Geförderte Altersvorsorge, ungeförderte Geldanlage und selbstgenutzte Immobilie

Grundsätzlich gibt es drei Wege für die private Altersvorsorge: Die geförderte Altersvorsorge mittels Riester, Rürup oder Betriebsrenten, die ungeförderte Geldanlage in Bankprodukte, börsennotierte Anlagen und private Rentenversicherungen sowie die selbst genutzte Immobilie. In jedem Fall will die Entscheidung für einen dieser Wege nach sorgfältiger Planung in Ruhe getroffen werden. Anbieterunabhängiger Rat ist Geld wert.

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Puzzleteil Altersvorsorge

Geförderte Altersvorsorge

Wer staatliche Zulagen und Steuervorteile für seine Altersvorsorge nutzt, muss weniger Eigenkapital einsetzen. Allerdings sind die Auszahlungen später meist zu versteuern. Gesetzlich Krankenversicherte zahlen zudem für dieses Einkommen meist Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Riester-Rente

Die Riester-Rente wird mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen gefördert. Die Förderung ist für alle Riester-Verträge gleich. Die Zulagen werden jährlich von der Zulagenstelle gezahlt. Als Zulagen gibt es die Grundzulage in Höhe von 154 €. Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es 300 € pro Jahr, für die vor dem 01.01.2008 geborenen Kinder gibt es 185 €. Die volle Zulage sichern sich Sparer, die 4 % ihres Bruttoeinkommens des Vorjahres abzüglich der Zulage(n) vom Staat einzahlen. Diese Beiträge sind bis zu einer Höhe von 2.100 € steuerlich absetzbar. Wer bei der Steuererklärung die Anlage AV ausfüllt, erhält vom Finanzamt eine Auszahlung in Höhe des zusätzlichen Steuervorteils.

„Riestern“ können grundsätzlich alle rentenversicherungspflichtigen Angestellten und Beamte. Voraussetzung ist der Abschluss eines Riester-Vertrages, die Einzahlung von Beiträgen und das Ausfüllen des Zulagenantrags. Durch die Kombination von Zulagen und Steuerfreiheit profitiert fast jeder, egal wie viel er verdient.

Als Geldanlage-Produkte kommen Bank-oder Fondsparpläne, private Rentenversicherungen (auch fondsgebunden) und Riester-Bausparverträge bzw. Baufinanzierungskredite in Betracht.

Die private Riester-Rentenversicherung ist dabei meist die erste Wahl, da gesetzlich Krankenversicherte auf die Auszahlungsbeträge in der Rentenphase keine zusätzlichen Abgaben für Krankenversicherung und Pflegeversicherung zahlen müssen, wenn sie im Ruhestand pflichtversichert sind.

TIPP:

Lassen Sie sich sowohl die Höhe der maximalen Förderung als auch die optimale Beitragshöhe ausrechnen. Denn Sie haben zum einen die Möglichkeit, genau den Mindesteigenbeitrag einzuzahlen, der für den ungekürzten Erhalt aller Zulagen erforderlich ist. Zum anderen können Sie Beträge bis zum steuerabzugsfähigen Höchstbetrag einzahlen, wenn es über die Zulagen hinaus noch etwas vom Finanzamt gibt.

Betriebsrente als „Gehaltsumwandlung“

Ob Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, rückgedeckte Unterstützungskasse und Direktzusage – Arbeitnehmer können nicht nur mit ihrem Arbeitgeber eine schriftliche Vereinbarung treffen, dass ein Teil ihres Gehalts in eine Betriebsrente umgewandelt wird, sie haben auch einen Anspruch darauf. Der Arbeitgeber hat jedoch das Recht, sich den Anbieter auszusuchen. Er schließt den Versorgungsvertrag ab und überweist die Beiträge an den Versorgungsträger.

Wer einen Teil seines Gehalts in eine Betriebsrente umwandeln lässt, zahlt für die Beiträge keine Steuern und Sozialabgaben.

Wenn der Arbeitgeber sich finanziell beteiligt und ein günstiges, attraktives Angebot unterbreitet, kann sich die Gehaltsumwandlung, trotz Steuern und Beiträgen für die Kranken- und Pflegeversicherung in der Auszahlungsphase, lohnen. Viele Arbeitnehmer erhalten jedoch keine ausreichenden und aussagefähigen Informationen,  die als Entscheidungsgrundlage geeignet sind. Vor der Unterschrift unter den Vertrag zur Gehaltsumwandlung sollten immer die Verbraucherinformation und das Produktinformationsblatt mit allen Angaben zu den Leistungen und Bedingungen des gewählten Geldanlageproduktes zur Kenntnis genommen werden. Nur damit ist es möglich, das Angebot für die Betriebsrente genau zu prüfen. Von Bedeutung sind insbesondere die Zusageform des Arbeitgebers, die tarifvertraglichen Regelungen, die Angaben zum Arbeitgeberzuschuss und die Versicherungsbedingungen. Keinesfalls sollten Arbeitnehmer sich mit Werbebroschüren begnügen.

Achtung:

Bei einem Jobwechsel ist der neue Arbeitgeber nicht verpflichtet, den laufenden Vertrag fortzuführen. Das Guthaben aus dem laufenden Vertrag kann aber in bestimmten Fällen in einen neuen Vertrag überführt werden. Ob sich das lohnt, muss im Einzelfall geprüft werden.

