Bank- und Geldkarten

Fast jeder Erwachsene in Deutschland hat eine Bankkarte, mit der Kontoauszüge am Auszugsdrucker abgeholt und Überweisungen am Automaten getätigt werden können. Meist kann man mit dieser Karte auch seine Einkäufe bezahlen und am Automaten Geld abheben. Karten mit dem Maestro-Zeichen werden derzeit in über 80 Ländern anerkannt. Auf manche Bankkarten lässt sich mittels eines integrierten Chips ein Guthaben bis 200 € laden. Die Geldkarte gibt es aber auch als eigenständige Karte.

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Hand mit Bankkarte

Die Bankkarte – eine, die fast alles kann

Basisfunktionen

Die Bankkarte erhält man von seiner Hausbank, wenn man dort ein Girokonto eröffnet. Verfügungen mit der Bankkarte werden über das Girokonto verbucht. Der Karteninhaber kann mit der Karte mindestens den Kontoauszugsdrucker und andere Bankautomaten wie zum Beispiel Überweisungsterminals bedienen. Bei Konten auf Guthabenbasis ist die Karte oftmals auf diese Funktionen beschränkt.

Abhebungen am Geldausgabeautomaten (GAA)

Die meisten Karten sind jedoch mit einer Zahlungsfunktion ausgestattet – erkennbar am maestro-Zeichen. Mit diesen Karten lässt sich an jedem beliebigen Geldausgabeautomaten (GAA) in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern, Geld abheben.

Nutzt man mit der Bankkarte den GAA einer fremden Bank kann die Verfügung teuer werden. Daher sollte man immer darauf achten, welche Kosten vor der Auszahlung am Automaten angezeigt werden. Gegebenenfalls kann der Auszahlungsvorgang dann noch abgebrochen werden. Hohe Kosten werden in der Regel vermieden, wenn die GAA’s der eigenen Bankgruppe genutzt werden. In Deutschland bilden die Sparkassen sowie  die Volks- und Raiffeisenbanken jeweils einen Verbund. Die Privatbanken haben sich zur „Cash Group“ zusammengeschlossen, der unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Postbank, die HypoVereinsbank und deren Tochterunternehmen angehören. Die BB-, Santander Consumer-, Targo-, National-, Südwestbank, die Wüstenrotbank sowie die Spardabanken und andere bilden einen weiteren Verbund, den „Cash Pool“. Innerhalb des jeweiligen Verbundes kosten die Abhebungen in der Regel nicht mehr als bei der Hausbank. Achten Sie jedoch immer auf den Kostenhinweis am Bargeldautomaten.

Normalerweise passieren bei der Abhebung am GAA keine Fehler. Kommt es dennoch vor, dass der Automat zu wenig Geld ausgibt, sollte der Fehler möglichst sofort bei der Bank reklamiert werden. Weist das Computerprotokoll des GAA jedoch keinen Fehler auf, haben Bankkunden in der Regel keine Möglichkeit, den Fehler zu beweisen. Einige Banken zeigen sich bei kleineren Summen jedoch oft kulant.

Tipp:

Nicht immer besteht die Möglichkeit, an einem bankeigenen Geldautomaten Bargeld kostenfrei abzuheben. Wer an einem anderen Automaten Geld abheben muss, sollte immer auf die angezeigten Kosten für Abhebungen bei Fremdbanken achten. Banken und Sparkassen haben sich darauf verständigt, die Kosten für Bargeldauszahlungen am Geldautomaten anzuzeigen und einen Abbruch des Auszahlungsvorganges zu ermöglichen.

Bezahlen an der Ladenkasse

Bankkarten mit Zahlungsfunktion lassen sich auch zum bargeldlosen Bezahlen im Handel, an Tankstellen, in Hotels und Restaurants nutzen – vorausgesetzt, die jeweiligen Ladenlokale akzeptieren die Karte. Die Geschäfte, in denen man „elektronisch“ bezahlen kann, sind am ec-Zeichen „electronic cash“ erkennbar.

In Deutschland und Europa gilt eine Bankkarte mit Zahlungsfunktion deshalb inzwischen als vollwertiger Ersatz für die Kreditkarte. Bei Aufenthalten im nichteuropäischen Ausland kann es aber empfehlenswert sein, zusätzlich eine Kreditkarte zu haben. In manchen Ländern werden nur Kreditkarten akzeptiert. Kreditkarten werden auch gerne beim Einkauf im Internet genutzt.

Seit 2010 ersetzen Banken und Sparkassen zunehmend die bisherige maestro-Bankkarte durch V-Pay-Karten, erkennbar am V-Pay-Zeichen anstelle des maestro-Logos. Bei der V-Pay-Karte werden Daten nicht mehr auf dem leicht auszulesenden Magnetstreifen, sondern auf dem integrierten EMV-Chip gespeichert. Damit soll der Missbrauch von Karten mit EC-Zeichen eingedämmt werden. V-Pay-Karten funktionieren wie die bisherigen maestro-Karten und sind in Deutschland und in Europa einsetzbar. Probleme können jedoch auftreten, wenn der Händler am Urlaubsort noch nicht auf  V-Pay umgestellt hat. Nicht eingesetzt werden können V-Pay-Karten im außereuropäischen Ausland. Aus diesem Grund sollten Reisende in das außereuropäische Ausland eine zusätzliche Kreditkarte oder traditionelle Reiseschecks mitnehmen, um nicht plötzlich ohne Bargeld dazustehen.

