Erhöhtes Risiko durch Laub, Regen und Nebel

Der Herbst bietet für Autofahrer wettermäßig unliebsame Überraschungen wie Nieselregen, Sturm und Frost. Auch nasses Laub und dichter Nebel fordern jetzt volle Aufmerksamkeit von den Autofahrern. Mit welchen weiteren Tücken müssen Sie jetzt rechnen? Wie kommen Sie sicher ans Ziel?

Autos mit Licht Lichttest Stefan Körber - Fotolia.com_.jpg

Entgegenkommendes Auto mit blendenden Scheinwerfern und Rücklicht eines Autos

Verschmutzte Fahrbahnen, Laub und Nebel: Im Herbst lauern viele Gefahren auf der Straße, die in den Sommermonaten so nicht vorhanden sind. Die Fachleute des TÜV Hessens zeigen die Risiken auf und erläutern, wie man ohne Rutschpartie durch den Herbst kommt.

Laub – erhöhte Rutschgefahr

Nasses Laub ist ähnlich rutschig wie Erde und Schnee. Taucht plötzlich ein Hindernis auf oder staut sich hinter einer Kurve der Verkehr, muss stark gebremst werden, um Schlimmeres zu verhindern. Dabei ist zu beachten, dass der Bremsweg bei nasser Fahrbahn länger ist  als auf trockener. Zudem kann es sein, dass Laub möglicherweise andere Risiken wie Schlaglöcher oder Steine verdeckt. Verringerte Geschwindigkeit ist deshalb für ein sicheres Fahren notwendig.

Erde – kann glatt wie Schnee sein

Im Herbst ist vermehrt mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf den Landstraßen zu rechnen. Vom Feld auf die Straße verschleppte Ackererde kann insbesondere bei Feuchtigkeit eine Fahrbahn in eine Rutschbahn verwandeln. „Nasse Erde kann genauso glatt sein wie eine schneebedeckte Fahrbahn“, sagt Uwe Herrmann vom TÜV Hessen. Bei beiden Untergründen haben die Reifen nur noch etwa ein Fünftel der Haftung im Vergleich zu trockenem Asphalt. Während viele Autofahrer jedoch bei Schnee recht vorsichtig fahren, wird die Geschwindigkeit auf verschmutzten Straßen kaum angepasst.

Regen - Aquaplaning und Schmierfilm

Bei Regen zu fahren macht keinen Spaß. In den Herbstmonaten allerdings noch weniger, vor allem durch die längere Dunkelheit. Nicht nur mit Aquaplaning ist zu rechnen, sondern auch mit einem Schmierfilm auf der Straße, der diese rutschig macht. Der Schmierfilm entsteht, wenn es nach längeren Trockenperioden regnet und das Wasser sich mit dem Gemisch aus Straßenstaub, Reifenabrieb und anderen Verschmutzungen verbindet.

Bei Regen ist eine gute Sicht besonders wichtig, weshalb die Scheibe sowie die Scheibenwischer gründlich gesäubert werden müssen. Scheibenwischer, die dennoch nicht mehr streifenfrei säubern, sind auszutauschen.

Nebel – maximal 50 km/h bei Sichtweite unter 50 Meter

In den Herbstmonaten ist mit Nebel zu rechnen, vor allem in Talsenken und in der Nähe von Flüssen und Seen. Nebel ruft bei Autofahrern sehr unterschiedliche Reaktionen hervor: Manche bremsen gleich ängstlich, andere fahren unbeschwert weiter, einige schalten das Fernlicht oder die Nebelschlussleuchte ein und  manche fahren sogar unbeleuchtet weiter. Die Folge ist, dass zu wenig Abstand, eine zu hohe Geschwindigkeit, falsche Beleuchtung oder auch eine Selbstüberschätzung zu gefährlichen Verkehrssituationen und Unfällen führen können.

