Sicheres Fahren nur mit Gurt

Ob als Fahrer oder auf dem Rücksitz - das Anschnallen im Auto sollte selbstverständlich sein. Ist es aber nicht, obwohl das Risiko, bei einem Unfall verletzt oder gar getötet zu werden, ohne Gurt deutlich höher ist. Manchmal verzichten auch Eltern auf die richtige Sicherung ihres Kindes im Auto und gefährden dadurch deren Gesundheit.

RS10100_Junge im Autokindersitz liest Buch © bilderbox - Fotolia.com_.jpg

Kind sitzt im Kindersitz

Die Pflicht, sich in Deutschland beim Autofahren anzuschnallen, besteht seit 40 Jahren. Anfangs gab es wegen der Gurtpflicht viele Proteste. Dementsprechend musste viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, Autofahrer und Fahrer von Nutzfahrzeugen zu überzeugen. Doch erst die gesetzlich eingeführte Bestrafung für das Fahren ohne angelegten Sicherheitsgurt im Jahr 1984 brachte den gewünschten Erfolg, denn dadurch stieg die Anschnallquote um 30 Prozent auf 90 Prozent.

Anschnallen rettet Leben

In Deutschland war im Jahr 2014 durchschnittlich jeder fünfte bei einem Unfall getötete Autoinsasse nicht angeschnallt. Nach Angaben des Europäische Rates für Verkehrssicherheit waren von den 1900 Personen, die im Jahre 2013 auf europäischen Autobahnen tödlich verunglückten, mehr als 60 Prozent nicht angeschnallt.

Mancher empfindet den angelegten Gurt als unangenehm und benutzt ihn deshalb nicht. Ein weiterer Grund für das Nichtanschnallen ist die falsche Annahme mancher Autofahrer, dass das Anlegen des Sicherheitsgurtes aufgrund der immer besser werdenden Sicherheitstechnik im Auto nicht mehr so wichtig ist.

Anschnallpflicht auch für die Rücksitze

Zunächst bestand die Gurtpflicht zunächst nur für die Insassen auf den vorderen Sitzen. Doch seit dem 1984 müssen auch die Mitfahrer auf den Rücksitzen sich anschnallen. Bis heute ist jedoch die Anschnallquote auf den Rücksitzen am geringsten.
 

Manche Mitfahrer meinen, dass man bei Unfällen hinten sicherer aufgehoben sei. Wer glaubt, sich innerorts bei niedrigen Geschwindigkeiten notfalls mit den Armen abstützen zu können, irrt gewaltig. So wirken bei einem Aufprall bei einer Geschwindigkeit von nur 14 Stundenkilometern Kräfte auf den Mitfahrer ein, die dem Achtfachen des eigenen Körpergewichts entsprechen. Dies kann kein Mensch abfangen.

Anschnallpflicht auch beim Halten an der Ampel

Das Anlegen des Gurtes ist nicht nur während der Fahrt vorgeschrieben, sondern auch bei verkehrsbedingtem Halten. Wird vor Ampeln oder Stoppschildern das Auto zum Stehen gebracht, so bedeutet dies nicht das Ende der Autofahrt und somit darf der Gurt nicht geöffnet werden. Löst ein Autofahrer zum Beispiel beim Stehen an einer roten Ampel den Gurt und es kommt zu Verletzungen des Fahrers durch ein auffahrendes Auto, so trägt der nicht angeschnallte Fahrer des stehenden Autos eine Mitschuld (BGH, Az.: VI ZR 411/99).

Anschnallpflicht bei Busreisen

In Bussen besteht eine Anschnallpflicht, auf die der Busfahrer nicht hinweisen muss. Schnallt ein Fahrgast sich nicht an und er verletzt sich, so trägt er eine Mitschuld. In einem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm wurde die Mithaftungsquote mit 30 Prozent beziffert.

Kinder häufig unzureichend oder nicht gesichert

Für Kinder bis zwölf Jahren bzw. unter 1,50 Meter besteht eine Anschnallpflicht in geeigneten Rückhaltesystemen.