Rürup-Rente (Basisrente)

Selbständige, Gewerbetreibende und Freiberufler zahlen oftmals nicht in die gesetzliche Rente oder in berufsständische Versorgungswerke ein. Die Vorsorge über die Riester-Rente ist für diese Personen nicht möglich. Ein privater Rürup-Vertrag, auch Basisrente genannt, kann die Grundversorgung nach dem Ende des Berufslebens sicherstellen.

Geeignet kann eine Rürup-Rente auch für Personen mit voraussichtlich geringem Rentenanspruch aus der gesetzlichen Rentenversicherung sein, die kurz vor Rentenbeginn über mehrere Jahre größerer Beträge einzahlen möchten, um so eine lebenslange Rente in gewisser Höhe abzusichern.

Als Geldanlage-Produkte werden bisher überwiegend private Rürup-Rentenversicherungen angeboten. Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung oder in berufsständische Versorgungswerke für Ärzte, Rechtsanwälte u. a. werden seit 2005 steuerlich als Rürup-Rente bzw. Basisrente behandelt. Die Beiträge zu Rürup-Verträgen sind grundsätzlich bis zu einem Höchstbetrag von 20.000 Euro als Sonderausgaben bei der Steuer absetzbar.

Achtung:

Basisrentenverträge sind nie wieder kündbar und steuerrechtlich auch eher kompliziert geregelt. Es bedarf einer umfassenden Information vor Vertragsabschluss.

Ungeförderte Geldanlage

Private Altersvorsorge ist nichts anderes als eine Kapitalanlage mit einem festen zeitlichen Ziel, nämlich dem Rentenbeginn. Oft wird aber schon in verschiedenen Lebensphasen vor Rentenbeginn Kapital für unterschiedliche Zwecke benötigt. Geförderte Altersvorsorge sieht eine förderunschädliche Auszahlung vor Rentenbeginn meist nicht vor, eine Rürup-Rente ist gar nicht kündbar. Eine sinnvolle Mischung aus Liquiditätsreserve, geförderter und ungeförderter Geldanlage ist daher sinnvoll.

Wertpapiere, Bank- und Versicherungsprodukte wie Bundeswertpapiere, Anleihen, Banksparpläne, Festverzinsliche Anlagen, Fondsparpläne, Indexfonds und Private Rentenversicherungen können als mittel- oder langfristige Vermögensanlage und damit auch für die Altersvorsorge dienen. Für die Liquiditätsreserve eignen sich verzinste Tagesgeldkonten.

Tipp:
Mit nahendem Rentenbeginn sollten größere Ansparsummen oder Kapitalauszahlungen je nach Situation in Bank- oder Fondsauszahlpläne oder in eine sofort beginnende Rentenversicherung verschoben werden – abhängig von der Risikobereitschaft, der gewünschten Laufzeit und davon, ob eine Rente finanziert werden soll oder nicht.

Selbstgenutzte Immobilie

Die selbst genutzte Immobilie ist auf lange Sicht rentabel und durchaus als Altersvorsorge geeignet. Sie kann aber niemals die einzige Vorsorge für das Alter, wohl aber ein solider Baustein sein.

Ob sich die Investition in die eigenen vier Wände rechnet, hängt jedoch sehr von den persönlichen Umständen ab. Voraussetzungen sind ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten und ein Einkommen, mit dem sich das Immobiliendarlehen vor Rentenbeginn tilgen lässt. Sowohl das Eigenheim selbst als auch die Finanzierungsangebote müssen genau unter die Lupe genommen werden. Ein Kostenvergleich in Bezug darauf, ob man zur Miete oder in der eigenen Immobilie wohnt, sollte ebenfalls als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden. Wer seine finanzielle Belastbarkeit überschätzt, riskiert, dass seine Altersvorsorgeplanung nicht aufgeht. Schlimmstenfalls muss die Immobilie wieder verkauft werden – nicht selten mit Verlust.

Wer eine Immobilie finanziert, sollte die Schulden möglichst einige Jahre vor Rentenbeginn getilgt haben. Deshalb ist es ratsam, verfügbare Geldmittel zuerst für die die Tilgung und – sofern dann noch möglich – erst danach für Geldanlage- und Altersvorsorgeprodukten zu verwenden. Wer jedoch zuerst Eigenkapital für die Realisierung des Immobilienwunsches bilden muss, sollte zunächst stärker in private Geldanlageprodukte investieren und hierbei auf Liquidität und Verfügbarkeit achten.

Weitere Informationsquellen

Informationen aus anderen Quellen

Allgemeine Informationen zur Altersvorsorge geben auch die Rentenversicherungsträger. Diese dürfen jedoch keine Anbieter oder Produkte empfehlen.

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zu Altersvorsorge und Geldanlage 0900 1 972011. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen; donnerstags 10-14 Uhr.
  • Persönliche Beratung zu Altersvorsorge und Geldanlage, 150 € pro Beratung, Terminvereinbarung unter (069) 97 20 10 900.
  • Homepage: www.verbraucher.de

Verfasser:  Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: Juli 2017