Noch relativ neu sind Bankkarten, mit denen kontaktlos – via Funk – kleinere Beträge von bis zu  25 Euro bezahlt werden können. Diese Karten müssen nicht mehr in ein Lesegerät eingeführt werden. Auch die Eingabe der PIN ist nicht erforderlich. Es reicht, die Karte im Abstand von wenigen Zentimetern am Lesegerät vorbeizuführen. Wer solche Karten nutzt, sollte zum Schutz vor möglichen Sicherheitslücken und Missbrauch die Zahlungsvorgänge auf dem  Konto besonders sorgfältig prüfen und sich bei Unregelmäßigkeiten sofort an den Herausgeber der Karte wenden.

Technisch gibt es zwei Arten von Bezahlsystemen: POS und POZ.

1.  POS – Point of Sale

Beim POS-System wird mit der Bankkarte und der Eingabe der PIN (persönliche Identifikationsnummer) bezahlt. Mit der Eingabe der PIN wird beim Zentralrechner der Bank die Richtigkeit der Daten und der Verfügungsrahmen auf dem Kundenkonto abgefragt – aber natürlich so, dass der Händler keinen Einblick erhält. Ist die Bestätigung positiv, garantiert die Bank dem Händler damit die Zahlung dieser Summe, so dass das Risiko der Zahlungsunfähigkeit bei der Bank und nicht beim Händler liegt.

Für die Bereitstellung der entsprechenden Geräte und Online-Verbindung sowie für diese Zahlungsgarantie und -leistung muss der Händler ein Entgelt an die Bank zahlen.

Beim POS-Verfahren haben Verbraucher keine Möglichkeit, die Zahlung zu widerrufen.

Tipp:
Am Point of Sale – also an der Kasse – besondere Vorsicht walten lassen, dass Dritte die Eingabe der PIN nicht sehen können. Häufig herrscht Gedränge an der Kasse, so dass eine gewisse Nähe unvermeidbar scheint. Dies nutzen Diebe bevorzugt aus, deshalb unbedingt auf Abstand bestehen und das Eingabefeld abdecken.

2.  POZ – Point of Sale ohne Zahlungsgarantie

Dabei handelt es sich um ein ganz normales Lastschriftverfahren, das bereits zum 31.12.06 eingestellt werden sollte, aber noch immer weitergeführt wird.

Der Kunde gibt mit der Bankkarte seine Bankverbindung an und identifiziert sich durch seine Unterschrift. Gleichzeitig gibt er damit seine Einwilligung zum Geldeinzug. Die Bank übernimmt keine Zahlungsgarantie. Mit der Unterschrift auf dem Beleg gibt der Kunde aber seine Einwilligung zur Weitergabe seines Namens und seiner Anschrift an den Händler, damit dieser, falls die Lastschrift mangels Kontodeckung nicht eingelöst werden kann, gegen ihn mit Mahnschreiben und Zwangsvollstreckung vorgehen kann.

Die geplante Einstellung des Verfahrens findet die Verbraucherzentrale Hessen bedauerlich. Das POZ-System ist verbraucherfreundlicher als das POS-System, da hier das übliche Widerrufsrecht aus dem Lastschriftverfahren (bis zu 8 Wochen nach Buchung) besteht. Mit dem Widerrufsrecht gibt es im Falle des Kartenmissbrauchs eine sehr einfache Möglichkeit, sich sein Geld zurückzuholen.

Außerdem trägt bei diesem System der Händler das volle Risiko, der Kunde hat diverse Vorteile. Er muss keine PIN angeben, riskiert damit kein Ausspähen seiner PIN und er kann bei Auseinandersetzung mit dem Händler, zum Beispiel wegen Mängeln an der Kaufsache und bei Missbrauch, sein Geld per Widerruf zurückholen.

Die Akzeptanz des Handels für dieses Verfahren lag zuletzt nur noch bei etwa 3 % - sicherlich aus den vorgenannten Gründen.

Die Geldkarte – eine, auf die man gut aufpassen sollte

Mit der Geldkarte (oder Bankkarte mit Chip) können in beliebiger Stückelung Einkäufe bei Händlern, Zigaretten- oder Fahrscheinautomaten bargeldlos bezahlt werden. Voraussetzung ist, dass zuvor ein entsprechender Geldbetrag auf die Geldkarte bzw. den Chip der Bankkarte geladen wurde und der Händler über die entsprechende Technik verfügt. Bei Nutzung der Geldkarte muss der Karteninhaber weder eine PIN angeben noch unterschreiben. Die Geldkarte funktioniert also wie Bargeld.

Geht die Karte verloren, kann daher auch jeder über den auf der Karte noch vorhanden Betrag problemlos verfügen. Ein möglicher Schaden lässt sich begrenzen, wenn immer nur kleine Beträge auf die Karte geladen werden.

Seit 2007 ist der Verkauf von Zigaretten an Minderjährige verboten. Der Kauf an Zigarettenautomaten ist nur noch mit Geldkarte möglich. Geldkarten sind deshalb mit einer Altersangabe ausgestattet, um den Verkauf an Minderjährige auszuschließen.

Weitere Informationsquellen

Informationen im Verbraucherfenster

Bank- und Kreditkarten: Vorteile und Risiken, Teil 2: Kreditkarten 

Bank- und Kreditkarten: Vorteile und Risiken, Teil 3: Sorgfaltspflichten und Schutz vor Missbrauch 

Informationen aus anderen Quellen

Hier finden Sie eine Übersicht über die Rufnummern, die zur Sperrung von Bank-und Kreditkarten angerufen werden können

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Persönliche Beratung in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen.
  • Telefonische Beratung 0900-1-972010.
    1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
  • Homepage: www.verbraucher.de/

Stand: August 2017