Zeitumstellung führt zu mehr Wildunfällen

Mit der Umstellung auf die Winterzeit Ende Oktober erhöht sich das Risiko für Wildunfälle. Ein Zusammenstoß mit Hirsch, Reh oder Wildschwein kann enorme Schäden anrichten. Was ist zu tun bei Wildunfällen und wie lassen sie sich vermeiden?

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Schild mit Wildwechsel

In Hessen lag die Zahl der Wildunfälle im Jahr 2017 bei rund 19.200. Auffallend dabei ist der kontinuierliche  Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Verantwortlich dafür wird der höhere Wildbestand, insbesondere an Wildschweinen, gemacht. Wildschweine sind anpassungsfähige Allesfresser und finden in den Getreidefeldern ideale Lebensbedingungen.

In den Monaten März und April sowie Oktober und November ist die Zahl der Wildunfälle erfahrungsgemäß besonders hoch, da dann der Berufsverkehr morgens und abends durch die Dämmerung rollt. Genau in dieser Dämmerungszeit sind auch die Wildtiere besonders aktiv.

Vor allem auf Landstraßen ist die Gefahr erhöht, dass Tiere, die die Straße überqueren wollen, nicht schnell genug erkannt werden. Aber nicht nur im Wald, auch in Waldesnähe sowie entlang unübersichtlicher Feldränder und Hecken ist mit Wildtieren zu rechnen. Achten Sie auch auf Straßenabschnitte mit Warnschildern, die auf vermehrten Wildwechsel hinweisen.

Enorme Aufprallkraft

Der Deutsche Jagdverband empfiehlt den Autofahrern, besonders aufmerksam und mit gedrosselter Geschwindigkeit in Gebieten mit Wild zu fahren. Der Grund: Je höher die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, desto höher ist das Verletzungsrisiko bei einem Wildunfall. Wenn ein Auto mit 60 Stundenkilometern gegen ein Wildschwein fährt, entwickelt sich ein Aufprallgewicht von 3,5 Tonnen, was einem ausgewachsenen Nashorn entspricht.

Tipps zur Vermeidung von Wildunfällen - Ab 80 km/h wird es gefährlich

  • Beim Durchfahren eines Waldstückes immer damit rechnen, dass Wild die Fahrbahn kreuzt, besonders in der Dämmerung.
  • Die Verkehrszeichen „Wildwechsel“ werden nur dort aufgestellt, wo sich schon regelmäßig Wildunfälle ereignet haben und sollten unbedingt durch besondere Aufmerksamkeit und angepasste Geschwindigkeit beachtet werden.
  • Überquert ein Wildtier die Fahrbahn, können weitere Tiere folgen. Bei Schwarzwild kommt dies besonders häufig vor.
  • Steht Wild an oder auf der Straße: Abblenden, kontrolliert abbremsen und hupen. Fernlicht ist deshalb auszuschalten, da es die Tiere irritiert. Dadurch verlieren sie die Orientierung und laufen auf der Straße weiter, statt die Fahrbahn zu verlassen.
  • Erscheint Wild unvermittelt vor dem Auto auf der Straße, Lenkrad festhalten und bremsen. Ein kontrollierter Zusammenstoß ist besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver.

Was tun nach einem Wildunfall?

Wildunfälle sind immer anzeigepflichtig, zugleich ist es verboten die toten Tiere mitzunehmen. Es ist strafbar und wird als Wilderei geahndet.

Bei einem Wildunfall ist Folgendes zu beachten:

  • Warnung des nachfolgenden Verkehrs / Absichern der Unfallstelle (Warndreieck, Warnblinker)
  • Versorgung von Verletzten / Notruf
  • Verständigung der Polizei, der Feuerwehr oder des Jagdpächters (§ 3 Abs. 2 Hessisches Jagdgesetz), da sonst eine Ordnungswidrigkeit begangen wird.
  • Kann die Polizei nicht zum Unfallort kommen und ist das Auto noch fahrbereit, ist es hilfreich, vor der Weiterfahrt die Unfallstelle zu markieren (Kreidepfeil, aufgehängte Plastiktüte oder Ähnliches).
  • Ist ein verletztes Tier geflüchtet: Auf keinen Fall hinterher gehen! Die markierte Unfallstelle zeigt an, wo das Wild in den Wald geflüchtet ist. Speziell ausgebildete Hunde werden zur Suche auf das verletzte Tier eingesetzt.
  • Wenn gefahrlos möglich, totes Tier an den Straßenrand befördern, allerdings wegen der Infektionsgefahr nur mit Handschuhen.
  • Ein verletztes Tier nicht anfassen, sondern Abstand halten, da es auskeilen oder auch mit Tollwut infiziert sein kann.

Wichtig: Verlassen Sie die Unfallstelle nicht, bis die Rettungskräfte oder der Jagdausübungsberechtigte eingetroffen sind. Teilen Sie beim Anruf den Rettungskräften auch den Zustand des Tieres mit. Damit schließen Sie aus, dass das Tier womöglich stundenlang unversorgt an der Unfallstelle liegen bleibt. Versichern Sie sich, dass wirklich jemand in angemessener Zeit an der Unfallstelle eintrifft.

App zum Melden von Wildunfällen

Der Deutsche Jagdverband empfiehlt die App „Tierfund-Kataster“(Android, iOS). Sie soll dabei helfen, Wildunfälle und andere Totfunde über das Smartphone zu erfassen. Ziel ist es, die Daten zu Fundorten und Tierarten zu erfassen, um so potentielle Gefahrenstellen ausfindig zu machen. Langfristig könnten entschärfte Gefahrenstellen die Wildunfälle reduzieren. Die Erfassung über die App ersetzt allerdings nicht die Anzeigepflicht bei Polizei, Feuerwehr oder Jagdpächter!

(Stand: Oktober 2018)