Aus der Vielfalt richtig auswählen

Die Riester-Rente bietet sich vielfach als attraktive Möglichkeit der privaten Altersvorsorge an – gerade auch bei kleinem Einkommen. Der Markt bietet unterschiedliche Verträge aus verschiedenen Produktgruppen. Welches Produkt für wen sinnvoll ist, ist nicht einfach zu entscheiden. Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Produkte erschließen sich nicht auf den ersten Blick.

Riester-Rente_Coloures-pic - fotolia.com_.jpg

Rister-Rente Puzzleteil

Das passende Produkt finden

Der Markt bietet vier Produktgruppen:

  • klassische Rentenversicherungen,
  • Banksparpläne,
  • Fondssparpläne,
  • fondsgebundene Rentenversicherungen.

Zudem kann der Arbeitgeber im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge einen Riester-Vertrag einer Pensionskasse, eines Pensionsfonds oder einer Direktversicherung anbieten. Als „Wohn-Riester“ werden zertifizierte Bausparverträge und Riester-Darlehen angeboten.

Das gewählte Produkt sollte weitgehend den persönlichen Wünschen des Sparers in puncto Sicherheit, Flexibilität und Rentabilität entsprechen und zu dessen Lebensplanung passen. Für die meisten Sparer kommen die klassischen Rentenversicherungen und Banksparpläne in Frage. Klassische Rentenversicherungen weisen vom ersten Tag an die Mindestrente aus, aber sie wollen, was den finanziellen Aufwand betrifft, durchgehalten werden. Banksparpläne versprechen Sicherheit und Flexibilität. Die Höhe der künftigen Rente ist hingegen nicht abschätzbar. Fondsparpläne oder fondsgebundene Rentenversicherungen sind eher für risikobereite, jüngere Vorsorgesparer interessant. Börsenwissen und die Fähigkeit, das Fondsrisiko einzuschätzen, sollten vorhanden sein. Falls etwas „schief geht“ sollte man die Möglichkeit haben, mit anderen Sparformen für das Alter vorzusorgen. „Wohn-Riester“-Verträge können sich lohnen, wenn man die Immobilie selbst bewohnt. Anderenfalls muss die staatliche Förderung zurückgezahlt werden.
 

Die Produktgruppen im Einzelnen

Klassische Rentenversicherung

  • Produkt: Sogenannte Leibrentenversicherung, bei der das Versicherungsunternehmen die um die Kosten geminderten Prämien und Zulagen in wenig risikoreiche Anlagen investiert. Überschüsse fließen ebenfalls in wenig verlustanfällige Anlagen. Jeder einzelne Versicherungsvertrag ist bis zur Rentenphase durchkalkuliert. Dem „Riester-Sparer“ wird daher bei Abschluss eine Mindestrente zugesagt. Überschüsse werden nur prognostiziert.
     
  • Flexibilität: Abschlusskosten werden meist mit den gezahlten Prämien verrechnet. Sie fallen häufig in die ersten Jahre, dürfen aber auch auf die gesamte Laufzeit verteilt werden. Werden die Kosten in den ersten Jahren angerechnet, kann ein Vertragswechsel zu erheblichen Verlusten führen. Die Höhe der Verluste sollte vor der Entscheidung zum Vertragswechsel im Einzelfall genau geklärt werden. Auch Änderungen während der Vertragslaufzeit (zum Beispiel die Vereinbarung niedrigerer Einzahlungen) können Kosten verursachen. Wer Wert auf Flexibilität legt, sollte die Angebote der Versicherungen auch bezüglich der Kosten bei Vertragsänderungen vergleichen.
     
  • Kosten: Abschlusskosten, laufende Verwaltungskosten, Kosten auf Zulagen etc. Die Vielzahl der Tarife unterscheidet sich hinsichtlich der Kosten erheblich – die Unterschiede liegen bei mehr als 250 Prozent. Ein Vergleich der Kosten lohnt sich also immer. Abschluss- und Verwaltungskosten sind in einem Produktinformationsblatt offenzulegen. Transparenz ist damit jedoch nicht gegeben. Eine Vergleichbarkeit scheitert zum Beispiel daran, dass die Kosten von den Anbietern unterschiedlich verteilt werden – mal auf fünf Jahre und mal auf die Gesamtlaufzeit.
     
  • Renditeerwartung: Einzahlungen, garantierter Zins und Überschüsse bilden das Kapital für die Rentenauszahlung. Es ist wahrscheinlich, dass bis zum Rentenbeginn nicht nur das eingezahlte Kapital erhalten bleibt, sondern ein Plus entsteht. Wie hoch dieses Plus ist, hängt von den Kosten des Vertrages ab.
     
