Mehr Wildunfälle durch Zeitumstellung

Mit der Umstellung auf die Winterzeit Ende Oktober erhöht sich das Risiko für Wildunfälle. Ein Zusammenstoß mit Hirsch, Reh oder Wildschwein ist gefährlich. Kollidiert ein Fahrzeug bei Tempo 60 mit einem Wildschwein, entsteht ein Aufprallgewicht von 3,5 Tonnen – so viel wiegt ein Nashorn. Wie lassen sich Wildunfälle vermeiden? Wissen Sie, ob Ihre Versicherung einen Wildunfall bezahlt?

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Reh am Waldrand

Wildunfälle sind keine Seltenheit: Alle zweieinhalb Minuten passiert auf deutschen Straßen ein Wildunfall mit Reh, Hirsch oder Wildschwein.

Viele Wildunfälle mit Personenschaden

In Deutschland verunglückten 3.054 Menschen im Jahr 2015 auf den Straßen bei Wildunfällen. Dies sind 200 Menschen mehr als im Vorjahr. Jährlich endet für mehr als 200.000 Rehe, Hirsche und Wildschweine die Kollision mit einem Fahrzeug tödlich. Der Schaden, der durch die Teil- und Vollkaskoversicherung  jährlich zu begleichen ist, beträgt über eine halbe Milliarde Euro.

In Hessen ist die Zahl der Verkehrsunfälle in 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 4.719 auf 135.625 angestiegen. 244 Menschen kamen dabei ums Leben. Nach Angaben der Polizei sind zwei Drittel des Anstiegs der Verkehrsunfälle durch zusätzliche Unfälle durch Wild verursacht worden, was vermutlich an der größeren Population von Wildschweinen liegt. Wildschweine sind anpassungsfähige Allesfresser und finden in den Getreidefeldern ideale Lebensbedingungen. Die milden und kurzen Winter der letzten Jahre begünstigen ihre Vermehrung.

Wildunfälle vor allem in den Monaten März und April sowie Oktober und November

In den Monaten März und April sowie Oktober und November ist die Zahl der Wildunfälle erfahrungsgemäß besonders hoch, da dann der Berufsverkehr morgens und abends durch die Dämmerung rollt und gerade in der Dämmerung sind die Tiere besonders aktiv. Zudem sind die Tiere im Frühjahr nach der winterlich bedingten kargen Fressphase verstärkt auf Nahrungssuche.

Vor allem auf Landstraßen ist die Gefahr erhöht, dass Tiere, die die Straße überqueren wollen, nicht schnell genug erkannt werden. Aber nicht nur im Wald, auch in Waldesnähe sowie entlang unübersichtlicher Feldränder und Hecken ist mit Wildtieren zu rechnen. Auch in Straßenabschnitten mit Warnschildern, die auf vermehrten Wildwechsel hinweisen, kann plötzlich ein Reh oder Wildschwein auftauchen.
 

Ein Wildschwein wird zum Nashorn

Der Deutsche Jagdverband empfiehlt den Autofahrern, besonders aufmerksam und mit gedrosselter Geschwindigkeit in Gebieten mit Wild zu fahren. Der Grund: Je höher die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, desto höher ist das Verletzungsrisiko bei einem Wildunfall. Wenn ein Auto mit 60 Stundenkilometern gegen ein Wildschwein fährt, entwickelt sich ein Aufprallgewicht von 3,5 Tonnen, was einem ausgewachsenen Nashorn entspricht. Beim Rothirsch sind es sogar fünf Tonnen - so viel wiegt ein Elefant.

Tipps zur Vermeidung von Wildunfällen - Ab 80 km/h wird´s gefährlich

  • Beim Durchfahren eines Waldstückes immer damit rechnen, dass Wild die Fahrbahn kreuzt, besonders in der Dämmerung.
     
  • Angepasste Geschwindigkeit:
    Die Verkehrszeichen „Wildwechsel“ werden nur dort aufgestellt, wo sich schon regelmäßig Wildunfälle ereignet haben und sollten unbedingt durch besondere Aufmerksamkeit und angepasste Geschwindigkeit beachtet werden. Besonders im Wald und an unübersichtlichen Wald-Feld-Rändern: Fuß vom Gas. Bei Tempo 80 statt 100 verkürzt sich der Bremsweg bereits um 35 Meter.
     
  • Überquert ein Wildtier die Fahrbahn, können insbesondere bei Schwarzwild weitere Tiere folgen.
     
  • Steht Wild an oder auf der Straße: abblenden, kontrolliert abbremsen und hupen. Außerdem: Fernlicht ausschalten. Scheinwerferlicht irritiert die Tiere, sie verlieren die Orientierung.
     
  • Erscheint Wild unvermittelt vor dem Auto auf der Straße, Lenkrad festhalten und bremsen. Ein kontrollierter Zusammenstoß ist besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver. Baumunfälle oder Zusammenstöße mit dem Gegenverkehr enden schnell tödlich.

Was tun nach einem Wildunfall? -  Wildunfälle sind anzeigenpflichtig!

Tote Tiere mitzunehmen ist strafbar und wird als Wilderei geahndet. Entsprechend ist eine Geld- oder Haftstrafe fällig oder es wird sogar das Fahrzeug beschlagnahmt.

