Auf und davon: So schütze ich mein Fahrrad vor Diebstahl

316.857 Fahrräder wurden 2014 in Deutschland gestohlen. Allein von Mai bis August werden 45 Prozent der Räder geklaut. Fahrraddiebe nutzen jede Gelegenheit; und so ist ein kurzes Abstellen des Rades vor dem Bäcker bereits riskant. Was kann man tun, um den Diebstahl zu erschweren? Wie sichert man sein Fahrrad richtig? Welche Schlösser sind geeignet? Mit den Tipps des VerbraucherFensters haben Sie länger Freude an Ihrem Fahrrad, denn Diebe haben es damit wirklich schwer.

fahrraeder_vor_zug cd cc.jpg

Fahrräder parken vor einem Zug

Die Radsaison hat wieder begonnen. Das freut nicht nur die Radler. Auch für Fahrraddiebe herrscht Hochkonjunktur. Denn Fahrräder sind nach wie vor begehrtes Diebesgut. Schon einfache Maßnahmen wie das richtige Schloss und der Fahrradpass schützen vor Diebstahl und erhöhen die Chance, ein gestohlenes Fahrrad zurückzubekommen. Auch die individuelle Kennzeichnung des Fahrrades, die von den polizeilichen Beratungsstellen oder dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) durchgeführt wird, ist wichtig, um das Fahrrad wiederzubekommen.

Fahrräder – ein begehrtes Diebesgut

In den letzten fünf Jahren lag die Zahl der von der Polizei registrierten Fahrrad-Diebstähle bundesweit immer über 300.000 und stieg in 2014 im Vergleich zum Vorjahr mit 316.857 registrierten Diebstählen erneut an. Das sind fast 1.000 Fahrräder täglich. Die Diebe sind dabei häufig keine Einzeltäter, sondern gehören zur organisierten Bandenkriminalität.

51 % aller in Deutschland verschwundenen Fahrräder werden in den 80 größten deutschen Städten gestohlen. Am meisten Fahrräder geklaut im Jahr 2013 pro 100.000 Einwohner, nämlich 3.829, wurden in Magdeburg. Dies sind also mehr als 10 Diebstähle pro Tag. Auf den Plätzen zwei bis fünf liegen die Städte Cottbus, Münster, Göttingen und Leipzig. Am sichersten sind die Fahrräder in den Städten (mit über 100.000 Einwohnern) in Wuppertal, Pforzheim, Stuttgart, Würzburg, München und Essen abgestellt.

Betrachtet man jedoch die absolute Anzahl der gestohlenen Fahrräder, sieht die Reihenfolge etwas anders aus: Berlin nimmt dann mit mehr als 26.500 gestohlenen Rädern Platz 1 ein, gefolgt von Hamburg, Köln, Dresden und Bremen.

Die Zahlen belegen deutlich, dass beim Abstellen des Fahrrades einige Sicherheitsmaßnahmen zu beachten sind, damit kein Langfinger zuschlägt und das Rad mitnimmt:

  • Ein nicht abgeschlossenes Fahrrad kann leicht entwendet werden.
  • Billigschlösser lassen sich leicht aufknacken.
  • Ein Fahrrad, das nur abgeschlossen, aber nirgends angeschlossen ist, lässt sich auch leicht wegtragen.

Bevorzugte Plätze für Fahrraddiebstahl sind große Abstellplätze

Diebe sind besonders häufig dort unterwegs, wo viele Fahrräder abgestellt werden. Dazu gehören große Abstellplätze, zum Beispiel an Bahnhöfen, Bädern oder Sport- und Freizeiteinrichtungen.

Diebe haben es leichter, wenn Räder eng aneinander abgestellt sind, da es dann weniger auffällt, wenn sie sich an fremden Schlössern vergreifen.

Deshalb ist es - sofern möglich - besser, sein Rad gut sichtbar und einzeln abzustellen.

Wie schütze ich das Fahrrad vor Diebstahl?

Es reichen schon ganz einfache Mittel, um den Drahtesel vor Langfingern zu schützen:

  • ein geeignetes Schloss
  • das Rad und Rahmen fest an einen Gegenstand anschließen, damit es nicht weggetragen werden kann; dies gilt auch für Fahrradabstellräume
  • ausgefüllter Fahrradpass mit Angaben zur individuellen Kennzeichnung bzw. Codierung des Fahrrades.

Was ist bei der Wahl des Fahrradschlosses zu beachten?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Zeit Diebe zum Knacken eines Schlosses brauchen, desto höher ist das Risiko, dass sie mit ihren Werkzeugen bemerkt werden. An hochwertigen Schlössern vergreifen sich Diebe somit weniger bzw. brechen den Diebstahlversuch ab.

