Verpackungen aus Biokunststoffen sind ökologisch nicht besser

Biokunststoffe für Verpackungen werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Sind diese ökologisch besser als herkömmliche Kunststoffverpackungen? Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes kam zu dem Ergebnis, dass Biokunststoffe bei Betrachtung aller Umweltaspekte insgesamt nicht umweltverträglicher sind. Umweltfreundlich sind derzeit nur Mehrwegtaschen, etwa Stoffbeutel und Taschen aus anderen langlebigen Materialien.

Biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben insgesamt keinen ökologischen Vorteil. Durch den Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen für diese Verpackungen versauern Böden und eutrophieren Gewässer stärker als durch die Herstellung herkömmlicher Kunststoffverpackungen. Zudem entstehen höhere Feinstaubemissionen. Auch die vermehrt angebotenen Bioplastiktüten haben damit keinen Umweltvorteil. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes.

 

Diese sollte vor allem ermitteln, ob die Erleichterungen in der Verpackungsverordnung für bioabbaubare Kunststoffverpackungen aus ökologischer Sicht weiterhin gerechtfertigt sind. Eine entsprechende Sonderregelung läuft Ende des Jahres aus. "Die Ergebnisse sprechen dafür, die Sonderregelung für solche Verpackungen, wie etwa die Befreiung von der Rücknahmepflicht des Handels, nicht zu verlängern", sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). Umweltfreundlich sind nur Mehrwegtaschen, etwa Stoffbeutel und Taschen aus anderen langlebigen Materialien.

 

Aus was bestehen biologisch abbaubare Kunststoffe und für was werden sie verwendet?

Derzeit haben sich folgende drei Sorten von biologisch abbaubaren Kunststoffen durchgesetzt:

  • Kunststoffe auf Basis von Stärke aus Kartoffeln und Mais
  • Polylactid (PLA) auf der Basis von Milchsäure und
  • abbaubare Polyester aus Erdöl.

Im Verpackungsbereich werden biologisch abbaubare Kunststoffe vielfältig eingesetzt wie zum Beispiel für Abfallsäcke, Tragetaschen, Verpackungsfolien, Einweggeschirr, Obst und Gemüseschalen sowie Verpackungschips.

 

Auswirkungen von Biokunststoffen auf die Umwelt

Betrachtet man den gesamten Lebensweg biologisch abbaubarer Kunststoffverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen – von der Herstellung bis zur Entsorgung – schneiden diese nicht günstiger als Verpackungen herkömmlicher Kunststoffe ab, denn Biokunststoffe wirken sich auf die Umweltbereiche unterschiedlich aus:

 

positiv:

  • Der CO2-Ausstoß fällt zwar geringer aus, ebenso der Verbrauch von Erdöl.

negativ:

  • In anderen Umweltbereichen kommt es aber zu größeren Belastungen – vor allem durch Düngemittel.
  • Verwendet werden diese für die Pflanzen, aus denen die Kunststoffe gewonnen werden. Sie führen zur Eutrophierung von Gewässern und sauren Böden, und zwar in einem stärkeren Umfang als bei der Herstellung herkömmlicher Kunststoffe.

 

Bioplastikmüll ist nicht besser als herkömmlicher Plastikabfall - umweltfreundlich sind Mehrwegtaschen aus langlebigen Materialien

Damit ist auch klar, dass die derzeit vielfach angepriesenen Bioplastiktüten keine Umweltvorteile gegenüber herkömmlichen Plastiktüten bieten. Wirklich umweltfreundlich sind nur Mehrwegtaschen, etwa Stoffbeutel und Taschen aus anderen langlebigen Materialien.

 

Marktanteil von Biokunststoffverpackungen sehr gering

Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen konnten sich im Einzelhandel auch nicht durchsetzen. Im Bezugszeitraum der Studie 2009 hatten die Biokunststoffverpackungen einen Marktanteil von maximal 0,5 Prozent. Insgesamt wurden in Deutschland in 2009 2.645 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen verbraucht.

 

Umweltbundesamt empfiehlt, nur ökologische Biokunststoff-Verpackungen zu fördern

UBA-Präsident Flasbarth: „Das Umweltbundesamt empfiehlt, zukünftig Biokunststoffe nur dann zu fördern, wenn deren ökologische Überlegenheit im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen belegt ist.“ Auch neuartige Kunststoffe wie Bio-Polyethylen, die unter anderem aus Zuckerrohr hergestellt werden, erfüllen diese Kriterien noch nicht in ausreichendem Maße. Ihre Herstellung muss noch weiter optimiert werden. Einen wesentlichen Beitrag kann dabei auch die Verwendung pflanzlicher Reststoffe leisten. Künftig könnten solche Kunststoffe aber Vorteile gegenüber herkömmlichen Kunststoffen aufweisen. In geringen Mengen werden sie derzeit für Flaschen und Tüten eingesetzt. Biokunststoffe sollten nach ihrem Gebrauch einfach und ohne großen Energieaufwand recycelt werden können.

 

Ergebnis der Studie: Sonderregelung zur Einführung von Biokunststoff-Verpackungen nicht weiterführen

Für Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen gilt nach § 16 Absatz 2 der Verpackungsverordnung derzeit eine Sonderregelung, die ihre Markteinführung erleichtern soll:

  • Hersteller und Vertreiber solcher Verpackungen müssen sich nicht an den vorhandenen Rücknahmesystemen für Verpackungen beteiligen.
  • Als Getränkeverpackungen unterliegen sie auch nicht der Pfandpflicht, wenn sie zu mindestens 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind. Vielmehr ist es Herstellern und Vertreibern überlassen, wie sie am effektivsten die von der Verpackungsverordnung geforderte möglichst hohe Verwertungsquote sicherstellen. Diese Erleichterungen sind bis zum 31. Dezember 2012 befristet.

Die Studie des Institutes für Energie-und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Auftrag des UBA, sollte klären, ob dies aus Sicht des Umweltschutzes weiter gerechtfertigt ist. Jochen Flasbarth: „Die Studie zeigt, dass sich die Sonderregeln für Biokunststoffe in § 16 Absatz 2 der Verpackungsverordnung nicht bewährt haben. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sprechen dafür, die Sonderregelungen für Verpackungen aus diesen Kunststoffen nicht fortzuführen.“

 

Informationen zur Studie über Biokunststoff-Verpackungen

Die Studie „Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen“ hat insgesamt 85 Ökobilanzen, Studien und Fachartikel ausgewertet. Dabei wurden alle Umwelt bezogenen Vor- und Nachteile der jeweiligen Verpackungen berücksichtigt. Darüber hinaus analysiert die Studie die Verwendung von Verpackungen im Einzelhandel, wobei sie die aktuelle Situation, aber auch Prognosen mit einbezieht.

Link zur Studie: Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen