Früher in den Ruhestand – fröhliches Rentnerleben oder Armutsfalle?

Mit 63 oder 64 schon in Rente gehen, eine Wohnung oder ein Häuschen im Süden kaufen, das Leben noch einmal richtig genießen, vielleicht auch einem kleinen Nebenerwerb nachgehen um die Rente aufzubessern, warum nicht? Was zunächst verlockend klingt, kann sich bei näherer Betrachtung schnell als finanzielle „Rentenfalle“ erweisen. Worauf kommt es bei der Planung des vorzeitigen Rentnerlebens an? Welche möglichen Abzüge sind zu erwarten? Kann man etwas zur Rente hinzuverdienen?

Älteres Paar © Kurhan - Fotolia.com_.jpg

Älteres Paar

Früher in Rente gehen - Wunsch- oder Albtraum?

Seit 01.01.2012 sind von der Rente mit 67 alle Arbeitnehmer ab dem Jahrgang 1947 betroffen. Das heißt, bis 67 jeden Tag ins Büro, in die Fabrik oder zu einem sonstigen Arbeitsplatz gehen - und dann? Womöglich direkt auf den Friedhof? Grauenhafte Vorstellung! So oder ähnlich haben bestimmt schon viele Menschen jenseits der 50 über ihre Zukunft nachgedacht. Die Idee, dem Berufsleben vor Erreichen der Regelaltersgrenze den Rücken zu kehren, ist verlockend: ein paar Abschläge bei der Rente sind hinzunehmen, klar, das weiß man. Wird schon nicht so schlimm sein. Und ansonsten müsste das doch alles irgendwie machbar sein mit dem Vorruhestand, so die Vorstellung. Man sieht sich gedanklich schon bei einem Glas Rotwein und Baguette auf der Veranda seines provenzalischen Landhauses in der Abendsonne sitzen… Aber Vorsicht! Nicht alles, was auf den ersten Blick so einfach erscheint, lässt sich in der Wirklichkeit realisieren. Schnell wird aus dem Wunschtraum ein Albtraum – insbesondere können die finanziellen Folgen einer vorschnell getroffenen Entscheidung fatale Folgen bis hin zur Altersarmut haben. Damit das möglichst nicht passiert, wird in diesem Beitrag auf einige wesentliche Kriterien hingewiesen, die es bei der Planung für einen möglichen Vorruhestand unbedingt zu beachten gilt.

Wie setzen sich die zu erwartenden Abzüge zusammen?

Wer mindestens 35 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt hat, kann früher (frühestens mit 63) in den Ruhestand gehen. Aber das kann teuer zu stehen kommen: für jeden Monat weniger Arbeit muss ein Abschlag von 0,3 % hingenommen werden - beginnend mit dem ersten Monat vorzeitigen Ruhestands - somit maximal 3,6 % im Jahr. Wenn man also mit 63 statt mit 67 Jahren in Rente gehen möchte, müssen Abzüge bis zu 14,4 % (48 Monate x 0,3) einkalkuliert werden. Doch wer glaubt, dass 14,4 % im Zweifel zu verkraften seien, dem sei gesagt: während der beitragsfreien Zeit ab 63 wird ja nicht weiter in die Rentenkasse eingezahlt (gekürzte Rente durch fehlende Beitragszeiten). Mit dem Effekt, dass die tatsächlich zu erwartende gekürzte Gesamtrente durch fehlende Beitragszeiten und Rentenabschläge noch deutlich geringer ausfällt. Ein vorzeitiger Rentenbezug führt somit nicht selten zu einer doppelten Kürzung!

Da jeder Fall nach der Formel:

Monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor

individuell berechnet werden muss, können hier keine verbindlichen Aussagen zu Ihrer tatsächlich zu erwartenden Rente getroffen werden. Um jedoch eine Vorstellung davon zu bekommen, was Sie erwarten können, bietet der Industrie-Pensions-Verein e. V. einen „Rentenkürzungsrechner“ kostenlos im Internet an, mit dem man – unverbindlich – die voraussichtliche monatliche Rente berechnen kann.

Um exakte und verbindliche Auskünfte zu erhalten, lassen Sie sich bitte unbedingt von Ihrem Rentenversicherungsträger beraten!

Die neue Flexi-Rente

Wenn Sie sich als Rentner noch nicht zur Ruhe setzen wollen oder die nach Abschlägen verbleibende Rente als zu gering erscheint, kann eine Beschäftigung zum einen fit halten und zum anderen helfen, die Haushaltskasse aufzubessern. Doch aufgepasst: hierbei sind einige neue Regeln (Flexi-Rente) zu beachten, damit Sie Ihren Rentenanspruch nicht gefährden und um notwendige Rückzahlungen zu vermeiden. Da jeder Fall ein wenig anders liegt, lassen Sie sich am besten von Ihrem Rentenversicherungsträger beraten.

Fest steht: wenn Sie bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben, können Sie grundsätzlich hinzuverdienen so viel Sie wollen, außerdem müssen Sie Ihrem Rentenversicherungsträger die Beschäftigung auch nicht melden.

