Headset und Kopfhörer - Ohren auf im Straßenverkehr

Die Headset- und Kopfhörernutzung im Straßenverkehr ist allgegenwärtig. Doch durch das Telefonieren oder Musikhören können wichtige Warnsignale überhört werden. Laut Straßenverkehrsordnung darf das Gehör nicht beeinträchtigt werden.

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Frau auf Fahrrad mit Kopfhörer

Immer öfter sieht man auf den Straßen Fahrradfahrer oder Autofahrer mit Kopfhörern und immer wieder wird behauptet, dass das Musikhören auf dem Fahrrad nicht erlaubt sei. Doch das ist eine Falschmeldung. Das heißt aber nicht, dass Radfahrer nichts zu befürchten hätten. Ordnungshüter führen regelmäßige Kontrollen durch. Wird ein Verkehrsteilnehmer erwischt, der extrem laut Musik hört, droht ein Bußgeld in Höhe von zehn Euro – und zwar ganz unabhängig davon, ob er einen Unfall provozieren könnte oder nicht.

Hohes Unfallrisiko

Unfallforscherin Stefanie Ritter, von der deutschen Prüfgesellschaft DEKRA, warnt: „Wer Kopfhörer oder Headset im Straßenverkehr nutzt, läuft Gefahr, wichtige Warnsignale zu überhören und vom Verkehrsgeschehen abgelenkt zu werden. Damit geht er ein hohes Unfallrisiko ein.“ Ritter weiter: „Wir brauchen nicht nur die optischen, sondern auch die akustischen Signale und Informationen, um uns sicher im Straßenverkehr zu bewegen.“

Besonders gefährlich im Straßenverkehr sind Kopfhörer mit „Noise-Cancelling (dt. Geräuschunterdrückung). Sie dämpfen die Umgebungsgeräusche im besten Fall ähnlich wirksam ab wie Ohrenstöpsel. Mit dieser beliebten Funktion werden allerdings auch wichtige Warnsignale ausgeblendet:, Ein hupendes Auto, das Klingeln einer Straßenbahn, die Klingel eines Radfahrers oder der Warnruf eines Fußgängers.

Warnsignale müssen hörbar sein

Das Tragen von Kopfhörern oder Headsets im Straßenverkehr ist in  Deutschland nicht grundsätzlich verboten. Der Nutzer hat allerdings laut §23 (1) der Straßenverkehrsordnung dafür zu sorgen, dass das Gehör nicht beeinträchtigt wird. In Umkehrfolge bedeutet das, wenn Kopfhörer oder Headset das Gehör beeinträchtigen, sind sie nicht erlaubt. Ob das der Fall ist, muss letztlich im Einzelfall entschieden werden.

Tatsache ist: Wer etwa das Martinshorn von Polizei oder Feuerwehr nicht hört, muss mit einem Bußgeld von zehn Euro rechnen. Ist man dagegen in einen Unfall verwickelt, kann es deutlich teurer werden. Der Unfallgegner und die Richter können versuchen, dem Nutzer durch das Tragen des Kopfhörers eine Mitschuld am Unfall anzulasten. Möglich ist auch, dass die eigene Haftpflichtversicherung wegen grober Fahrlässigkeit ihre Leistungen kürzt.

Ähnliche Regelungen wie in Deutschland gibt es in Österreich und in der Schweiz. In Frankreich dagegen droht jedem Fahrer von Auto, Motorrad oder Fahrrad ein Bußgeld von 135 Euro, wenn er mit Kopfhörer oder Knopf im Ohr ertappt wird. Auch in Spanien ist das Tragen eines Kopfhörers für Fahrer untersagt. In Portugal darf nur ein Ohr beschallt werden.

Fazit: Nicht nur Augen auf im Straßenverkehr – auch Ohren auf!

Stand: August 2018