Smartphone App - Grüne Welle für Fahrradfahrer

Die Städte und Kommunen diskutieren, wie sich mehr Autofahrer zum Umstieg aufs Fahrrad bewegen lassen. Helfen könnte dabei bald eine Smartphone App, die eine grüne Welle für Radler verspricht. In der mittelhessischen Universitätsstadt Marburg wird das System weltweit erstmalig getestet.

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Fahrradfahrer

Mit einer Smartphone App die Ampelanlagen steuern, das ist schwer vorstellbar, ist aber neuerdings Realität. Die kostenlose Smartphone App „Sitraffic Bike“ macht dies möglich. Entwickelt wurde die App von der Firma Siemens. Mit der Anwendung soll es möglich sein, auf bestimmten Strecken die Ampeln für Radfahrer im richtigen Moment auf Grün zu schalten. "Diese Technik wird schon von Bussen genutzt", sagt Projektleiter Michael Düsterwald in München.

Wo kann man die App benutzen?

Die App wurde seit 2016 in Marburg getestet und wird nun auf den Markt gebracht. In Marburg gibt es auf 700 Metern durchgängig markierte Radverkehrswege mit verkehrsabhängig koordinierten Ampelschaltungen. Insgesamt wurden sieben Ampelanlagen umgerüstet. Denn das System funktioniert nicht mit jeder Ampel. Städte und Gemeinden müssen die Signalanlagen so einrichten, dass diese mit der "SiBike" App auf dem iPhone oder Android-Gerät kommunizieren können.

Aktuell gibt es noch keine Nachahmer. Ob schon bald weitere hessische Städte darauf setzen, ist noch offen.

Wie funktioniert die App?

Rund 60 Meter vor einer Ampel gibt es einen so genannten virtuellen Anmelder. Nähert sich ein Fahrradfahrer mit der aktivierten SiBike-App, erkennt die App die Fahrtrichtung und die Geschwindigkeit des Fahrrads und übermittelt die Daten an den Verkehrsrechner. Diese erkennt über GPS den Standort und sendet den Befehl an die Fahrradampel. Wenn es die Situation zulässt, schaltet die Apel direkt oder zumindest bis zu sechs Sekunden früher als für die Autos auf Grün –"Das geht alles automatisch und in Blitzgeschwindigkeit", sagt Düsterwald.

Die App ist sowohl für das Betriebssystem iOS von Apple, als auch für das Betriebssystem Android von Google entwickelt worden.

Tempo für grüne Welle

Auf das Tempo kommt es an: Wer bei mehreren Ampeln hintereinander bei Grün durchrauschen will, muss eine bestimmte Geschwindigkeit einhalten, die von der Stadt festgelegt wurde, etwa 18 bis 20 Stundenkilometer. Erst dann ist eine grüne Welle möglich.

Was bedeutet das für die Autofahrer?

Für die Autofahrer bedeutet das Wartezeit, wenn auch nur wenige Sekunden mehr. Denn das Grün wird nur einmal verlängert. Wer zu spät kommt, muss warten, bis die Ampel wieder umschaltet. "Die Fahrradfahrer profitieren mehr, als die Autofahrer an negativen Einflüssen erfahren", sagt Düsterwald. Außerdem könne die App den Städten helfen, den Fahrradverkehr durch die grüne Welle auf gewisse Straßen zu lenken, weg von gefährlichen Strecken.

Stand: Juli 2018