Premiumkraftstoffe: Wundermittel oder überflüssig?

Shell V-Power, Aral Ultimate und andere mehr – an den Tankstellen werben die Mineralölkonzerne mit Premiumtreibstoffen, die mit Zusatzstoffen versetzt sind. Doch bringen diese teuren Wundermittel wirklich mehr Leistung und einen geringeren Verbrauch?

RS10215_Tankstelle © Wolfram Zummach - Fotolia.com .jpg

Tankstelle

Die Premiumkraftstoffe sind teilweise bis zu 20 Cent pro Liter teurer als herkömmliche Treibstoffe. Die Hersteller werben mit bis zu zehn Prozent mehr Leistung und ein um fünf Prozent höheres Drehmoment, und das bei einem geringeren Spritverbrauch. Sie sollen außerdem einige Eigenschaften wie Klopffestigkeit, Fließverhalten und die Verbrennung verbessern. Zu guter Letzt besitzen die Kraftstoffe eine reinigende Wirkung und sollen den Motor von Ölschlämmen befreien. Die Additive in flüssiger Form geben die Mineralölfirmen in ihren Raffinerien oder in Kraftstoff-Zwischenlagern bei.

Motoren sind für genormte Kraftstoffe entwickelt

Wenig von den teuren Sorten hält Constantin Hack: "Wer viel Geld ausgeben möchte, kann dies für den Premiumsprit machen, notwendig ist das aber nicht", so der Technik-Experte vom Auto Club Europa (ACE). "Um es klar zu sagen: Der Motor braucht keine 'Zahnreinigung durch Additive'". Motoren seien für genormten Sprit entwickelt. "Die Aufschläge sind in der Regel rausgeworfenes Geld". Die Normen lauten EN 590 für Diesel, DIN EN 228 für Benzin und DIN EN 589 für Autogas. Daneben gibt es Anforderungen an Kraftstoffe von Autoherstellern, welche die Worldwide Fuel Charter (WWFC) zusammenfasst. Vielmehr ist scheinbar die psychologische Wirkung beim Fahrer, dem Fahrzeug etwas Gutes zu tun, deutlich stärker als die technische beim Fahrzeug.

Ist eine höhere Oktanzahl besser?

Die Oktanzahl ist das Maß für die sogenannte Klopffestigkeit und damit für die Verbrennungsqualität von Kraftstoffen. Während Kraftstoffsorten wie Super oder Super Plus über 95 bzw. 98 Oktan verfügen, haben Premiumkraftstoffe wie Shell V-Power oder Aral Ultimate mindestens 100 Oktan. Je niedriger die Oktanzahl, umso früher kann es zu ungewollten Selbstzündungen des Kraftstoffes kommen. Vor diesem Hintergrund bieten die teuren Spritsorten also einen Vorteil. Allerdings können die meisten Motoren diesen nicht nutzen, da sie lediglich für eine Klopffestigkeit von 95 bis 98 Oktan ausgelegt sind. Für welche Oktanzahl Ihr Motor ausgelegt ist, steht in Ihrem Handbuch des Autos oder im Tankdeckel.

Gibt es auch für Diesel-Motoren Premiumkraftstoff?

Auch für Diesel-Motoren werden die Premiumkraftstoffe angeboten. Hierbei spielt allerdings die Cetanzahl (CZ) eine Rolle. Die CZ beschreibt die Zündwilligkeit von Dieselkraftstoff. Je höher diese ist, desto leichter entzündet sich der Kraftstoff von selbst, desto sauberer wird die Verbrennung. In Deutschland liegt die Cetanzahl bei Diesel bei 51 CZ, bei Super-Diesel bei 55 und bei Premium-Kraftstoffen bei bis zu 60 CZ.

TÜV Rheinland rät von Premiumkraftstoff ab / ADAC empfiehlt Spritspartraining

Thorsten Rechtien, Sachverständiger beim TÜV Rheinland, rät vom täglichen Gebrauch der teuren Kraftstoffe ab. „Das sind werbewirksame Kraftstoffe, die für den Alltag keinen großen Vorteil bringen“, so Rechtien. Wer dennoch Treibstoff sparen will,  kann auf seine eigenen Fahrgewohnheiten achten. Hierbei gibt es ein überraschend hohes Sprit-Sparpotenzial. Vertiefen und optimieren lässt sich das im "Spritspar-Training" des ADAC. Unter der Anleitung erfahrener Trainer lässt sich hierbei die eigene Fahrweise optimieren. Ob in Ihrer Gegend eine solche Schulung angeboten wird, erfahren Sie über die regionalen Clubs des ADAC.

Stand: Juni 2018