Kalte Luft mit Keimen?

Nicht jeder mag Klimaanlagen, auch wenn sie an heißen Tagen für kühle Luft im Auto, Büro oder Kaufhaus sorgen. Ihnen wird angelastet, durch trockene Luft und dem Verbreiten von Keimen den Menschen krank zu machen. Stimmt das? Wie lässt sich ein Temperaturschock vermeiden?

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Klimaanlage im Auto

Temperaturschock vermeiden

Der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenluft sollte nicht mehr als sechs Grad betragen, da sonst der Kreislauf zu sehr belastet wird. Deshalb sollte auch an heißen Sommertagen die Klimaanlage nicht zu kalt eingestellt werden. Etwa 21 bis 23 Grad sind ausreichend. Dies ist auch ein guter Kompromiss zwischen Wohlfühlfaktor und Wirtschaftlichkeit, denn wenn die Klimaanlage auf vollen Touren läuft, nimmt der Kraftstoffverbrauch zu.

Wird der Kreislauf einem zu großen Temperatursprung zwischen drinnen und draußen ausgesetzt, verengen sich die Blutgefäße bei Kälte und weiten sich bei Hitze. Der Blutdruck sinkt. Ein gesunder Körper verkraftet einen Temperaturwechsel eher, doch bei geschwächten oder älteren Menschen sowie bei Menschen mit Herzproblemen kann der Kreislauf auch kollabieren.

Relative Luftfeuchtigkeit bei 40 bis 50 Prozent

Klimaanlagen machen die Luft nicht nur kälter, sondern auch trockener. Häufig ist die Raumluft dann trockener als erwünscht. Empfohlen wird eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent. Eine zu trockene Luft führt zu unangenehmen Effekten wie elektrostatische Aufladung oder erhöhter Staubkonzentration.

Viele Menschen empfinden die Luft in Flugzeugen als zu trocken, denn hier beträgt die relative Luftfeuchtigkeit oft nur zehn bis fünfzehn Prozent.

Gesundheitliche Folgen

Schlecht eingestellte und schlecht gewartete Klimaanlagen können die Gesundheit nachteilig beeinflussen:

  • Höheres Erkältungsrisiko
    Der ständige Luftzug erhöht das Risiko für eine Erkältung, da dadurch der Hals und damit auch die Rachenschleimhaut abkühlen. Viren und Bakterien haben dann bessere Lebensbedingungen, vermehren sich und lösen eine Erkältung aus.
     
  • Brennende Augen
    Die durch die Klimaanlage verursachte trockene Raumluft führt auch zu einem Austrocknen der Augenbindehaut.
     
  • „Steifer Hals“
    Trifft die kühle Temperatur direkt auf unbedeckte Körperstellen wie den Hals, so reagieren die Thermorezeptoren der Hauf oft falsch. Dadurch wird die Hautdurchblutung nicht erhöht und als Gegenreaktion verspannt sich die Muskulatur.

Keimbelastung durch Klimaanlagen?

Wird eine Klimaanlage nicht oder falsch gewartet, können sich auf den Filtern Schimmelpilze und Bakterien ansiedeln und vermehren. Durch den Betrieb der Klimaanlage werden sie dann in der Raumluft verteilt. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann dies zu schweren Lungenkrankheiten führen.

Ist ein modriger Geruch in der Raumluft riechbar, kann dies auf einen Befall der Klimaanlage mit Schimmeln hinweisen. Liegt ein Pilzbefall in der Autoklimaanlage vor, ist vor allem direkt nach dem Start ein modriger Geruch wahrzunehmen. Spätestens dann sollte eine Desinfektion durchgeführt werden, um in der Klimaanlage den Pilzbefall zu entfernen.

