E-Roller: Chaotische Zustände oder zukunftstaugliches Fortbewegungsmittel?

Seit Juni 2019 sind Elektro-Stehroller im deutschen Straßenverkehr zugelassen. In vielen größeren Städten kann man die praktischen Flitzer bereits ausleihen. Doch was des einen Freud´ ist, ist des anderen Leid: Denn neben ausgelassenem Fahrspaß sorgen die klimafreundlichen Fortbewegungsmittel in Großstädten aufgrund zugeparkter Gehwege und manch rücksichtlosem Fahrverhalten für Unmut. Das muss nicht sein!

AdobeStock_274212670.jpeg

Geparkte E-Roller zum Ausleihen

Um was genau handelt es sich bei den E-Rollern?

E-Roller oder auch E-Scooter sind Tretroller, die mit einem Elektromotor betrieben werden. Auch wenn sie an klassische Roller aus Kindertagen erinnern, müssen sie nur zum Losfahren angetreten werden. Danach kann man sich einfach auf das Trittbrett stellen und muss lediglich noch den Gashebel betätigen. Das Bremsen erfolgt über Gaswegnahme oder durch Betätigung einer Hand- und Fußbremse.

Die Akkus der E-Roller können an herkömmlichen Steckdosen aufgeladen werden. Da die Roller zusammenklappbar sind, können sie leicht überall hin mitgenommen werden.

Leihen statt kaufen – so funktioniert es

Mittlerweile gibt es in immer mehr deutschen Städten die Möglichkeit, die elektrischen Roller bei verschiedenen Anbietern, zum Beispiel Voi, Lime, Tier, Bird oder Circ, auszuleihen. Dabei funktioniert die Ausleihe ähnlich wie bereits bei den Leihrädern über die jeweiligen App des Anbieters (siehe hierzu auch „Fahrräder – Besitzt du noch oder teilst du schon?“).
Hier müssen sich Interessierte zuvor registrieren, um ein Kundenkonto zu eröffnen. Um die Mietgebühren zu bezahlen, akzeptieren die meisten Anbieter bisher Kreditkarte oder PayPal. Möchte man einen Roller mieten, zeigt eine virtuelle Karte wo freie Roller abgestellt wurden und welche sich in der Nähe befinden.
Beim gewünschten Roller angekommen, muss der Nutzer den QR-Code, welcher an den E-Rollern angebracht ist, mit der App einscannen oder die darunter stehende Nummer manuell eintippen. Passt alles, wird der Roller freigeschaltet.

Der Mietpreis beläuft sich bei allen Anbietern auf einer festen Aktivierungsgebühr von einem Euro und einem Minutenpreis, welcher, je nach Anbieter und Stadt, zwischen 15 und 25 Cent liegt.

Zwar dürfen Personen ab dem 14. Lebensjahr bereits einen E-Roller fahren, das Ausleihen ist hingegen lediglich Personen ab dem 18. Lebensjahr vorbehalten.

Eigentlich eine tolle Idee, doch leider gibt es bereits Probleme

An sich klingt die Idee toll, Personen aus den Autos auf das Trittbrett zu bekommen, und so die PKW- gefluteten Städte zu entlasten. Schließlich können die E-Roller, neben Fahrrädern und dem öffentlichen Nahverkehr eine gute Alternative zum Auto darstellen. Die Möglichkeit die Roller zu leihen, macht sie zudem auch für Touristen interessant. Da sie zudem auch noch leicht zu transportieren sind, können die Fahrgeräte auch in Bahnen und Bussen problemlos transportiert werden und so zu Überbrückung von Teilstrecken genutzt werden, sofern die regionalen Verkehrsbetriebe hierzu ihr Einverständnis geben.

Leider sieht die Realität momentan etwas anders aus. So beklagen die Anwohner zum Beispiel in vielen Städten unachtsam abgestellte oder abgelegte Geräte auf Gehwegen. Dafür sind nicht nur die Nutzer verantwortlich, sondern auch die Anbieter, die die Roller nach dem nächtlichen Aufladen wieder an den unterschiedlichen Orten in der Stadt platzieren.

In einigen Städten gibt es daher mittlerweile Sperrzonen für die Geräte, etwa auf öffentlichen Grünflächen oder in touristischen Bezirken. Hier ist das Abstellen der E-Roller verboten! Diese Bereiche sind per GPS markiert und sind über die Anbieter-App als rot markierter Bereich erkennbar.

