Anleihen: Alles drin – von Toprenditen bis Totalverlust

Wer Geld anlegen möchte, verfolgt damit mehrere Ziele. Sicherheit und Rendite lassen sich dabei nur selten vereinbaren. Anleihen versprechen einerseits Zinsen, andererseits ist ein Totalverlust durchaus möglich.

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Hand mit Geldscheinen

Anleihe – Unternehmenskredit auf Zeit

Eine Anleihe ist ein Schuldschein. Wer einen solchen kauft, gewährt dem Herausgeber der Anleihe einen Kredit. Der Herausgeber – auch Schuldner genannt – sagt dem Käufer der Anleihe – auch Gläubiger genannt – zu, dass er ihm den überlassenen Kapitalbetrag zurückzahlt sowie den für die Laufzeit vereinbarten Zins leistet. Vorteil für den Herausgeber der Anleihe: Er benötigt keine Bank für diesen Kredit. Risiko für den Käufer: Im schlimmsten Fall ist das eingesetzte Kapital verloren.

Die Stückelung (auch Nennwert) ist der nominale Wert der einzelnen Anleihe. Diese legt der Herausgeber bei der Ausgabe fest. Sie kann ein Cent, aber auch mehrere tausend Euro betragen. Viele Anleihen bieten während der ganzen Laufzeit einen gleich bleibenden Festzins. Man nennt diese Anleihen festverzinsliche Wertpapiere. Es gibt aber auch Anleihen, für die ein  mit variabler Zins vereinbart wird

Fast jede Anleihe hat ein Fälligkeitsdatum, zu dem der Herausgeber den Nennwert zurückzahlen muss. Die Laufzeit kann wenige Monate betragen oder über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren und länger gehen.

Für Anleihen gibt es unterschiedliche Bezeichnungen: Bonds, Renten, Schuldverschreibungen, Obligationen, Floater, Zerobonds und viel mehr. Es gibt auch Anleihen in ausländischer Währung, die dann zusätzlich ein Währungsrisiko beinhalten.

Risiko: Totalverlust möglich

Anleihen sind grundsätzlich keine unseriösen Anlageformen. Bei den meisten Papieren werden die Zinsen und das Kapital korrekt gezahlt. Im schlimmsten Fall sieht man aber sein Geld nicht wieder, falls der Emittent insolvent wird und die Insolvenzmasse nicht ausreicht, die Schulden zu bezahlen. Verluste können aber auch dann entstehen, wenn der Herausgeber den vereinbarten Zins verzögert auszahlt. Manchmal fällt der Zins auch niedriger aus als erwartet oder die Zahlung bleibt ganz aus.

Anleihen sind in den meisten Fällen nicht gesichert. Anders ist das zum Beispiel bei Banksparbriefen. Hier sind Anleger über die gesetzlich geregelte Einlagensicherung der Banken mit Höchstentschädigungsgrenzen gegen das Insolvenzrisiko der Bank geschützt.

Risiken börsengehandelter Anleihen

Viele Anleihen, zum Beispiel Staatsanleihen oder auch Anleihen großer Firmen, sind börsengehandelt. Der Vorteil für den Anleger liegt darin, dass er zum Beispiel eine zehn- oder dreißigjährige Bundesanleihe nicht über die gesamte Laufzeit halten muss. Die Anleihe ist vor Ablauf verkäuflich oder kann mit Restlaufzeit gekauft werden. Es besteht ein Kursrisiko. Verluste entstehen, wenn der Einkaufskurs im Vergleich zum Verkaufskurs höher ist. Es ist möglich, dass der Wert der Anleihe während der Laufzeit auf über 100 Prozent des Ausgabekurses steigt. Wer zu diesem Zeitpunkt die Anleihe kauft, muss genau rechnen. Verluste sind dann möglich, wenn der vor oder bei Ablauf zurückzuzahlende Nennwert plus die vereinnahmten Zinsen niedriger ausfällt als der tatsächlich gezahlte Kaufpreis.

Risiken nicht börsengehandelter Anleihen

Viele Anleihen sind im Direktvertrieb und ohne anschließende Börsennotierung erhältlich. Käufer solcher Anleihen müssen neben dem Risiko des Totalverlustes Nachteile in Kauf nehmen: Anleihen, die nicht an der Börse gehandelt werden, lassen sich während der Laufzeit nur sehr schwer oder gar nicht verkaufen. Private Anleger haben auf diesem Weg schon viel Geld verloren. Beispiele dafür sind Nachranganleihen und partiarische Darlehen. Bei beiden Anleiheformen wird ein qualifizierter Rangrücktritt vereinbart. Dies bedeutet, dass im Insolvenzfall des Herausgebers zuerst alle anderen Gläubiger bedacht werden. Es sind also Anleiheformen mit einem besonderen Risiko.

Risiken einschätzen…

Wer eine Anleihe erwerben möchte, sollte den wirtschaftlichen Status und die Kreditwürdigkeit des Herausgebers intensiv prüfen. Die Werbung eines Unternehmens reicht hierfür meist nicht aus. Immer wieder kommt es vor, dass kleinere oder unbekannte Unternehmen ihre nicht börsennotierten Anleihen als attraktive Geldanlage darstellen – obwohl die Finanzlage des Unternehmens kritisch ist. Letztlich ist die Bewertung eine Sache für Branchen- und Bilanzexperten. Private Anleger können eine solche Bewertung meist nicht vornehmen.