Wenn Eltern ihre Kinder zu Kindergarten, Schule oder zum Sport bringen, stehen sie häufig unter Zeitdruck. Dann muss alles schnell gehen und folglich wird das Kind falsch oder auch gar nicht gesichert nach dem Motto „Es wird schon nichts passieren. Ich fahre ja nicht schnell und es ist nur eine kurze Strecke“. Dies ist nach Angaben des Auto Club Europa (ACE) eine fatale Fehleinschätzung, denn ungesicherte Kinder haben ein siebenfach höheres Risiko, sich bei Unfällen schwer oder sogar tödlich zu verletzen. Laut statistischem Bundesamt verunglückten im Jahr 2014 10.675 Kinder bei Straßenverkehrsunfällen beim Mitfahren im Auto; 26 von ihnen starben.

Häufige Fehler, die bei der Kindersicherung gemacht werden, sind:

  • die Babyschale ist auf dem Beifahrersitz platziert, obwohl der Airbag noch aktiviert ist
  • das Kind ist im Kindersitz angeschnallt, der Kindersitz jedoch nur lose auf die Rückbank gestellt

Voraussetzung für eine sichere Fahrt von Kindern ist, dass die Bedienungsanleitungen vom Auto und vom Kindersitz beachtet werden. Weiterhin gilt:

  • Der Kindersitz muss der Gewichtsgruppe des Kindes angepasst sein.
  • Babyschalen nur entgegen der Fahrtrichtung platzieren.
  • Verzicht auf dicke Kleidung, da dadurch der korrekte Gurtverlauf erschwert wird. Der ACE rät deshalb, an kalten Tagen das Kind lieber ohne Winterjacke in den Kindersitz setzen und dafür mit einer Wolldecke zudecken.

Wer ein Kind ungesichert im Auto mitnimmt und erwischt wird, muss dafür ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro zahlen. Zudem erhält er einen Punkt in der Sünderkartei. Fahren mehrere Kinder ungesichert mit, erhöht sich das Bußgeld auf 70 Euro. Ein Verwarnungsgeld in Höhe von 30 Euro ist zu zahlen, wenn Kinder nicht vorschriftsmäßig gesichert sind zum Beispiel bei einer fehlenden Sitzerhöhung.

Gibt es eine Befreiung von der Anschnallpflicht?

Die Gurtpflicht ist in Deutschland in der Straßenverkehrsverordnung verankert. Es gibt nur wenige Ausnahmeregelungen:

  • Haus-zu-Haus-Verkehr
    Beim Ausliefern von Briefen oder Paketen besteht keine Gurtpflicht, wenn die Auslieferungsstellen sehr nahe beieinander liegen.
     
  • Fahren mit Schrittgeschwindigkeit
    Beim Fahren mit Schrittgeschwindigkeit - zum Beispiel beim Rangieren auf einem Parkplatz – besteht keine Gurtpflicht. Bei der Auslegung dieser Ausnahme von der Gurtpflicht sollte man aber vorsichtig sein. So bleibt die Gurtpflicht beim Suchen einer Parklücke auf einem großen Parkplatz ebenso bestehen wie auf der Autobahn beim Stop-and-Go-Verkehr.
     
  • Antrag mit ärztlichem Attest
    Die Straßenverkehrsbehörde kann nach Antrag auf eine Gurtpflichtbefreiung, dem ein ärztliches Attest beigefügt sein sollte, in Ausnahmesituationen eine entsprechende Genehmigung erteilen. Dieser Genehmigungsbescheid ist beim Fahren immer mitzuführen.
    Eine Schwangerschaft ist in der Regel kein Grund für eine Gurtpflichtbefreiung. Auch wenn das Anlegen des Gurtes für manche Frau während der Schwangerschaft als etwas unangenehm empfunden wird, so ist das Risiko, bei einem Unfall ohne Gurt schwerer verletzt zu werden, deutlich höher.


Gurt vorschriftsmäßig anlegen

Als „angelegt“ gilt der Gurt nur, wenn er vorschriftsmäßig über Schulter und Bauch gespannt ist. Ist das Gurtschloss eingerastet, der Gurt jedoch unter dem Arm durchgeführt, muss man bei einer Kontrolle mit Bußgeld rechnen. Auch ist das Verletzungsrisiko bei falsch angelegtem Gurt nicht zu unterschätzen.

Stand: August 2016