Als Rentner ins Ausland (I.) – nur ein Wunschtraum oder realisierbar?

Haben Sie schon darüber nachgedacht wie schön es sein könnte, den wohlverdienten Ruhestand unter Palmen im sonnigen Süden zu verbringen? Hegen Sie gar den Wunsch, sich als Rentner ein schmuckes Eigenheim in Südeuropa oder in Florida zuzulegen? Aber wie ist das mit dem Rentenbezug und der Krankenversicherung? Kann ich mir was hinzuverdienen? Die Antworten finden Sie in einer dreiteiligen Serie auf Ihrem Durchblickportal.

Aelteres Paar auf Bank marc morvant - Fotolia.com_.jpg

Altes Paar sitzt auf einer Bank und schaut aufs Meer

Damit aus Ihren Träumen kein finanzieller Alptraum wird, hat das VerbraucherFenster Hessen für Sie einige Informationen, Hinweise und Internet-Quellen zusammengestellt, die Ihnen bei Ihrer Planung vom Leben im Ruhestand außerhalb Deutschlands hilfreich sein können. Zu diesem sehr weitreichenden und komplexen Themengebiet kann hier jedoch nur sehr begrenzt und ohne Gewähr auf Vollständigkeit der Informationen oder Aktualität der Rechtslage Stellung genommen werden. Vorrangiges Ziel dieses Beitrags ist daher, Sie zunächst auf mögliche Hindernisse und Fallstricke aufmerksam zu machen und Ihnen weiterführende Informationsangebote und Adressen bekannt zu machen. Und bedenken Sie: Jeder Einzelfall liegt anders! Bitte informieren Sie sich deshalb rechtzeitig und umfassend direkt bei den zuständigen Behörden und Institutionen.

  

Rentenbezug im Ausland

„…Rentnerinnen und Rentner können sich weitestgehend dort niederlassen, wo es ihnen beliebt, wenn Sie ausreichende Existenzmittel und einen Krankenversicherungsschutz haben. Die deutsche Rente wandert dann mit.“ (Quelle: Leben und Arbeiten in Europa. Deutsche Rentenversicherung Bund, 4. Aufl. 2012, 701, S. 52). Diese Aussage gibt all jenen ein Stück weit Sicherheit, die planen, nach ihrem Berufsleben ihren Lebensabend oder zumindest eine längere Zeit im Ausland zu verbringen. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von formalen Dingen zu beachten, damit es keine bösen Überraschungen bezüglich der Rentenzahlung gibt. Beispielsweise könnten Einschränkungen bestehen, wenn Sie nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise zeitweilig in einem anderen EU-Mitgliedsstaat gearbeitet haben. Auch wenn Sie sich zum Beispiel dauerhaft in einem Nicht-EU-Mitgliedsstaat aufgehalten haben, können gewisse Einschränkungen bestehen. Schlimmstenfalls kann es geschehen, dass Sie – je nachdem, wie lange Sie im Gastland gearbeitet haben – Ihren Rentenanspruch in Deutschland verlieren.

 

Achtung: Wenn Sie planen, auszuwandern, sollten Sie sich unbedingt vorher bei Ihrem Rentenversicherungsträger erkundigen, ob und wenn ja wie sich Ihre Rente möglicherweise mindert und sich eingehend beraten lassen.

 

Wie bekommen Sie Ihr Geld?

Im Prinzip funktioniert alles genauso wie im Inland: Sie erhalten Ihre Rente monatlich auf ein Konto überwiesen. Dieses kann bei einem Geldinstitut in Deutschland, in den EU-Mitgliedstaaten oder im sonstigen Ausland geführt werden. Selbstverständlich benötigt Ihr Rentenversicherungsträger von Ihnen rechtzeitig alle für eine reibungslose Zahlung erforderlichen Informationen wie IBAN und BIC. Damit die Zahlungen später ohne Unterbrechung geleistet werden können, benötigt der Rentenversicherungsträger außerdem ein regelmäßiges „Lebenszeichen“ von Ihnen. Das müssen Sie mittels entsprechendem Formular, das Ihnen Ihr Rentenversicherer zur Verfügung stellt, übermitteln.

 

Hinzuverdienst (-möglichkeiten, -grenzen)

Angenommen, Ihre Rente reicht im Ausland nicht ganz zur Aufrechterhaltung Ihres gewohnten Lebensstandards – schließlich kostet zum Beispiel ein Cappuccino in einem Hafencafé von St. Tropez bereits so viel wie ein Pfund Pulverkaffee in Deutschland. Von den zum Teil exorbitanten Miet- und Immobilienpreisen in begehrten Regionen ganz zu schweigen. Was also tun? Die Rente durch einen Hinzuverdienst aufbessern? – prima Idee! Warum nicht beispielsweise „Homesitting“ für verwaiste Ferienimmobilien im Winter anbieten, das wäre doch was fürs Alter. Oder wollten Sie nicht schon immer ein kleines Café in der Toscana eröffnen oder ein eigenes, kleines Weingut in der Provence betreiben? Klingt gut, denken Sie?