  • …mit Hilfe von Ratingagenturen
    Rating-Agenturen sind private, gewinnorientierte Unternehmen, die die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen und Staaten bewerten. Hierfür vergeben sie Noten. Diese bestehen aus verschiedenen Buchstabenkombinationen. Anhand der Buchstaben lässt sich auf die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder Staates schließen: von bester Qualität bis zu Zahlungsausfall. AAA oder Aaa ist die Bestnote, D die schlechteste Note. Eine Pflicht, Anleihen von einer Rating-Agentur bewerten zu lassen, besteht nicht.

    Eine Garantie auf die Kreditwürdigkeit des Herausgebers können die Rating-Agenturen nicht geben. Sie geben lediglich erste wichtige Hinweise auf die wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens. Die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder Staates kann sich während der Laufzeit der Anleihe verändern. In einem solchen Fall wird die Rating-Agentur eine andere Note vergeben. Allerdings haben sich Rating-Agenturen mit ihrer Einschätzung auch schon geirrt.
     
  •  … mit Hilfe des Prospekts
    Die meisten Anleihen unterliegen der Prospektpflicht. Ein Prospekt ist immer dann zu veröffentlichen, wenn das Angebot sich an mehr als einhundert Anleger richtet, öffentlich gemacht wird und sich nicht ausschließlich an Banken, Finanzdienstleistungsunternehmen und andere Finanzinstitutionen richtet.

    Der Prospekt dient dem Anlegerschutz. Er soll umfassende Informationen über die beworbene Geldanlage beinhalten. So will man potenzielle Anleger in die Lage versetzen, sich von diesem Angebot ein Bild zu machen. Sie sollen damit die Chancen und Risiken der Anlage bewerten können. Die Prospekte umfassen oft mehr als einhundert Seiten. Eine solche Lektüre ist für viele Verbraucher nur schwer zu bewältigen, eine umfassende Einordnung der darin enthaltenen Informationen nur selten möglich. Dennoch ist der Prospekt im Schadensfall ein wichtiges Dokument.

    Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft den Wertpapierprospekt auf Vollständigkeit und Verständlichkeit. Eine inhaltliche Prüfung nimmt sie nicht vor. Die Kreditwürdigkeit des Herausgebers sowie das Anlageprodukt selbst prüft die BaFin ebenso wenig. Eine Datenbank der Aufsicht gibt jedoch Aufschluss darüber, welche Prospekte bei der BaFin hinterlegt sind.

3   Rendite – vergleichsweise hoch

Unternehmensanleihen waren vielen Anlegern lange Zeit suspekt. Das mögliche Verlustrisiko erschien zu hoch. Staatsanleihen wurden hingegen für sicher gehalten. Das hat sich inzwischen geändert. Viele Anleger mussten erfahren, dass auch bei Staatsanleihen mit Verlusten zu rechnen ist. Hinzu kommen die derzeit historisch niedrigen Guthabenzinsen bei Bankeinlagen. Unternehmensanleihen sind deshalb stärker als in früheren Zeiten nachgefragt. Die Kurse solider Unternehmensanleihen mit vergleichsweise attraktiver Verzinsung steigen entsprechend.

Anhand des angebotenen Zinses können Anleger schon eine erste Rendite- und Risikoeinschätzung vornehmen. Ein Unternehmen, das als sehr zahlungsfähig und solide eingeschätzt wird, wird einen vergleichsweise niedrigeren Zins anbieten. Während ein Unternehmen, bei dem die Rückzahlung des Kapitals und die fristgerechte Zahlung des vereinbarten Zinses als eher risikobehaftet eingeschätzt werden, einen vergleichsweise höheren Zins anbieten muss.

  

Stückzinsen, Kosten und Steuern reduzieren die Rendite

Die Rendite einer Anleihe lässt sich problemlos berechnen, wenn diese direkt bei Herausgabe erworben und bis zur Fälligkeit der Rückzahlung gehalten wird. Schwieriger ist das jedoch, wenn die Anleihe während der Laufzeit gekauft wird. In einem solchen Fall müssen die Zinsen, die zwischen dem letzten Zinszahlungstermin und dem Kauftermin angefallen sind, vom Erwerber an den bisherigen Inhaber der Anleihe ausgezahlt werden. Man spricht in diesem Fall von Stückzinsen, die die Rendite des Neu-Erwerbers reduzieren.

In die Renditeberechnung fließen auch die Kosten ein, die durch den Kauf, das Halten und den Verkauf entstehen. Hierzu gehören Kosten für die Kontoführung, die Depotkosten und die Transaktionskosten. Auch diese Kosten reduzieren die Rendite – ebenso wie Steuern auf Zinsen und Kursgewinne.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Persönliche Beratung zum Thema Altersvorsorge und zum Thema Schadensfall Kapitalanlage bietet die Verbraucherzentrale Hessen in fast allen Beratungsstellen an. Eine Terminvereinbarung am hessenweiten Servicetelefon ist erforderlich
  • Telefonische Beratung zur Altersvorsorge donnerstags von 10 bis 14 Uhr 0900 1 972011. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon: Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 97 20 10 900.
  • Homepage: www.verbraucher.de 
  • Ratgeber

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: Februar 2016