Ob „smart“ oder nicht: Ein Fahrradhelm kann Leben retten!

Ein Fahrradhelm kann bei einem Unfall ein Lebensretter sein. Neben einfachen Modellen gibt es mittlerweile auch Helme, die sich mit dem Smartphone verbinden können und neben auffallender Beleuchtung auch für kabelloses Unterhaltung sorgen können. Worauf kommt es tatsächlich an beim Helmkauf?

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Fahrradhelm hängt am Lenker

Neuer Trend: Smarte Fahrradhelme

Nicht nur Handys, Kaffeemaschinen oder Fernseher können mittlerweile mit dem Smartphone gekoppelt werden, sondern auch Fahrradhelme. So dient der Helm ab jetzt nicht nur als lebenswichtiger Kopfschutz bei Fahrradunfällen, sondern auch zum Telefonieren, Navigieren oder Musik hören. Außerdem kann der smarte Helm bei einem Unfall automatisch einen Notruf absetzen.

Zusätzlich sind die smarten Helme mit LED-Leuchten und –blinkern ausgestattet. Manche Helme weisen zudem in den integrierten Rücklichtern Beschleunigungsmesser auf, die knallrot aufleuchten, wenn man langsamer wird. Einige Anbieter bieten zudem eine integrierte Helmkamera an, mit der Videos und Fotos von der Radtour aufgenommen und durch einen eingebauten WiFi-Modus direkt an die sozialen Netzwerke verschickt werden können.

Der smarte Helm muss an die Steckdose

Bedienen lässt sich der Helm zum Beispiel über eine integrierte Knopfleiste oder über eine Fernsteuerung am Lenker. Durch die Verbindung des Helms mit dem Smartphone kann Musik abgespielt oder Sprachnachrichten in Messengerdiensten verschickt werden. Wer zusätzlich eine Smartwatch besitzt, kann hierüber und mittels der Armbewegung den Blinker im Helm setzen.

Der smarte Fahrradhelm ist akkubetrieben. Nach zehn Stunden in Betrieb muss er an der Steckdose aufgeladen werden.

Schnickschnack oder tatsächlich mehr Sicherheit?

Erstmal klingen die vielen Funktionen der Helme beeindruckend. Gerade die zusätzliche Beleuchtung durch die LEDs macht den Radfahrer in der Dämmerung und im Dunkeln sichtbarer.

Auch dass der Helm bei Unfällen einen Notruf absetzt, kann praktisch sein, besonders für Radtouren in unbelebteren Gegenden.

Das Tragen von Kopfhörern oder Headsets im Straßenverkehr in Deutschland ist nicht verboten, solange das Gehör des Nutzers nicht beeinträchtigt wird. Wichtige Warnsignale wie ein Martinshorn oder eine Hupe müssen vernommen werden und Kopfhörer und Musik dürfen nicht vom Verkehrsgeschehen, wie etwa einem herannahenden Auto ablenken (§23 (1) der Straßenverkehrsordnung).
Während viele Ohrstöpsel oder Kopfhörer bereits sehr schnell Umgebungsgeräusche unterdrücken, lassen die integrierten Lautsprecher in den smarten Fahrradhelmen je nach Hersteller diese trotz Musik oder Telefonat sogar zu.

Dennoch bleibt fraglich, ob die vielen Funktionen dieser Helme nicht auch vom eigentlichen Verkehrsgeschehen ablenken und eventuell das Unfallrisiko erhöhen können.

Fazit

Die Verwendung eines Fahrradhelms ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, auch wenn es keine Helmpflicht fürs Fahrradfahren gibt. Zudem sollte, trotz Helmkamera, Sprachnachrichten und Musik, ein sachgemäßer Umgang mit derlei Ausstattungen und eine aufmerksame Teilnahme im Straßenverkehr immer die höchste Priorität haben!

Darauf sollten Sie generell beim Kauf von Fahrradhelmen achten

  • Kauf und Beratung im Fachhandel: Wer sich einen Fahrradhelm zulegen möchte, dem ist der Besuch in einem Fachhandel zu empfehlen. Hier kann man verschiedene Helme testen und sie sich von geschultem Personal richtig einstellen lassen. Nehmen Sie sich auf jeden Fall Zeit bei der Helmwahl.
  • Anprobieren: Bevor die Fahrradtour losgeht, sollten die Helme unbedingt einige Minuten anprobiert werden. Dabei sollte der Helm bequem am Kopf sitzen, die Stirn bedecken und nicht drücken. Mittlerweile lassen sich viele Helme individuell an die jeweilige Kopfform anpassen. Ein gut sitzender Helm bleibt auf dem Kopf sitzen, wenn man mit ihm wackelt. Mitgelieferte Wechselpolster können zusätzlich den Kopf vor Druckstellen schützen.
  • Kinngurte müssen sitzen: Bei den Kinngurten und Helmverschlüssen gibt es unterschiedliche Modelle, wie etwa einen Klick-Verschluss, ein magnetisches Einrasten oder Karabiner. Wichtig ist, dass die Gurtbänder von vorn über der Schläfe und seitlich vom Hinterkopf einen Winkel bilden und die Winkelspitze direkt unter dem Ohr liegt. Der Kinnriemen sollte dann, ohne unangenehm zu sein, unter dem Kinn verschlossen werden. Passt irgendwo etwas noch nicht, können die Gurte über Verstellschnallen in der Länge noch variiert werden.
  • Belüftung: Gerade im Sommer ist ein Helm mit Lüftungsschlitzen angenehm, ansonsten kann es schnell ganz schön heiß um den Kopf werden und im schlimmsten Fall droht ein Hitzestau.
  • Sichtbar sein: Fahrradhelme sollten selbst reflektierend sein oder aber mit Reflektoren und bestenfalls einem LED-Rücklicht ausgestattet sein. Generell sind Helme mit hellen und auffälligen Farben natürlich besser in der Dämmerung zu erkennen. Ganz nebenbei heizen sich helle Fahrradhelme nicht so stark im Sommer von der Sonne auf, wie dunklere.
  • Siegel geben Klarheit: Achten Sie beim Kauf auf das Prüfzeichen mit der Europanorm DIN EN 1078 (CE) mit dem TÜV und GS Siegel. Diese Helme unterliegen den grundlegenden Sicherheitsanforderungen. Weisen Helme diese Prüfzeichen nicht auf, sollten Sie besser die Finger von dem Kauf lassen!
  • Auch Helme haben Verfallsdaten: Auf den Helmverpackungen muss ein Verfalls- und ein Produktionsdatum stehen, da das Material mit der Zeit ermüden kann. Dieses sollte nicht überschritten sein. In der Regel halten die Helme etwa fünf Jahre. Ist diese Zeit abgelaufen, sollte der Helm erneuert werden. Auch wenn man kaum Beschädigungen erkennen kann, können kleinste, fast unsichtbare Risse die Sicherheit, die der Helm bietet, stark einschränken.
  • Besser nicht gebraucht kaufen: Da man nicht weiß, wie der Helm behandelt wurde oder ob der Helm bereits einen Sturz abgefangen hat, sollte man vom Kauf gebrauchter Helme besser absehen.

Die Deutsche Verkehrswacht erklärt in einfachen Schritten, wie ein Fahrradhelm richtig eingestellt wird.

Bei einem Sturz: Helm unbedingt austauschen

Kommt es zu einem Fahrradsturz mit dem Helm, sollte dieser immer sofort ausgetauscht werden, egal wie alt er ist und ob das Verfallsdatum erreicht ist. Dies gilt auch, wenn man äußerlich keine Schäden erkennen kann. (Sie)

Stand: September 2019