem Betrieb ein. Vorteil gegenüber älteren Karten mit RFID-Chip: Mit NFC-Karten lassen sich nicht nur die Mitarbeiter-Berechtigungen abfragen, sondern sie können auch zum Zahlen in der Kantine genutzt werden.

Dies sind nur einige Möglichkeiten, die die NFC-Technik bietet. Immer neue Funktionen werden entwickelt.

Wie steht es um die Sicherheit?

Da die Kommunikation zwischen zwei NFC-Geräten in einer Entfernung von bis zu zehn Zentimetern erfolgt, ist der Missbrauch deutlich eingeschränkt.

Allerdings: Die bei Einkäufen übertragenen Daten landen in der Datenbank des Bezahldienstes – und der kann daraus etwa ein Bewegungsprotokoll des Kunden erstellen, zum Beispiel, dass der Kunde am 8. Mai einen Einkaufsbummel durch Wiesbaden gemacht hat und mit der Bahn nach Mainz gefahren ist. Der Kunde wird somit gläsern.

Zudem besteht die Gefahr, dass durch Dritte Daten des Geräts ausgelesen werden können.

Die Sicherheit beim bargeldlosen Zahlen kann erhöht werden, indem man die Bezahlvorgänge und die Summe klar begrenzt und sich klarmacht, welche Begrenzung wirksam ist und welche Risiken nicht versichert sind.

Um die Sicherheit bei NFC in Verbindung mit dem Smartphone zu erhöhen, sollte man auf dem Smartphone nur Apps (Applikationen) installieren, denen man vertraut und sich regelmäßig über Sicherheitslücken und Updates für das verwendete System informieren.

Stand: August 2017