Auch bevor ein modriger Geruch in der Luft ist, können schon Schimmelpilze vorhanden sein. Bei empfindlichen Menschen kann dies zu einer allergischen Reaktion führen. Symptome hierfür sind beispielsweise Husten, Niesreiz, Augentränen oder gar ein Asthmaanfall, was beim Autofahren sehr hinderlich ist und gefährliche Folgen haben kann. Zusätzlich kann es zu gesundheitlichen Beschwerden durch die Feinstaubkonzentration aus der Klimaanlage kommen, die eine chronische Bronchitis auslösen können.

Klimaanlage regelmäßig warten

Klimaanlagen mit Pollen- bzw. Aktivkohlefilter kühlen nicht nur die Luft, sie reinigen auch die Luft, die in das Auto bzw. in den Raum strömt. Dies funktioniert aber nur bei einem einwandfreien, sauberen Filtersystem. Deshalb sollten die Filter regelmäßig gewechselt werden.

Pollenfilter werden normalerweise einmal pro Jahr gewechselt. Für Allergiker wird empfohlen, den Pollenfilter zweimal im Jahr, nämlich zu Beginn des Frühlings und zu Beginn des Herbstes, zu wechseln. Der Grund hierfür ist, dass am Ende der Pollensaison der Filter voll beladen ist und ohne Wechsel er sonst den ganzen Winter bis zum Frühjahr vor sich hin gammeln würde.

Beim Wechsel des Filters sollte auch gleich die Filterumgebung mit gereinigt werden. Der Grund ist, dass beim Austausch des Filters an diesem gerüttelt wird und dadurch Staub in die Filterumgebung fällt. Diese gilt es vor dem Einsetzen des neuen Filters zu entfernen.

Wird eine Klimaanlage nicht regelmäßig benötigt, sollte sie dennoch immer mal wieder für ein paar Minuten eingeschaltet werden, damit die Bauteile der Anlage stets gut geschmiert bleiben.

Einen kompletten Check der Klimaanlage im Auto ist alle zwei Jahre nötig. Dabei ist auch zu überprüfen, ob die Kühlleistung nachlässt. Ist dies der Fall, deutet dies auf einen Kältemittelverlust hin. Die Anlage muss dann von einem Fachmann auf Dichtigkeit hin überprüft und der Füllstand kontrolliert werden.

Tipps bei Nutzung von Klimaanlagen

Allgemein:

  • Da bei zu trockener Luft die Haut schneller austrocknet, empfiehlt es sich, zarte oder unbedeckte Haut wie Gesicht, Hals, Dekolleté und die Unterarme gut einzucremen. Für die Nasenschleimhaut gibt es in der Apotheke spezielle Nasensalben.
     
  • Bei Wechsel von der heißen Außentemperatur in die kühle Raumtemperatur von Gebäuden können empfindlich reagierende Menschen einen Schal oder eine leichte Jacke anziehen.
     
  • Augentropfen und Nasenspray helfen, die Schleimhäute feucht zu halten.
     
  • Wenn möglich, sollte man sich nicht direkt in den Luftzug der Klimaanlage setzen.
     
  • Wichtig ist auch viel zu trinken, da dadurch das Austrocknen der Schleimhäute vermindert wird.

Auto:

  • Es ist besser, den kalten Luftstrom nicht direkt auf die verschwitzte Haut zu lenken, da sonst eine Erkältung riskiert wird.
     
  • Empfehlenswert ist auch, die Klimaanlage drei bis fünf Minuten vor Fahrtende auszuschalten. So kann sich die Innentemperatur wieder etwas der Außentemperatur annähern und der Körper wird nach Verlassen des Autos keinem so großen Temperaturschock ausgesetzt.
     
  • Ein weiterer Vorteil des Ausschaltens der Klimaanlange kurz vor Fahrtende ist auch, dass dann der Fahrtwind die Restfeuchtigkeit im Bereich des Verdampfers und der Leitungen abtrocknet, so dass Keime keine Chance haben. Voraussetzung hierfür ist, dass das Gebläse weiterläuft.

Stand: Juli 2016