Betrunken, Führerschein weg – was passiert eigentlich beim „Idiotentest“?

Partylaune, mit zu viel Alkohol am Steuer, in Polizeikontrolle geraten, Führerschein konfisziert. Ab 1,1 Promille ist der Führerscheinentzug durch Alkohol sicher. Bevor die Fahrerlaubnis erneut ausgestellt werden kann, ist mit einer Sperrfrist, weiteren Auflagen und einer medizinisch-psychologischen Untersuchung zu rechnen.

Frau Auto Alkohol fahren Dusan Zidar - Fotolia.com_.jpg

Frau lehnt ein Glas Rotwein ab und hält ihre Autoschlüssel hoch

Das VerbraucherFenster klärt die wichtigsten Fragen dazu mit dem Verkehrsrechtler Frank Mohr, Mitglied des Beirates der Rechtsanwälte im Bundesverband der freien Sachverständigen und Partneranwalt des KFZ-Gewerbes Hessen.

Zum Alkoholabbau

Die schlechte Nachricht zuerst: Der Alkoholabbau im Blut lässt sich nicht beeinflussen. Es gibt hierfür kein wirksames Mittel oder Methoden, denn die Hauptarbeit bei der Entgiftung, sprich rund 90 Prozent, übernimmt die Leber, und deren Arbeitstempo lässt sich eben nicht beschleunigen. Die Leber baut - gemeinsam mit Haut und Lunge - etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde ab. Für eine Blutalkoholkonzentration von 1,0 Promille braucht der Körper also mindestens 10 Stunden. Die Geschwindigkeit des Abbaus hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel vom Gewicht und vom Geschlecht der Person. Frauen und leichte Personen bauen Alkohol langsamer ab. (Quelle: BZgA)

Führerscheinentzug wegen Alkohol

Ab 1,1 Promille beginnt rechtlich die absolute Fahrunsicherheit für Kraftfahrzeuge und wird dementsprechend als Straftat geahndet, auch wenn kein Unfall oder sonstiger Schaden verursacht wird. Der Wert setzt sich aus dem Grundwert von 1,0 Promille und einem Sicherheitszuschlag von 0,1 Promille zusammen und gilt für alle Kraftfahrzeugarten.

Bei einer Verkehrskontrolle spielt es daher - anders als bei der 0,5- Promille - Grenze - keine Rolle, ob die Fahrweise des Fahrzeugführers auffällig war oder nicht.

MPU - "Idiotentest"

Bei einem Führerscheinentzug wird von der Fahrerlaubnisbehörde geprüft, ob die Gründe für den Führerscheinentzug mit der Auflage einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) durch einen Facharzt mit verkehrsmedizinischer Qualifikation verbunden sind. Die MPU wird im Volksmund auch "Idiotentest" genannt. In dem Fall muss der Fahrerlaubnisbehörde erst ein positives MPU-Gutachten vorgelegt werden, bevor der Führerschein erneut ausgestellt werden kann. Circa 100.000 Verkehrssünder müssen jährlich zur MPU. Knapp die Hälfte dieser Verkehrssünder fällt beim ersten Mal durch. Wie kommt es dazu?

Interview

Das VerbraucherFenster (VF) fragt den Gießener Fachanwalt für Verkehrsrecht, Frank Mohr:

VF:  Wer muss zur MPU?

Mohr:

1. Alkoholverstoß

  • Wer mit einem Wert von mindestens 1,6 Promille hinter dem Steuer erwischt wird, muss zur MPU. Bei Wiederholungstätern ist die Schmerzgrenze deutlich niedriger. Wer bereits mehrfach mit Alkohol im Straßenverkehr aufgefallen ist, von dem kann man schon ab 0,5 Promille eine MPU verlangen.

2. Betäubungsmittelverstoß

  • Anders als bei Alkohol herrscht bei illegalen Drogen eine Null-Toleranz-Grenze. Es gibt bei illegalen Drogen keine rechtsverbindlichen Grenzwerte, unterhalb derer man noch fahren darf. Wer trotzdem fährt, macht sich strafbar und muss zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit zur MPU.

3. Punktekonto überschritten

  • Wer seit dem 01. Mai 2014 im Verkehrszentralregister 8 Punkte angesammelt hat, verliert die Fahrerlaubnis. Um diese wieder zu bekommen, kann durch die Führerscheinstelle eine MPU verlangt werden.

VF:  Welchen Sinn hat die MPU?

Mohr:  Die medizinisch-psychologische-Untersuchung soll keine zusätzliche Strafe zum Führerscheinentzug darstellen. Sie soll dafür sorgen, dass bei Verkehrssündern individuell festgestellt werden kann, dass sie auch künftig keine erhöhte Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen.

VF:  Was passiert bei der MPU?

Mohr:  Zunächst erfolgt ein körperlicher und geistiger Leistungstest am Computer. Dabei werden Schnelligkeit, Konzentration, Genauigkeit und Durchhaltevermögen des Verkehrssünders gemessen. Bei der anschließenden medizinischen Untersuchung wird festgestellt, ob auch körperlich noch eine ausreichende Fahrtauglichkeit (Reaktionsfähigkeit etc.) vorliegt. Hier werden eventuell – je nach Anlass – auch alkohol- oder drogenspezifische Tests durchgeführt.

Der wichtigste Teil der MPU dürfte das psychologische Gespräch mit dem Verkehrssünder sein. Hier scheitern fast 50 Prozent der Verkehrssünder. Es wird in einem längeren Gespräch mit einem Psychologen versucht, eine Prognose über das zukünftige Verkehrsverhalten des Befragten zu erstellen. Wenn der Psychologe genügend positive Unterschiede zwischen dem früheren Verhalten und dem jetzigen Verhalten feststellen kann, kommt es zu einer positiven Beurteilung.

VF:  Wie teuer ist die MPU?

Mohr:  Alle Kosten der MPU hat der Verkehrssünder zu tragen. Bei zu vielen Punkten in der Verkehrssünderkartei oder Geschwindigkeitsüberschreitungen ist mit rund 350 Euro zu rechnen. Bei Alkoholdelikten über 1,6 Promille sind etwa 420 Euro zu veranschlagen. Waren Drogen oder Betäubungsmittel im Spiel, ist mit 572 Euro zu rechnen. Bei Straftaten im Straßenverkehr sowie Verstoß gegen Alkohol- und/oder Betäubungsmittelgesetze sind es schon 800 Euro. Kommen mehrere dieser genannten Vorwürfe zusammen, können sich die Kosten entsprechend erhöhen.

Auch ein Vorbereitungskurs auf die MPU kostet in der Regel mehrere hundert Euro. Fällt man durch, besteht die Möglichkeit, die MPU nach ca. sechs Monaten zu wiederholen. Hier fallen wieder die gleichen Kosten an.

VF:  Welche hilfreichen Tipps können Sie den Verkehrssündern noch geben?

Mohr:  Grundsätzlich ist zu empfehlen, einen Vorbereitungskurs bei derselben Institution zu absolvieren, bei der man auch später die MPU durchführt. Der Vorteil ist, dass der zu prüfende Verkehrssünder durch den Vorbereitungskurs dem Psychologen schon bekannt ist. Dies kann in vielen Fällen zu einer positiven Bewertung des Psychologen führen. Außerdem besteht nach erfolgreicher Teilnahme an einem Vorbereitungskurs die Möglichkeit, bei Gericht zu beantragen, den ausgesprochenen Fahrerlaubnisentzug bis zu zwei Monate zu verkürzen.

Stand: Februar 2016