Eine Rettungsgasse kann Leben retten!

Eine Rettungsgasse im Straßenverkehr kann im Ernstfall Leben retten. Laut einer Befragung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), an der 96 Rettungsteams aus sechs verschiedenen Bundesländern teilnahmen, verlieren in Deutschland 80 Prozent der Helfer wertvolle Zeit, weil die Rettungsgasse blockiert ist. Höchste Zeit, sich dem Thema Rettungsgasse nochmal anzunehmen.

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Rettungsgasse bei Stau auf Autobahn

Wann muss eine Rettungsgasse gebildet werden?

Eine Rettungsgasse wird gebildet, sobald der Verkehrsfluss ins Stocken gerät – die Fahrzeuge also in Schrittgeschwindigkeit fahren oder sogar stehen. Ein späteres Bilden der Rettungsgasse, wenn zum Beispiel bereits der Rettungswagen naht, funktioniert meist aufgrund des Platzmangels nicht. Dabei sind alle Autofahrer nach Paragraf 11 Abs. 2 StVO verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden:

„Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, so müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden.“

Rettungsgassen funktionieren nur, wenn alle Verkehrsteilnehmer sich an die Regelungen halten!

Wie wird die Rettungsgasse gebildet?

Bei zweispurigen Straßen: Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen weichen nach links aus, Fahrzeuge auf dem rechten Fahrstreifen weichen nach rechts aus.

Rettungsgasse auf zweispuriger Straße

Bei Straßen mit mehr als zwei Spuren wird die Rettungsgasse zwischen der ganz linken und der angrenzenden Spur gebildet. Auch hier ordnen sich die Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen weiter nach links ein und die Fahrzeuge auf dem rechten Fahrstreifen nach rechts. Diese Regelung ist noch relativ neu, denn bis 2017 wurde die Rettungsgasse in der Mitte der Straße gebildet.

Rettungsgasse auf Fahrbahn mit mehr als zwei Spuren

Des Weiteren gilt:

  • Um sich für die Rettungsgasse einzuordnen, muss- sofern man sich nicht schon in einem Stau befindet - die Geschwindigkeit verlangsamt und der Blinker in die jeweilige Richtung gesetzt werden. Um nachfolgende Fahrzeuge zu warnen, ist es sinnvoll beim Verzögern des Fahrtempos und Annähern an ein Stauende das Warnblinklicht einzuschalten.
  • Das Auto sollte parallel zur Fahrtrichtung ausgerichtet werden und das Autoheck beim Einordnen nicht in Richtung Rettungsgasse ragen.
  • Ein ausreichender Abstand zum Vordermann kann weitere Unfälle vermeiden und erlaubt dem Fahrer, auf Unvorhergesehenes reagieren zu können.
  • Die Rettungsgasse bleibt solange bestehen, bis der Verkehr wieder normal fließt.

Und was macht man an der roten Ampel?

Innerorts und an Ampelanlagen müssen Verkehrsteilnehmer an den rechten Fahrbahnrand fahren und anhalten. Dabei darf bei einer roten Ampel auch soweit über Haltelinien gefahren werden, dass das Einsatzfahrzeug vorbei kann. Wer dabei geblitzt werden sollte, notiert sich am besten Uhrzeit, Ort und wenn möglich Kennzeichen des Einsatzfahrzeuges. Kommt der Bußgeldbescheid ins Haus geflattert, kann Einspruch eingelegt werden.

Wie verhalte ich mich im Baustellenbereich?

Erhöhter Schwierigkeitsgrad besteht beim Bilden der Rettungsgasse im Baustellenbereich, da die Fahrbahnen hier bereits verengt sind. Versuchen Sie daher möglichst weit links beziehungsweise rechts zu fahren. Auch ist es sinnvoll, versetzt zu fahren und Abstände einzuhalten. In Einzelfällen kann außerdem der Mittelstreifen auf der linken oder die Standspur auf der rechten Seite befahren werden.

Darf der Standstreifen befahren werden?

Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel nach Aufforderung der Polizei oder aus Platzgründen (siehe oben) darf der Standstreifen mit benutzt werden. Andernfalls ist der Standstreifen unbedingt freizuhalten.

Wer darf die Rettungsgasse nutzen?

Die Rettungsgasse darf nur von Einsatzfahrzeugen der Polizei, Feuerwehr und Notärzten sowie von Krankenwagen und Abschleppfahrzeugen befahren werden.

Welche Strafe droht bei Missachtung der Rettungsgasse?

Seit Oktober 2017 sind die Bußgelder bei Nichtbilden einer Rettungsgasse erhöht worden – und das zu Recht. Somit wird die Missachtung nun teuer:

  • Nichtbilden einer Rettungsgasse auf einer Autobahn oder Außerortsstraße für die Durchfahrt von Polizei- oder Hilfsfahrzeugen, obwohl der Verkehr stockte: 200 Euro Bußgeld und zwei Punkte
  • mit Behinderung: 240 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot
  • mit Gefährdung: 280 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot
  • mit Sachbeschädigung: 320 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot

Stand: Oktober 2019