Worauf ist beim Wechsel auf Sommerreifen zu achten?

Auch in Zeiten von Corona ist der Wechsel von Winter- auf Sommerbereifung bald fällig. Zu beachten ist, dass Reifencenter und Werkstätten ihre Servicezeiten situationsbedingt kurzfristig ändern. Spezielle Reifenwechsel-Samstage werden teilweise abgesagt. Worauf sollten Autobesitzer ansonsten achten, weshalb sollten die Räder stets ausgewuchtet werden, und wie lagert man die Winterreifen am besten ein?

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Reifenwechsel Sommerreifen

Geänderte Servicezeiten aufgrund "Corona" beachten

Wer seine Sommerräder eingelagert hat, wird möglicherweise vom Reifenhändler oder der Werkstatt angeschrieben und darauf hingewiesen, dass sich Servicezeiten situationsbedingt geändert haben. Spezielle Reifenwechsel-Samstage werden teilweise abgesagt. Nicht selten werden Kunden zugleich auf unzureichendes Profil oder Überalterung ihrer Sommerreifen hingewiesen. Auch wenn die Räder zu Hause eingelagert waren, sollte man sicherheitshalber die Reifen auf mögliche Schäden und die Profiltiefe prüfen. Defekte Reifen sowie Pneus mit einer Profiltiefe von unter drei Millimetern gehören nicht mehr aufs Fahrzeug sondern sollten ersetzt werden.

Mit neuen Reifen gut unterwegs

Besonderheit: Allradfahrzeuge

Für Allradfahrzeuge wie SUV gilt eine Besonderheit: Selbst wenn die Profiltiefe der einzelnen Reifen für sich betrachtet noch ausreichend erscheint kann trotzdem eine Neubeschaffung des gesamten Reifensatzes notwendig werden. Warum ist das so? Allradgetriebene Fahrzeuge besitzen ein Bauteil, das die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterrädern regelt: das Verteilergetriebe. Sind nun die Reifen unterschiedlich abgefahren, haben sie auch einen unterschiedlichen Durchmesser. Dadurch drehen sich die Räder mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, was das Verteilergetriebe permanent auszugleichen versucht. Das führt dann dazu, dass dieses Bauteil schneller verschleißt und schlimmstenfalls komplett ausfällt. Dann ist eine mehrere Tausend Euro teure Reparatur fällig.

Je nach Fahrzeughersteller wird bei Profiltiefenunterschieden von etwa zwei Millimetern der Austausch des gesamten Reifensatzes empfohlen. Wer dem insbesondere während der Garantie- beziehungsweise Gewährleistungszeit nicht Folge leistet, bleibt im Schadensfall unter Umständen auf den Reparaturkosten sitzen. Das gilt auch für den Fall, dass durch eine Reifenpanne ein Reifen nicht mehr zu gebrauchen ist und der Ersatzreifen über zwei Millimeter mehr Profil hat als die restlichen Reifen. In jedem Fall ist ein neuer Satz Reifen günstiger als ein neues Verteilergetriebe.

Alte Reifen bergen Sicherheitsrisiken

Reifen, die zehn Jahre alt oder älter sind, verlieren aufgrund der Materialalterung ihre Elastizität und Fahreigenschaften, weshalb sie sicherheitshalber ausgetauscht werden sollten. Die vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke des Reifens verrät das Produktionsdatum. Beispiel: DOT 4610 bedeutet, dass der Reifen in der 46. Kalenderwoche des Jahres 2010 produziert wurde. Auch einseitig abgefahrene Reifen sind nicht mehr zu gebrauchen. In diesem Fall sollte man auch die Fahrwerksgeometrie (Spur und Sturz) prüfen und gegebenenfalls einstellen lassen.

Welche Reifen soll ich kaufen?

Qualität steht beim Reifenkauf an erster Stelle, denn nicht wenige vermeintliche Schnäppchen entpuppen sich bei Reifentests immer wieder als minderwertig. Insbesondere billige No-Name-Produkte aus Fernost konnten in Tests bislang nicht wirklich überzeugen. Billige Reifen haben häufig schlechtere Fahr- und Bremseigenschaften, und/oder sie sind laut oder verschleißen frühzeitig.