  • Kombi-Produkte, mit denen noch zusätzliche Risiken, zum Beispiel das der Berufsunfähigkeit, versichert werden, mindern die Rendite, denn zusätzliche Absicherung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Rendite hängt auch von der tatsächlichen Lebenszeit des Vertragsinhabers ab. Bei Vertragsschluss hat die Versicherung die zu erwartende Rente anhand der voraussichtlichen Lebenserwartung kalkuliert. Lebt der Vertragsinhaber länger als erwartet, bekommt er mehr Geld ausgezahlt als die Versicherung kalkuliert hat.
     
  • Aussichten für die Rentenphase: Die Kostenquote in der Rentenphase sowie der garantierte Teil der lebenslangen Rente stehen bereits bei Vertragsabschluss fest. Überschussbeteiligungen sind hingegen nicht planbar. Es erfolgt zwar eine grundsätzliche Beteiligung an Überschüssen. Ob diese entstehen, ist aber nicht vorhersehbar. Es ist möglich, dass der Rentenanteil, der aus dem Überschussguthaben kalkuliert wird, nach anderen Regeln kalkuliert wird, wie die ursprünglich garantierte Rente.
     
  • Geeignet für: Vorsorgesparer bis zum 50. Lebensjahr, die ein vorhersehbares gleichmäßiges Einkommen über die ganze Ansparzeit haben und Sparer, die großen Wert darauf legen, die Höhe der vereinbarten Mindestrente von Anfang an zu kennen.

 Fondssparplan

  • Produkt: Sparplan für den regelmäßigen Kauf von Wertpapieren. Die Fonds können in veränderlichen Anteilen Aktien und Rentenpapiere enthalten. Wann, wie und wie oft Umschichtungen vorgenommen werden, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt. Die Konzepte, mit denen die Anbieter den vorgeschriebenen Kapitalerhalt sicherstellen wollen, sind sehr unterschiedlich. 
  • Flexibilität: Einzahlungen in unterschiedlichen Höhen werden bisher akzeptiert. Ein Wechsel aus einem Fondssparplan in einen anderen zertifizierten Vertrag ist mit moderaten Kosten möglich. Zu Börsentiefzeiten ist bei einem Wechsel allerdings mit Verlusten zu rechnen. Das Versprechen auf Kapitalerhalt gilt immer nur für das Kapital, das zum Zeitpunkt des Rentenbeginns vorhanden sein muss.
  • Kosten: Abschlusskosten, Ausgabeaufschläge, laufende Kosten, Kontoführungsgebühren, fondsinterne Kosten, Wechselkosten. Inzwischen gibt es Fondssparpläne, bei denen die Abschlusskosten mit den Prämien der ersten fünf Jahre verrechnet werden.
  • Renditeerwartung: Die zu erwartende Rendite ist nicht vorhersehbar, da diese Geldanlage Wertschwankungsrisiken an den Börsen unterliegt. Die Spanne reicht von einer guten Rendite bis zum Kapitalerhalt bei Rentenbeginn.
  • Aussichten für die Rentenphase: Die Höhe des Guthabens zu Rentenbeginn ist nicht vorhersehbar. Unklar ist auch, nach welchen Berechnungsgrundlagen die Höhe der monatlichen Rente errechnet wird. Das Gesetz sieht lediglich vor, dass die Rente in der Auszahlungsphase nicht sinken darf. Zudem muss in der Rentenphase entweder ein Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr oder ein Vertrag mit einer sofortigen oder spätestens ab dem 85. Lebensjahr eintretenden Rentenversicherung abgeschlossen werden.
  • Geeignet für: risikobereite Sparer mit Börsenwissen bis Mitte 30.

Fondsgebundene Rentenversicherung

  • Produkt: Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung wird Kapital durch laufende Beitragszahlungen gebildet. Der Versicherer legt die Beiträge nach Abzug der Kosten und  eines Teils des Beitrags, der für das Garantiekapital benötigt wird, in einem oder mehreren Investmentfonds an. Bei vielen Versicherern können Vorsorgesparer die einzelnen Fonds aus der Fondspalette des jeweiligen Anbieters selbst auswählen und bei Bedarf umschichten. Der Versicherer hält die Investmentfonds in einem gesonderten Anlagestock. Die Höhe des zur Verrentung zur Verfügung stehenden Kapitals und der späteren Rente hängt – neben der garantierten Leistung – vor allem von der Wertentwicklung der gewählten Investmentfonds ab. 
  • Kosten: Diverse Kosten wie Abschluss- und Verwaltungskosten, darüber hinaus Kosten für den Kauf und die Verwaltung der Fonds, wie Ausgabeaufschläge etc. Es finden sich hier durchaus sehr kostenintensive Verträge. Ein Preisvergleich kann sich also lohnen.
  • Renditeerwartung: Nicht vorhersehbar. Kostenintensive Verträge belasten bereits in der Ansparphase das Ergebnis, dazu können unvorhersehbare Fondsentwicklungen jederzeit das Ergebnis belasten.
  • Geeignet für: risikobereite junge Vorsorgesparer, die sich mit Fonds auskennen, diese aktiv auswählen können und deren Verlauf beobachten.

