Günstiges Öl aus dem Internet – Motorkiller oder vollwertige Alternative?

Welcher Autofahrer kennt das nicht: das Auto war zur Inspektion in der Werkstatt, und die fällige Rechnung sorgt für einen Anstieg des Blutdrucks, denn alleine der Materialpreis für den Ölwechsel schlug mit deutlich über 100 Euro zu Buche. Viele fragen sich spätestens dann: muss es eigentlich immer dieses teure Öl sein, das die Werkstatt einfüllt? Kann man nicht auch billigeres Motoröl verwenden bzw. Motoröl im Internet billiger bestellen und zum Ölwechsel mitbringen? Was ist mit der Qualität?

Automechaniker_Motorraum Gabriele Abu-Dayeh - Fotolia.de_.jpg

Automechatroniker misst Werte im Motorraum eines Autos

Motoröl zu Discount-Preisen

Ein Blick ins Internet verrät zweierlei: Erstens kosten so genannte „No-Name-Produkte" zum Teil nur Bruchteile dessen was für ein teures Marken-Öl fällig ist. Zweitens: Selbst Marken-Öle, die von der Werkstatt verwendet werden, bekommt man bei Internet-Händlern zu deutlich günstigeren Konditionen. Während ein Liter des kostbaren Saftes in der Vertragswerkstatt schon mal 30 Euro kosten kann, erhält man dasselbe Produkt im Internethandel für weniger als die Hälfte des Preises. Stellt sich nur die Frage: macht man ein Schnäppchen, oder riskiert man mit dem Billig-Öl gar einen teuren Motorschaden?

Die Zeitschrift „auto-motor-sport" hat 2013 einige der günstigen No-Name-Produkte der gängigen Viskositätsklasse 5W-30 untersuchen lassen und festgestellt, dass sie überwiegend der Qualität der Markenware entsprechen. Es ist jedoch sicherheitshalber beim Kauf der Öle darauf zu achten, so die Empfehlung, dass die Spezifikationen und Freigaben für das jeweilige Fahrzeug (Auskunft gibt die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs oder die Fachwerkstatt) auf den Etiketten der Packungen aufgedruckt sind.

Spezifikationen und Freigaben

Exemplarisch für viele andere Spezifikationen seien hier nur einige genannt: BMW LL 04, ACEA C3, MB 229.52, VW 506.00, Opel GM Dexos 2, Renault RN 0710 usw..  Sind auf den Öldosen und –kanistern hingegen verklausulierte Versprechungen wie "entspricht den Freigaben…" usw. aufgedruckt, ist es eher unwahrscheinlich, dass eine Freigabe des Herstellers vorliegt. Zwar können diese Öle nach den Vorgaben der Fahrzeughersteller produziert worden sein, überprüft und freigegeben wurden sie von ihnen jedoch nicht. Auch Qualitätsschwankungen sind bei diesen Produkten nicht ausgeschlossen. Kommt es im schlimmsten Fall zu einem Motorschaden bei ihrem Fahrzeug, verlieren Verbraucher möglicherweise bestehende Gewährleistungs-, Garantie und Kulanzansprüche, denn Autohersteller können anhand einer Analyse des Öls feststellen, ob Abweichungen zu den Freigaben und Spezifikationen vorliegen.

Und wie ist das mit den Markenprodukten…sind die günstigen Öle aus dem Internet genauso gut wie jene aus der Werkstatt?

Es handelt sich bei den im Internethandel vertriebenen Motorölen um ein- und dasselbe Markenprodukt – allerdings können Chargen darunter sein, die bereits Monate oder etwa ein Jahr vor der Bestellung produziert wurden. Erkennen können Sie dies am aufgedruckten Herstellungsdatum. Da Motoröl (je nach Herstellerangaben) eine recht lange Haltbarkeit von drei bis fünf Jahren hat, stellt dies normalerweise kein Problem dar. Denn in der Regel kauft man Motoröl nicht auf Vorrat. Voraussetzung für die lange Haltbarkeit ist, dass das Gebinde original verschlossen ist, nicht unter + 5°C und nicht über + 30°C gelagert und währenddessen keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird.

Bereits geöffneten Behälter sollten Sie im Übrigen möglichst innerhalb eines halben Jahres verbrauchen. Der Grund ist, dass Motoröl durch den Kontakt mit der Außenluft und der Luftfeuchtigkeit schneller altert und damit die Wirkung der enthaltenen Zusätze (Additive) verringert wird.

Darf ich mein eigenes Öl zum Ölwechsel in der Werkstatt mitbringen?

Ja, in aller Regel schon. Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass Ihnen eine Entsorgungspauschale für das Altöl in Rechnung gestellt wird. Dies ist aber im Vergleich zur Ersparnis ein zu verschmerzender Betrag.

Fazit: Günstiges Motoröl – egal ob beim Internethändler oder im konventionellen Handel erworben - schadet Ihrem Auto normalerweise nicht, sofern Sie die Vorschriften des Herstellers bezüglich der Freigaben und Spezifikationen beachten und das Öl nicht überlagert ist.

Stand: März 2015