Neues Unfallmeldesystem steckt im Zigarettenanzünder

Ein neues automatisches Notrufsystem wird jetzt von den Kfz-Versicherern angeboten. Das meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Das System – Unfall-Meldedienst (UMD) genannt - erkennt eine Kollision und überträgt die Daten an eine Notrufzentrale, die sofortige Hilfsmaßnahmen einleitet.

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Unfallmeldestecker Fahrzeugcockpit Unfallmeldedienst

Wie funktioniert der Unfallmeldedienst?

Das Notrufsystem besteht aus einem elektronischen Bauteil in Form eines Steckers, der in den Zigarettenanzünder des Autos gesteckt wird, und aus einer auf dem Smartphone installierten App. Stecker und Smartphone müssen über Bluetooth miteinander verbunden sein. Registriert die Elektronik über entsprechende Sensoren eine unfalltypische negative Beschleunigung, werden Daten über die Schwere des Unfalls, Standort, Fahrtrichtung und Kfz-Kennzeichen an eine Notrufzentrale verschlüsselt übertragen. Diese löst die notwendigen Rettungsmaßnahmen aus. Das Smartphone kann praktischerweise über eine am UMD-Stecker befindliche USB-Buchse während der Fahrt aufgeladen werden.

Für welche Fahrzeuge ist das System geeignet?

Der Unfall-Meldedienst ist für jedes mit einem Zigarettenanzünder oder einer entsprechenden 12-Volt-Bordsteckdose ausgerüstete Fahrzeug geeignet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Neuwagen oder um ein Gebrauchtfahrzeug handelt.

Wodurch unterscheidet sich der UMD vom E-Call?

Ab 2018 muss in allen in der EU neu zugelassenen Fahrzeugen das so genannte E-Call-System – ebenfalls ein Unfallmeldesystem – verbaut sein. E-Call ist im Gegensatz zu UMD fest mit der Bordelektronik des Autos verbunden. Das ausschließlich in Neuwagen verbaute E-Call registriert neben eventuellen Unfällen auch weitere Vorkommnisse und Informationen, beispielsweise die Route, die Fahrzeuggeschwindigkeit sowie verschiedene Fahrmanöver des Fahrers und weitere Daten. Bei einem Unfall kann die alarmierte Notrufzentrale über das im Auto verbaute Audiosystem eine Sprechverbindung zu den Fahrzeuginsassen herstellen.

UMD ist ein mobiles System und unabhängig von Fahrzeugtyp und Fahrzeugtechnik. Es wird nicht von der Automobilindustrie, sondern von den Kfz-Versicherern angeboten und vertrieben. UMD wird nicht mit der übrigen Fahrzeugelektronik verbunden und ist darauf angewiesen, dass das Smartphone betriebsbereit und die Bluetoothfunktion aktiviert ist. Vorteilhaft ist, dass es bereits jetzt für alle Fahrzeuge und nicht erst in zwei Jahren nur in Neuwagen zur Verfügung steht. Der Unfallmeldedienst wird technisch von der GDV Dienstleistungs-GmbH & Co. KG (GDV DL) betrieben.

Sowohl E-Call als auch UMD stellen selbsttätig bei einem Unfall die Verbindung mit einer Notrufzentrale her. Beide Systeme erlauben auch einen manuell ausgelösten Kontakt mit einer Notrufzentrale, beispielsweise, um diese bei einem Blechschaden oder einer Fahrzeugpanne zu informieren.

Nach Angaben des GDV zeichnet das UMD nur die letzten drei vom Smartphone ermittelten Positionsdaten auf, wobei ältere Daten vom System kontinuierlich überschrieben werden. Gesendet werden die Daten nur im Falle eines Unfalls oder bei einem manuell ausgelösten Kontakt mit der Notrufzentrale.

Wo bekommt man das UMD und was kostet es?

An dem Unfallmeldedienst werden sich nach Angaben des GDV zahlreiche Kfz-Versicherer beteiligen. Die Preise für Hardware und Service erfragen Sie bitte bei Ihrem jeweiligen Versicherungsunternehmen. Den UMD-Stecker erhalten Sie dort auf Antrag.

Nach Informationen der VerbraucherFenster-Redaktion händigen einige Versicherer ihren Vertragskunden den Stecker kostenlos aus. Als jährliche Gebühr für die Nutzung wurden ca. zehn Euro genannt.