Wenn Sie jedoch die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, dann hängt es von Ihrem Lebensalter ab, wie viel Sie zur gesetzlichen Rente hinzuverdienen dürfen, ohne Ihren Rentenanspruch zu gefährden. Das heißt, für vor dem 1. Januar 1947 geborene Versicherte liegt die Regelaltersgrenze liegt bei 65 Jahren. Für nach dem 31. Dezember 1946 Geborene wird die Regelaltersgrenze schrittweise auf 67 Jahre angehoben.

Je nachdem, ob Sie eine

  • Altersrente für langjährig Versicherte,
  • Altersrente für schwerbehinderte Menschen,
  • Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente,
  • Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder
  • nach Altersteilzeitarbeit,
  • Altersrente für Frauen,
  • Altersrente für besonders langjährig Versicherte oder
  • Altersrente für langjährig unter Tage beschäftigte oder Bergleute bekommen,

müssen Sie bis zu Ihrer Regelaltersgrenze bestimmte Hinzuverdienstgrenzen einhalten. Sie sind verpflichtet, Ihre Beschäftigung und den Verdienst gegenüber der Rentenversicherung offenzulegen.

Seit dem 1. Juli 2017 gilt das neue Flexi-Renten-Gesetz. Die Altersrente wird abhängig vom Hinzuverdienst entweder in voller Höhe als „Vollrente“ oder reduziert als „Teilrente“ gezahlt. Wenn Sie Ihre Rente in voller Höhe erhalten wollen, gilt für Sie die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro (brutto) im Jahr. Dies gilt für die alten und die neuen Bundesländer gleichermaßen. Je höher der diese Grenze überschreitende Hinzuverdienst ist, umso geringer ist der Anteil der Rente. Das heißt konkret, alles was über den Betrag von 6.300 Euro hinausgeht, wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Allerdings gibt es auch eine Obergrenze: "Rechnet man die gekürzte Rente und den Hinzuverdienst zusammen und liegt dieser Betrag über dem bisherigen Einkommen (höchstes Einkommen der letzten 15 Jahre, sogenannter Hinzuverdienstdeckel), wird der darüber liegende Betrag zu 100 Prozent auf die verbliebene Teilrente angerechnet." (Quelle: Flexirente: Das ist neu für Sie. Deutsche Rentenversicherung, 2017).

Die deutsche Rentenversicherung stellt zunächst über Ihren angemeldeten, voraussichtlichen Hinzuverdienst im laufenden und im Folgejahr eine Prognose auf. Sie überprüft dann einmal pro Jahr rückwirkend den tatsächlichen Hinzuverdienst und berechnet, ob Sie gegebenenfalls eine eventuelle Renten-Überzahlung zurückzahlen müssen oder ob Sie Anspruch auf eine Nachzahlung haben. Einzelheiten und Rechenbeispiele entnehmen Sie bitte den Informationen der Deutschen Rentenversicherung (siehe „Hinzuverdienstgrenzen“ und "Flexi-Rente" unter „Quellen“ auf dieser Seite).

Wie oben erwähnt, müssen Sie jede Erwerbstätigkeit Ihrem Rentenversicherungsträger melden. Von ihm erfahren Sie, ob sich Ihr Hinzuverdienst innerhalb der zulässigen Grenzen bewegt oder diese übersteigt. Die Rentenversicherung teilt Ihnen außerdem mit, welche Arten von Einkommen berücksichtigt werden.

Nähere Informationen über die verschiedenen Altersrenten erhalten Sie in der Broschüre „Die richtige Altersrente für Sie“ unter „Weitere Informationen“ auf dieser Seite.

Achtung: Falls Sie zusätzlich zur gesetzlichen Rente eine Betriebsrente beziehen, kann die Höhe des Hinzuverdienstes zu anderen Kürzungen oder sogar zum Ruhen der Betriebsrente führen. Erkundigen Sie sich daher unbedingt beim Träger Ihrer Betriebsrente.

Kann sich Vorruhestand trotz möglicher Nachteile lohnen?

In finanzieller Hinsicht kaum (siehe Abzüge und Hinzuverdienstgrenzen). In jedem Fall will der Schritt in den vorzeitigen Ruhestand daher wohl überlegt sein, denn: es gibt kein Zurück! Die Rentenabschläge bleiben einem ein Leben lang erhalten. Je nach Rentenhöhe kann dies unter Umständen mit erheblichen Einschränkungen des bisherigen Lebensstandards einhergehen.

Allerdings kann im Einzelfall ein Mehr an Lebensqualität die finanziellen Nachteile aufwiegen. Zudem bieten sich unter Umständen neue Betätigungsfelder an, die die finanziellen Nachteile einigermaßen ausgleichen helfen oder sogar völlig kompensieren können. Aber bedenken Sie dabei: Sie werden älter! Niemand kann vorhersehen, ob Sie – falls Sie das (ein-)geplant haben sollten - bis ins hohe Alter einer zusätzlichen Erwerbstätigkeit nachgehen können. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob ihm die vorzeitige „Freiheit“ die lebenslange Rentenkürzung wert ist.

Weitere Informationen: Die richtige Altersrente für Sie (Quelle: Deutsche Rentenversicherung, 11. Auflage, 2016)

Stand: Juli 2017