 

Achtung: Wenn Sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, müssen Sie die Hinzuverdienstgrenzen beachten! Es sind einige Regeln einzuhalten, damit Sie Ihren Rentenanspruch nicht gefährden und um eventuell notwendige Rückzahlungen zu vermeiden. Da jeder Fall ein wenig anders liegt, lassen Sie sich am besten von Ihrem Rentenversicherungsträger beraten.

 

Fest steht: Wenn Sie bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben, können Sie grundsätzlich hinzuverdienen so viel Sie wollen, außerdem müssen Sie Ihrem Rentenversicherungsträger die Beschäftigung auch nicht melden. Wenn Sie jedoch die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, dann hängt es von Ihrem Lebensalter ab, wie viel Sie zur gesetzlichen Rente hinzuverdienen dürfen, ohne Ihren Rentenanspruch zu gefährden. Das heißt, für vor dem 1. Januar 1947 geborene Versicherte liegt die Regelaltersgrenze bei 65 Jahren. Für nach dem 31. Dezember 1946 Geborene wird die Regelaltersgrenze schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Grundsätzlich müssen Sie jede Erwerbstätigkeit im In- und Ausland Ihrem Rentenversicherungsträger melden, wenn Sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben. Von ihm erfahren Sie, ob sich Ihr Hinzuverdienst innerhalb der zulässigen Grenzen bewegt oder diese übersteigt. Die Rentenversicherung teilt Ihnen außerdem mit, welche Arten von Einkommen berücksichtigt werden.

 

Nähere Informationen über die verschiedenen Altersrenten sowie Einzelheiten und Rechenbeispiele zu diesem Thema entnehmen Sie bitte den Informationen der Deutschen Rentenversicherung (siehe „Links“).

 

Krankenversicherung

Nach dem Europarecht sind Sie auch als Rentner krankenversichert. Es ist demzufolge auch rechtlich geregelt, wo Sie krankenversichert sind.

 

Beispiel: Sie wohnen in Frankreich und erhalten eine deutsche Rente: dann gilt für Sie das deutsche Recht. Das heißt, Sie nehmen die medizinischen Leistungen in Frankreich in Anspruch, aber die entstehenden Kosten werden über den französischen Versicherungsträger mit Ihrer deutschen Krankenversicherung abgerechnet, allerdings nach französischem Recht. Die Erstattungssätze für Sachleistungen bzw. medizinische Maßnahmen können gegebenenfalls teilweise deutlich von den deutschen Sätzen abweichen, so dass unter Umständen beträchtliche Zuzahlungen auf Sie zukommen können!

Für den Fall, dass Sie wie im vorgenannten Beispiel in Frankreich leben und aufgrund einer dortigen beitragspflichtigen Tätigkeit neben der deutschen auch eine französische Rente erhalten, sind Sie ausschließlich nach französischem Recht in einer französischen Krankenversicherung versichert.

 

Wenn Sie im Ausland wohnen und freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen deutschen Krankenversicherung oder privat krankenversichert sind, können Sie einen Beitragszuschuss bei Ihrem Versicherungsträger beantragen. Dies gilt jedoch nur, wenn Sie nicht bereits im Ausland krankenversicherungspflichtig sind.

 

Tipp: nehmen Sie rechtzeitig vor Ihrer geplanten Auswanderung mit Ihrer Krankenkasse Kontakt auf und lassen Sie sich beraten, wie Sie weiterhin krankenversichert sind und worauf Sie achten müssen, um im Ausland medizinische Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass Sie Ihren Wohnsitz in ein Land verlegen, das mit Deutschland kein Abkommen über soziale Sicherheit abgeschlossen hat, oder wenn Sie in einen Abkommensstaat ziehen, der nicht zur EU gehört. Hier gelten unter Umständen auch besondere Regelungen für freiwillig gesetzlich oder privat Versicherte.

Wichtig: wenn Sie Ihren Wohnort weder in einen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums, noch in die Schweiz, noch in einen Abkommensstaat verlegen, enden sowohl Ihre Kranken- als auch Pflegeversicherung in Deutschland! Da auch eine freiwillige Versicherung in diesem Fall endet, muss diese von Ihnen rechtzeitig gekündigt werden. Die diesbezüglichen Regeln der privaten Krankenversicherungen erfragen Sie bitte beim jeweiligen Versicherungsträger.

 

Weitere und detaillierte Informationen mit vielen Fallbeispielen zu diesem komplexen Thema bieten Ihnen unter anderem die am Ende dieses Beitrags aufgelisteten Broschüren.

 

Quelle/Literatur: Kother, A.: Alltag in Frankreich. 1. Aufl. (2011), Conbook Medien GmbH, 349 S.

 

 

Lesen Sie in der Fortsetzung „Als Rentner ins Ausland – nur ein Wunschtraum oder realisierbar? Teil 2“: Damit aus Ihren Träumen kein finanzieller Alptraum wird - Informationen zu den Themen

  • Steuern, Abgaben, Gebühren
  • Wohnen / Immobilien
  • Finanzierung / Kredite

 

 

Stand: Oktober 2014