Wohn-Riester

Die Riester-Förderung kann auch für einen zertifizierten Bausparvertrag, als Sondertilgung für ein Immobiliendarlehen oder zum Erwerb von Pflichtanteilen an einer Genossenschaft für eine Genossenschaftswohnung genutzt werden. Gefördert werden aber nur selbst genutzte Immobilien. In der Rentenphase müssen bis zum 85. Lebensjahr jährlich in gleichen Raten Steuern auf die zuvor erhaltene Förderung gezahlt werden. Ab Rentenbeginn besteht die Möglichkeit, die gesamte Steuerschuld mit einem Einmalbetrag zu tilgen. In diesem Fall gewährt das Finanzamt einen Nachlass auf die Steuerschuld.

Tipp:
Das in einem Riester-Vertrag angesparte Kapital kann jederzeit entnommen und als Eigenkapital für die Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie eingesetzt werden. Das geht auch bei Umschuldung im Rahmen der Finanzierung einer solchen Immobilie sowie zu Zwecken der Finanzierung von Barriere-reduzierenden Umbauten. Das entnommene und vorab geförderte Kapital muss jedoch ab Rentenbeginn versteuert werden. Bei Riester-Verträgen, die im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen wurden, ist die Kapitalentnahme nicht möglich. Hierzu zählen auch die VBL-Riester-Renten, die Angehörigen des öffentlichen Dienstes angeboten werden.

Bausparverträge

  • Produkt: Sparvertrag mit festem Zins und der Zusage, später ein Darlehen in Anspruch nehmen zu können. Es gibt aber keine feste Zusage für den Zuteilungstermin.
     
  • Flexibilität: Einzahlungshöhen sind während der Ansparphase veränderbar. Änderungen, wie Erhöhung der Bausparsumme oder eine Wahlzuteilung, sind zum Teil vor und zum Teil zu Beginn der Darlehensphase möglich, insbesondere dann, wenn sich die Bau- oder Kaufabsicht konkretisiert.
     
  • Renditeerwartung: Abhängig von der Höhe des festen Zinses in der Ansparphase und dem Zins, der für das zu gewährende Darlehen zu zahlen ist.
     
  • Kosten: In der Regel sind die Abschlusskosten abhängig von der Bausparsumme (zum Beispiel ein Prozent der Bausparsumme). Eventuell fallen laufende Verwaltungskosten an.
     
  • Geeignet für: junge Sparer, die sicher in 10 bis 15 Jahren ein Eigenheim bauen oder kaufen werden. Die Zuteilungsreife des Vertrages und der Zeitpunkt des Erwerbs der Immobilie müssen aufeinander abgestimmt sein.

Bauspardarlehen

  • Produkt: Darlehen mit festem Zinssatz. Die Zulagen fließen in die Tilgung ein.
     
  • Flexibilität: Die Tilgung der Darlehenssumme darf nicht unter einem Prozent liegen. Die Tilgung darf nicht – auch nicht zeitweise – ausgesetzt werden. Je nach Darlehensangebot besteht die Möglichkeit zur Sondertilgung.
     
  • Renditeerwartung: Abhängig von der Höhe des vereinbarten Zinssatzes.
     
  • Aussichten in der Rentenphase: Das „Riester-Bauspardarlehen“ muss mit dem Beginn der Rentenphase getilgt sein. Ab Rentenbeginn, spätestens mit dem Beginn des 68. Lebensjahres, muss die Förderung versteuert werden.
     
  • Geeignet für: Verbraucher, die sofort eine Eigenheimfinanzierung vornehmen wollen und den Kredit spätestens bis zur Vollendung ihres 68. Lebensjahres zurückzahlen können sowie die Immobilie bis zum Tod selbst nutzen wollen.
     

Weitere Informationen

Informationen im Verbraucherfenster

Riester-Rente, Teil 1: Wer kann von der staatlichen Förderung profitieren?

Riester-Rente, Teil 2: Zulagen und Steuervorteile

Riester-Rente, Teil 4: Kapitalerhalt und Rückzahlung der staatlichen Förderung: Das Wichtigste auf einen Blick

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zur Altersvorsorge unter 0900 1 972011, donnerstags 10 -14 Uhr
     (1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen).
  • Auskunfts- und Servicetelefon: Informationen über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter (069) 972010 - 900.
  • Homepage: www.verbraucher.de 

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: Juli 2017