Bei einem Wildunfall ist Folgendes zu beachten:

  1. Warnung des nachfolgenden Verkehrs / Absichern der Unfallstelle (Warndreieck, Warnblinker)
     
  2. Versorgung von Verletzten / Notruf
     
  3. Verständigung der Polizei, der Feuerwehr oder des Jagdpächters (§ 3 Abs. 2 Hessisches Jagdgesetz), da sonst eine Ordnungswidrigkeit begangen wird. Kann die Polizei nicht zum Unfallort kommen und ist das Auto noch fahrbereit, ist es hilfreich, vor der Weiterfahrt die Unfallstelle zu markieren (Kreidepfeil, aufgehängte Plastiktüte oder Ähnliches).
     
  4. Ist ein verletztes Tier geflüchtet: auf keinen Fall hinterher gehen! Die markierte Unfallstelle zeigt an, wo das Wild in den Wald geflüchtet ist. Speziell ausgebildete Hunde werden zur Suche auf das verletzte Tier eingesetzt.
     
  5. Wenn gefahrlos möglich, totes Tier an den Straßenrand befördern.
     
  6. Ein verletztes Tier nicht anfassen, sondern Abstand halten, da es auskeilen oder auch mit Tollwut infiziert sein kann. Nicht mit der Taschenlampe anleuchten, denn dadurch erleidet das Tier nur zusätzlichen Stress. Zudem versuchen die Tiere sich durch Flucht oder Angriff den menschlichen Annäherungen zu erwehren, was eine weitere Verletzungsgefahr für Mensch und Tier bedeutet.

Wichtig:
Verlassen Sie die Unfallstelle nicht bis die Rettungskräfte oder der Jagdausübungsberechtigte wirklich eingetroffen sind. Teilen Sie beim Anruf den Rettungskräften auch den Zustand des Tieres mitt. Damit schließen Sie aus, dass das Tier womöglich stundenlang unversorgt an der Unfallstelle liegen bleibt. Sollte auch nach einer halben Stunde noch niemand am Unfallort eingetroffen sein, rufen Sie nochmals bei den Rettungskräften an. Versichern Sie sich, dass wirklich jemand in angemessener Zeit an der Unfallstelle eintrifft. 

Kostenerstattung bei Wildunfällen

  • Wildunfall melden
    Die Teil- oder Vollkaskoversicherung kommt in der Regel für den durch einen Wildunfall verursachten Schaden auf. Um Probleme bei der Schadensregelung zu vermeiden, ist der Wildunfall unverzüglich bei der Polizei oder der Forstbehörde zu melden, ebenso bei der Versicherung.
     
  • Wildschadensbescheinigung ausstellen lassen
    Für die Schadensregulierung mit der Versicherung ist eine Wildschadensbescheinigung erforderlich, die von der Polizei oder der Forstbehörde ausgestellt werden. Nur bei Kleinschäden kann darauf verzichtet werden.
     
  • Haarwild oder Federwild
    Die Teilkaskoversicherung übernimmt in der Regel die Kosten für Schäden am Fahrzeug, die durch einen Zusammenstoß mit Haarwild entstanden sind. Zum Haarwild gehören Wildtiere wie Reh, Hirsch, Wildschwein, Fuchs oder Hase. Unfälle mit Federwild wie Fasan oder Rebhühner sind dagegen nicht bei allen Versicherungen abgedeckt.

    Es gibt aber auch Versicherungen, die einen Versicherungsschutz für Unfälle mit sämtlichen Tieren anbieten. Hier besteht dann auch Schadensersatz bei Unfällen mit Ziegen oder Pferde.

    Aufgrund der Vielzahl der Teilkasko-Tarife ist also bei einem Unfall mit einem Tier ein Blick in die eigene Versicherungspolice nötig. Bei „Teilkasko-light“-Versionen besteht möglicherweise kein Versicherungsschutz bei Unfällen mit Haarwild bzw. sind Zusatzbeiträge nötig.
     
  • Schäden durch Ausweich- oder Bremsmanöver
    Entsteht bei einem Wildunfall bei einem Ausweichversuch, also ohne direkten Kontakt mit dem Wildtier, ein Schaden am Auto, so übernimmt die Teilkaskoversicherung als so genannte "Rettungskosten" den Schaden. Der geschädigte Autofahrer muss dann den Nachweis erbringen, dass Wild auf der Fahrbahn bzw. Fahrbahnrand war und damit eine unmittelbare Gefahr eines Zusammenstoßes mit dem Fahrzeug bestanden hat. Hierfür ist es gut, Zeugen benennen zu können oder Fotos vom Schadensort zu haben. Auch Hinweise auf das Wild wie Haare oder Blutreste sind hilfreich.

    Wichtig ist auch, dass das Ausweich- oder Bremsmanöver objektiv sinnvoll gewesen ist. So ist bei kleineren Tieren wie Hase oder Marder ein selbstgefährdendes Ausweichen nicht zulässig.

    Wer nicht nachweisen kann, dass der Schaden am Fahrzeug durch den Zusammenprall mit Wild oder infolge eines Ausweich- oder Bremsmanövers passiert ist, reguliert den Schaden über die Vollkaskoversicherung. Dies hat allerdings zur Folge, dass eine Rückstufung in eine ungünstigere Schadensfreiheitsklasse erfolgt. Deshalb sollte man bei Klein- oder Bagatellschäden vorher durchrechnen, ob sich eine Schadensanzeige bei der Versicherung überhaupt lohnt. 

Stand: Oktober 2016