Eine gute Alternative zum eigenen Auto?

Das Auto bleibt der Deutschen liebstes Kind. Mit anderen teilen? Früher undenkbar – aber heute voll im Trend. Über 453.000 Autofahrer machten im Jahr 2012 laut dem Bundesverband Carsharing beim Autoteilen mit –Tendenz steigend. Wie geht das ganz praktisch – und worauf müssen Kunden achten? Das VerbraucherFenster hat die Antworten.

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Autos auf einem Parkplatz

Immer mehr Deutsche teilen sich ein Fahrzeug. Zwischen 140 Anbietern können Carsharing-Fans laut Bundesverband Carsharing mittlerweile in Deutschland wählen. Wie funktioniert die Alternative zum eigenen Auto und für wen ist Carsharing geeignet? Hier steht, wie es geht. Die Autorin weiß, worüber sie schreibt. VerbraucherFenster-Redaktionsmitglied Barbara-Maria Birke lebt in Wiesbaden und teilt sich ein Auto mit vielen anderen. 

Wie kommt man zum Auto?

Die Anbieter stellen die Autos meist an reservierten Stellplätzen bereit, die von den Kunden nach vorheriger Buchung (via Internet, Smartphone oder Telefon) oder auch spontan genutzt werden können. Abholung und Rückgabe ist rund um die Uhr möglich. Während bei manchen Anbietern die Rückgabe am Abhol-Ort erfolgen muss, bieten andere Anbieter ihren Kunden die Möglichkeit, die Autos überall im Stadtgebiet abzustellen und auch an flexiblen Standorten auszuleihen.

Für Kunden gibt es zwei Wege, um an die Autoschlüssel zu kommen: entweder hält man seine elektronische Mitgliedskarte an fest montierte Tresoren oder man hält den Chip vor ein Lesegerät an der Frontscheibe des Autos. Der Schlüssel liegt dann zum Beispiel im Handschuhfach. Häufig ist noch eine Geheimnummer in den Bordcomputer einzutippen, um an diese heranzukommen.

Für wie lange kann ich das Auto haben?

Das funktioniert ganz unterschiedlich. Die Autos können für einzelne Stunden, aber auch fürs ganze Wochenende oder länger ausgeliehen werden. Wer beispielsweise für einen Umzug auf einen bestimmten Autotyp angewiesen ist, muss frühzeitig reservieren, um das Auto dann sicher zu haben. Braucht man das Auto doch nicht, kann man stornieren – meist sogar kostenlos.

Welche Autos kann ich haben?

Die Auswahl ist – je nach Anbieter – riesengroß. Die Kunden können zwischen Klein-, Mittelklassewagen, Kombis, Transportern oder sogar Limousinen und Cabrios wählen – je nach persönlichem Bedarf oder Geschmack. Insgesamt rollen derzeit laut Angaben des Bundesverbandes Carsharing rund 12.000 Carsharing-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen.

Gibt es flächendeckend Standorte?

Leider noch nicht überall. Carsharing gibt es meist an mehreren Stationen in allen deutschen Großstädten, in den meisten mittelgroßen Städten und auch in immer mehr kleinen Orten. Neben verschiedenen privaten Anbietern, setzen auch Autohersteller und die Bahn zunehmend auf Carsharing. Die Google-Suche hilft hier weiter, um die vorhandenen Anbieter in der Heimat-Stadt zu finden. Meist liegen die Mietstationen der klassischen Carsharing-Anbieter in der Nähe von Bushaltestellen oder Bahnhöfen.

Was kostet der Spaß?

Der Kunde zahlt meist einen Monatsbeitrag, teils zusätzlich eine einmalige Aufnahmegebühr und Stunden- und Kilometerpreise für das Auto. Letztere variieren nach Fahrzeugtyp und Ausleihdauer. So zahlt man für eine 1-Stunden-Fahrt mit der XS-Klasse (z.B. Citroen C1) für 10-Kilometer-Fahrt beim Wiesbadener Anbieter „book-n-drive“ 6,60 - 7,70 Euro. Bei einem anderen, der Bahn AG-Tochter „Flinkster“, sind es zwischen 3,30 Euro und 4 Euro mit dem gleichen Autotyp.

Was ist, wenn es mal kracht oder bei einer Panne?

Bitte gleich das Handy zücken. Denn passiert ein Unfall, sollte man sofort mit dem Anbieter Kontakt aufnehmen und den Sachverhalt schildern. Meist gibt es dafür eine Hotline. In ihren Verträgen bieten die Anbieter für den Schadensfall unterschiedliche Sicherheitspakete an.

Auch technische Störungen oder sonstige Fahrbeeinträchtigungen und Schäden am Auto sollten Sie sofort dem Carsharing-Unternehmen melden. In manchen Autos mit Bordcomputer ist die Servicezentrale per Mobilfunk im Notfall direkt erreichbar.

Muss ich eigentlich auch tanken?

Diese Frage bitte an den Anbieter stellen. Denn bei vielen gilt mittlerweile: Erst wenn die Tanknadel runter ist, muss man an die Säule. Und dafür gibt es eine eigene Tankkarte, die meist im Auto liegt. Ist der Tank noch gut gefüllt, einfach das Auto am Ende wieder abstellen.

Für wen lohnt sich Carsharing wirklich?

Für Städter, die meist den öffentlichen Nahverkehr nutzen oder viel mit dem Fahrrad fahren und nur selten ein Auto brauchen. Wer am Wochenende zum Großeinkauf aufbricht, für den kann Carsharing eine günstige Alternative zu einem eigenen PKW sein. Die Stiftung Warentest ermittelte im Februar 2012 bei einer Jahreskilometerleistung von 5000 km monatliche Carsharing-Kosten von 138 Euro pro Monat, der eigene Wagen hätte 206 Euro gekostet. Auch für Menschen, die ein Auto nur gelegentlich brauchen und Spaß daran haben, unterschiedliche Autotypen zu testen, kann das Autoteilen interessant sein. Carsharing lohnt sich vor allem für die, die es komfortabel mögen. Die Firma kümmert sich um vieles, was beim Privatwagen viel kostet und Stress verursacht: Autokauf, Inspektion, Reparaturen, Reifenwechsel und Versicherung. Für diejenigen, die täglich auf das Auto angewiesen sind, bietet das Carsharing keine Alternative. 

Der VerbraucherFenster-Tipp:

Bei der Carsharing-Alternative sollte man auch schauen, wie weit die nächsten Autos von einem entfernt sind. Für Kunden auf dem Land ist Carsharing daher oft ungeeignet, da die nächste Station zu weit weg ist.


Quellen:
Test 10/2012, S. 68ff.
Finanztest, 3/2012, S. 12ff.