Grundsätzlich gilt für E-Roller bisher noch das gleiche, wie für Fahrräder: Sofern Passanten nicht behindert werden, dürfen die Geräte auf dem Gehweg geparkt werden.

In Berlin gibt es aber bereits die Überlegungen, zum Abstellen von Leihgeräte und privaten Fahrrädern und Rollern spezielle Flächen auszuweisen, um die Fahrzeuge gänzlich vom Gehweg zu verbannen.

Der E-Roller birgt eine Menge Fahrspaß, aber bitte an die Regeln halten!

Auch das Verhalten der Rollerfahrer im Straßenverkehr lässt mancherorts noch zu wünschen übrig. Ob Slalomfahrten zwischen den Fußgängern, eine Spritztour zu Zweit oder nach der Feier alkoholisiert auf den Roller steigen: Hier hört der Spaß dann wirklich auf! Damit es nicht zu Unfällen kommt, sollten sich Nutzer unbedingt an die Verkehrsregeln halten.

  • E-Roller bitte nicht auf Gehwegen und in Fußgängerzonen: Für E-Roller gelten die gleichen ausgewiesenen Strecken und Wege wie für Fahrräder. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn Radwege oder spezielle Fahrstreifen fehlen, dürfen Sie mit Ihrem E-Roller auch auf der Straße fahren. Auf Gehwegen sind die E-Roller hingegen nur erlaubt, wenn ein entsprechendes Zusatzschild dies kennzeichnet. Wer sich nicht dran hält, kann mit einem Bußgeld zwischen 15 und 30 Euro rechnen.
  • Nicht alkoholisiert fahren: Für E-Roller-Fahrer gelten zudem die selben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer. Ab einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille macht man sich strafbar, wenn man sich mit dem Fahrgerät in den Straßenverkehr begibt. Hier drohen ein Bußgeld von 500 Euro sowie ein Fahrverbot von einem Monat und zwei Punkte in Flensburg. Übrigens: Wer bei 0,3 Promille ein auffälliges Fahrverhalten zeigt, macht sich ebenfalls bereits strafbar. Fahrer unter dem 21. Lebensjahr und Führerscheinneulinge innerhalb der Probezeit dürfen unter Alkoholeinfluss gar nicht mehr aufs Trittbrett, hier gilt die 0,0 Promillegrenze.
  • Nur eine Person pro Roller: E-Roller sind nur für eine Person zugelassen – auch wenn man zu zweit das zugelassene Gesamtgewicht nicht überschreitet.
  • Hintereinanderfahren: Wer sich nicht daran hält und auf der Straße zu zweit oder dritt nebeneinander fährt, kann auch zur Kasse gebeten werden: Kostenpunkt 15 bis 30 Euro.
  • Abbiegen aufzeigen: Auch auf dem E-Roller gilt: Wer abbiegen möchte, muss den nachfolgenden Verkehrsteilnehmern dies ankündigen. Entweder zeigt der Fahrer durch das Handzeichen auf, in welche Richtung es gehen soll oder, so empfiehlt es ein Anbieter, mit einem Bein nach links oder rechts heraus und einem Schulterblick.
  • Nicht ohne Helm: Auch wenn es keine Pflicht ist, zur persönlichen Sicherheit ist es immer ratsam einen Helm aufzusetzen, schließlich erreichen die E-Roller Geschwindigkeiten bis zu 20 Km/h!

Bevor Sie aufs Trittbrett steigen…

Wer bisher noch nicht auf einem E-Roller stand, dem ist ein Fahrtraining zu empfehlen bevor es ab in den Straßenverkehr geht. Dies geht zum Beispiel privat auf einem leeren Supermarkt-Parkplatz oder auf einem Hinterhof. Der Anbieter Lime bietet seinen Kunden außerdem Crash-Kurse für E-Roller-Unerfahrene an. Hier sollen die Teilnehmer das richtige Verhalten auf der Straße erlernen und über die Bestandteile des Rollers aufgeklärt werden. Auch der Umgang mit dem Roller wie Lenken, Abbiegen oder eine Vollbremsung können in dem Kurs ausprobiert und geübt werden. Weitere Infos und die Termine hierzu gibt es auf der Homepage des Anbieters.

Wichtig: Das oberste Gebot im Straßenverkehr ist Rücksichtnahme und Vorsicht! Das gilt für alle Teilnehmer, vom Fußgänger, über E-Roller- oder Radfahrer bis hin zu motorisierten Fahrzeugen. Wer dies beherzigt, kann das Risiko für Unfälle und Ärger ein ganzes Stück minimieren. (Sie)

Stand: August 2019