  • Ungeeignete Schlösser: Schlösser mit Zahlencode. Dünne Ketten oder (Spiral-)Kabel- und Bügelschlösser mit dünnen Bügeln sind ungeeignet, da Diebe solche "Sicherungen" ohne größeren Aufwand einfach durchschneiden können. Schlösser mit Zahlencode sind praktisch, weil man keinen Schlüssel braucht. Doch ein Test von Stiftung Warentest ergab, dass Schlösser mit Zahlencode, egal ob Kabel, Panzerkabel, Stahlbügel oder Kette, in Sekundenschnelle aufgebrochen waren. Der Preis spielte hierbei keine Rolle, denn sowohl billige als auch Markenschlösser ließen sich schnell knacken (test 04/2014).
  • Geeignete Schlösser: Schlösser mit Gewicht und Schlüssel: Empfehlenswerte Schlösser sind besonders massive Stahlketten, Bügel- oder Panzerkabelschlösser.
  • Ob ein Schloss gut und sicher ist, lässt sich optisch nicht immer leicht erkennen. Ein offensichtliches Merkmal ist aber das Gewicht. Es gilt die Faustregel: Je schwerer, desto größer ist der Schutz. Wer ein so schweres Schloss nicht immer mitschleppen möchte, kann ein Schloss stationär dort lassen, wo sein Fahrrad öfters steht wie zum Beispiel im Fahrradkeller oder der Abstellanlage des Arbeitgebers. Für unterwegs braucht man dann allerdings eine weitere Sicherung.
  • Richtige Größe: Die Schlösser sollten groß genug sein, um das Rad an einem festen Gegenstand anschließen zu können, zum Beispiel an einem Fahrradständer. Nur das Vorder- und Hinterrad zu blockieren, reicht als Schutz vor Dieben nicht aus. Diese können blockierte Räder mühelos wegtragen oder verladen.
  • „Doppelt ist besser“: Wer sein Rad mit zwei unterschiedlichen Schlosstypen sichert, macht es Dieben richtig schwer, denn Fahrraddiebe spezialisieren sich häufig auf einen Schlosstyp und haben entsprechend auch nur das dafür geeignete Werkzeug dabei. Eine gute Kombination ist zum Beispiel ein Bügelschloss und ein Panzerkabelschloss.
  • Sicherheitsstufe kein sicheres Merkmal: Manche Hersteller geben für ihre Schlösser eine Sicherheitsstufe innerhalb einer Skala an. Für diese Klassifizierung gibt es keine Norm. Die Skalen sind deshalb auch je nach Hersteller unterschiedlich. Bei manchen Herstellern ist die höchste Sicherheitsstufe 6, bei anderen 15. Stiftung Warentest stellte bei seiner Untersuchung von Fahrradschlössern fest, dass die Sicherheitsangaben sich als wenig aussagekräftig gezeigt haben. Beispielsweise konnten Modell innerhalb weniger Sekunden geknackt werden, obwohl sie eine hohe oder gar die höchste Sicherheitsstufe hatten (test-heft April 2014).

Da es keine verbindlichen Mindestanforderungen für Fahrradsicherungen gibt, sollten sich Verbraucher über Tests in einschlägigen Fachzeitschriften erkundigen, welche Schlösser ihren Zweck erfüllen. Bei Fragen können sie sich an (Kriminal-)Polizeiliche Beratungsstellen, Schloss- und Schlüsseldienste oder Fahrradgeschäfte wenden.

Auch der Allgemeine Deutscher Fahrrad-Club informiert ausführlich über den Schutz vor Fahrraddiebstahl: ADFC-zertifizierte Fahrradschlösser bieten optimalen Schutz

Welche Daten braucht die Polizei bei der Suche nach einem gestohlenen Fahrrad?

Um den Verbleib eines gestohlenen Fahrrads ermitteln zu können, benötigt die Polizei alle verfügbaren Kennzeichen, mit denen sich das Rad zweifelsfrei identifizieren lässt:

  • Rahmennummer: Dies ist mit der individuellen Rahmennummer möglich. Sie ist bei vielen in Deutschland verkauften Rädern in den Rahmen eingeschlagen. Hat das Fahrrad keine Rahmennummer, können Radbesitzer selbst oder ein Fachmann eine individuelle Kennzeichnung anbringen.
  • Codierung: Zusätzlich empfiehlt die Polizei eine Fahrradcodierung. Die Codierung lässt sich anhand der amtlichen Schlüsselzahlen von Fundämtern und Polizeidienststellen leicht entschlüsseln. Selbst wenn ein Fahrrad nicht in der Sachfahndung notiert ist, führt die Codierung zumindest zur Wohnanschrift des Eigentümers. Bei der Polizei, bei der man sein Fahrrad codieren lassen kann, gibt es auch den Aufkleber "Finger weg - Mein Rad ist codiert!", der am Rad angebracht wird und abschreckend auf Diebe wirkt.
  • Fahrradpass: Ein Fahrradpass hilft, gestohlene Räder zweifelsfrei zu identifizieren, den Täter zu überführen und den rechtmäßigen Eigentümer ausfindig zu machen. Im Pass sind neben Rahmennummer und Codierung auch Name und Anschrift des Radbesitzers notiert. Viele Händler stellen beim Fahrradkauf einen herstellerseitigen oder polizeilichen Fahrradpass mit der individuellen Rahmennummer aus. Käufer sollten gezielt danach fragen, rät die Polizei. Der vollständig ausgefüllte Pass mit einem Foto des Fahrrads ist dann einem sicheren Ort aufzubewahren.

Fahrradpass-App

Wer im Besitz eines Smartphones ist, kann die kostenlose FAHRRADPASS-App der Polizei für iPhones und Android-Smartphones nutzen. Mit der App können alle für eine Identifizierung wichtigen Daten problemlos gespeichert werden wie die Rahmen- und Codiernummer, Modelltyp sowie Fotos. 

Alle Daten können zudem ausgedruckt oder per Mail im Textformat oder als PDF-Anhang verschickt werden, zum Beispiel um sie im Notfall sofort an die Polizei beziehungsweise den Versicherer weiterleiten zu können. Und: Der Radbesitzer hat die Daten auf dem Smartphone immer dabei.

Die FAHRRADPASS-App kann kostenlos im App Store beziehungsweise im Google Play Store herunter geladen werden:

www.polizei-beratung.de: Fahrradpass – auch als App 

Faltblatt mit Fahrradpass

Mehr Tipps, wie Fahrradbesitzer ihren Drahtesel vor Dieben schützen können, bietet das Faltblatt "Guter Rat ist nicht teuer. Und der Verlust Ihres Rades?" . Im hinteren Teil des Faltblatts befindet sich ein Fahrradpass, der herausgetrennt werden kann.

Stand: Mai 2015