Es müssen jedoch auch nicht immer die teuersten Premium-Reifen sein. Je nach Fahrzeugmodell und -einsatz sind auch Reifen aus dem mittleren Preissegment durchaus empfehlenswert. Vor dem Kauf empfiehlt es sich jedenfalls, die aktuellen Tests der Automobilclubs und Autozeitschriften anzusehen oder sich im qualifizierten Fachhandel beraten zu lassen.

Sommer- oder Ganzjahresreifen?

Angesichts des Klimawandels stellt sich die Frage, ob es nicht ausreicht, Allwetterreifen aufzuziehen und sich dadurch die Anschaffung von zwei Radsätzen und den zweimal jährlich fälligen Räderwechsel zu sparen. Die früher von fast allen Experten geschmähten Ganzjahresreifen sind inzwischen zwar deutlich besser geworden. Dennoch stellen sie stets einen Kompromiss dar. Denn weder erreichen sie bei höheren Temperaturen die kurzen Bremswege und die Fahreigenschaften von Sommerreifen noch die für extremes Winterwetter erforderliche Tauglichkeit von speziellen Winterreifen. Und auch was den Spritverbrauch angeht, sind die Allwetterpneus vor allem im Sommer ihren spezialisierten Konkurrenten unterlegen. Allenfalls für Fahrzeuge die wenig und/oder im Kurzstreckenbetrieb gefahren werden, können Ganzjahresreifen eine Alternative sein. Zu beachten ist, dass für einige, insbesondere leistungsstärkere Fahrzeug der Betrieb mit Allwetterreifen nicht zulässig ist. Auskunft darüber gibt der Fahrzeugschein beziehungsweise die Betriebsanleitung des Fahrzeugs, die Werkstatt oder der Reifenhändler.

Wuchten lassen

Nach der Vorjahressaison und der anschließenden langen Winterpause ist es sinnvoll, die Räder bei einem Reifenfachbetrieb oder in der Kfz-Werkstatt auswuchten zu lassen. Selbst kleine Unwuchten, die beispielsweise durch stärkere Bremsmanöver sowie Überfahren von Bordsteinkanten entstanden sind, können eine schädliche Wirkung an der Radaufhängung oder am Fahrwerk entfalten und auf Dauer vorzeitigen Verschleiß und damit teure Reparaturen verursachen. Insofern lohnt sich diese Mehrausgabe.

Von hinten nach vorne und von links nach rechts?

Grundsätzlich gilt: Die besten Räder gehören auf die Hinterachse, unabhängig von der Antriebsart. Und keinesfalls sollten beim Achsentausch die Räder von links nach rechts getauscht werden, damit die Laufrichtung erhalten bleibt. Bei laufrichtungsgebundenen Reifen ist dies ohnehin zwingend erforderlich. Auf diese Weise nutzen sich die Reifen gleichmäßig ab und sollten bei Bedarf gleichzeitig ersetzt werden.

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft?

Bei der (Selbst-)Montage gilt es das richtige Drehmoment zu beachten, sonst drohen entweder Schäden durch zu festes Anziehen der Radmuttern, oder letztere können sich bei zu schwachem Anziehen schlimmstenfalls lösen. Richtiges Werkzeug wie ein Drehmomentschlüssel ist deshalb von Nöten. Das korrekte Drehmoment ist in der Regel in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs nachzulesen. Wer sich mit der Rädermontage nicht auskennt, nicht das passende Werkzeug hat oder auf der sicheren Seite sein will, lässt die Räder vom Fachmann montieren.

Damit man sicher unterwegs ist, die Reifen nicht vorzeitig verschleißen und das Auto nicht unnötig Sprit verbraucht, muss der Luftdruck kontrolliert und auf den richtigen Wert eingestellt werden. Diesen findet man entweder in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs oder auf einem Aufkleber, der häufig an der Innenseite des Türholmes oder am Tankdeckel zu finden ist. (ack)

Stand: März 2020