Bei Nebel heißt es langsam fahren. Dies ist sogar gesetzlich geregelt, in Paragraph 3 der Straßenverkehrsordnung: „Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 Meter, so darf er nicht schneller als 50 km/h fahren, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. Er darf nur so schnell fahren, dass er innerhalb der übersehbaren Strecke halten kann.“ Da diese Verkehrsregel viel zu wenig beachtet wird, kommt es bei Nebel immer wieder zu größeren Verkehrsunfällen mit vielen Fahrzeugen.

Die Nebelschlussleuchte darf nur eingeschaltet werden, wenn die Sicht weniger als 50 Meter beträgt. Sind die Lichtverhältnisse besser, kann sie nämlich die Nachfahrenden blenden, denn die Nebelschlussleuchte ist bis zu 30 Mal heller als das normale Rücklicht. Beim Abschätzen der Sichtweite hilft der Abstand zwischen den Leitpfosten am Straßenrand, da diese normalerweise im Abstand von 50 Meter stehen.

Nebelscheinwerfer dürfen allerdings schon früher eingeschaltet werden, nämlich bei schlechten Sichtverhältnissen, also wenn Nebel, Schneefall oder Regen die Sicht beeinträchtigt. Bei normalen Sichtverhältnissen ist jedoch das Fahren mit Nebelscheinwerfern nicht erlaubt. Dies bedeutet, dass nach dem Durchfahren der Nebelbank, wenn die Sicht wieder besser ist, nicht vergessen werden darf, die Nebelscheinwerfer auszuschalten.

So fahren Sie gut durch den Nebel:

  • mit ausreichendem Abstand fahren
  • Geschwindigkeit maßvoll drosseln
  • Scheibenwischer einschalten
  • auf die richtige Beleuchtung achten: Abblendlicht, bei Bedarf Nebelscheinwerfer
  • bei Sichtweiten unter 50 Meter Nebelschlussleuchte einschalten
  • nicht unbegründet schlagartig bremsen, da dies den nachfolgenden Verkehr gefährdet

Übrigens:
Fernlicht ist bei Nebel meist kontraproduktiv, da die Wassertröpfchen in der Luft das Licht reflektieren und die Sicht noch schlechter wird. Besser ist es, den Scheibenwischer einzuschalten, um für klare Sicht zu sorgen, da sich der Nebel auf der Scheibe niederschlägt.

Frost – besser mit Winterreifen fahren

Da man nicht weiß, wann der erste Frost auftritt, ist es sinnvoll, das Auto rechtzeitig mit Winterreifen auszurüsten. Denn Winterreifen sind Pflicht bei Reif, Eis und Schnee. Auch die Fahrweise ist den Straßenverhältnissen anzupassen. Der TÜV Hessen empfiehlt, sich nicht zu sehr auf eine eventuell vorhandene Außentemperaturanzeige zu verlassen. Diese  unterliegt anderen Umwelteinflüssen und kann somit wesentlich niedriger als die Temperatur auf dem Asphalt sein. Bei Temperaturen unter drei Grad ist auch bei sehr trockener Witterung stets mit Glätte zu rechnen. Straßenbereiche mit erhöhtem Risiko zur Glättebildung sind vor allem Brücken, Waldschneisen und schattige Straßen.

Licht – am besten auch tagsüber

In den Herbst- und Wintermonaten mit den kürzeren Tageslichtphasen ist das Abblendlicht besonders wichtig. Der TÜV Hessen empfiehlt, generell – also auch tagsüber –  mit Licht zu fahren. Autofahrer, die überlegen, ob bei schlechter werdenden Lichtverhältnissen schon das Licht eingeschaltet werden sollte, sollten sich im Zweifel immer für das Einschalten entscheiden.

Es empfiehlt sich, regelmäßig die Beleuchtung im Auto zu kontrollieren. Dass dies notwendig ist, zeigen die jährlich im Oktober stattfindenden Lichttestwochen, die vom Deutschen Kfz-Gewerbe und der Verkehrswacht organisiert werden. Seit Jahren liegt hier die Mängelquote bei  etwa 35 Prozent.

Stand: Oktober 2016