Wie gut und sinnvoll ist Recyclingpapier?

Recyclingpapier steht Frischfaserpapier heutzutage in vielen Aspekten in nichts mehr nach. Und es schont die Umwelt auf eindrucksvolle Art und Weise. VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke hat mit Sönke Nissen von der Initiative Pro Recyclingpapier darüber gesprochen, welche Vorteile Recyclingpapier hat, woran man es erkennt und ob man seine Briefkorrespondenz guten Gewissens auf diesem Papier erledigen kann.

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Altpapier

VF: Auch in Zeiten von E-Mails, whatsapp und SMS kann man auf das gute alte Papier nicht verzichten. Sei es etwa für die Bürokorrespondenz oder auch privat mit einem Brief zum besonderen Ereignis. Recyclingpapier war in der Vergangenheit immer verpönt – zu grau und zu öko. Hat sich das geändert?

Nissen: Heutige Recyclingpapiere sind Hightech-Papiere, die hochwertige Qualität und anspruchsvolle Ästhetik mit höchsten ökologischen Standards vereinen. Die Herstellung unterscheidet sich heute nicht mehr von der Herstellung eines Frischfaserpapiers. Nur der Rohstoff ist mit Altpapier aus guten Gründen ein anderer.

VF: Ich kann also zum Recyclingpapier greifen, wenn ich Wert auf schönes Briefpapier lege?

Nissen: Wer Wert auf Papier mit einem edlen Naturton legt und zugleich wertvolle natürliche Ressourcen schonen möchte, trifft mit Recyclingpapier genau die richtige Wahl.

VF: Was unterscheidet Recyclingpapier von herkömmlichem Papier?

Nissen: Als Recyclingpapier bezeichnet man Papier, das aus benutztem, dem Kreislauf schon einmal zugeführtem Papier hergestellt wird. Bei Recyclingpapier wird der Rohstoff Altpapier eingesetzt und somit bestmöglich wiederverwertet. Basis eines Frischfaserpapiers ist dagegen der Primärfaserzellstoff, der aus Holz gewonnen wird.

VF: Jeder von uns trägt täglich eine Menge an Papier nach Hause: Zeitungen und Zeitschriften, Milchkartons, Taschentücher und so weiter. Laut dem Verband Deutscher Papierfabriken lag der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2014 bei 251 Kilogramm. Da kommt einiges zusammen, was kurz darauf wieder im Müll landet. Kann der einzelne durch Verwendung von Recyclingpapier einen Beitrag gegen Ressourcenverschwendung leisten?

Nissen: Mit jedem Blatt Recyclingpapier kann der Verbraucher einen wichtigen Beitrag zur Schonung der Ressourcen leisten und die Kreislaufwirtschaft unterstützen. Recyclingfasern können bis zu sechsmal wiederverwertet werden.  

VF: Wie sind die Auswirkungen von Frischfaserpapier und Recyclingpapier auf die Umwelt?

Nissen: Die Ökobilanzen für grafische Papiere des Umweltbundesamtes haben eindrucksvoll belegt, dass Recyclingpapier ökologisch eindeutig erste Wahl ist. Im Vergleich zu Frischfaserpapier werden in der Herstellung wichtige Ressourcen wie Wasser und Energie geschont sowie CO2-Emissionen eingespart. Bedingt durch die Kreislaufwirtschaft schützt Recyclingpapier zudem Wälder und wertvolle Deponie- und Lebensräume. Auch der Verzicht auf schädliche Chemikalien schont die Umwelt und ist zugleich ein wichtiger Beitrag zum Verbraucherschutz.

VF: Also bringt Recyclingpapier einen klaren Vorteil für die Umwelt?

Nissen: Zur Veranschaulichung zwei Beispiele. Bereits mit zwei Blatt Recyclingpapier lässt sich die Menge von einem Glas Wasser sparen. Und mit einem Blatt Recyclingpapier die Menge an Energie, die nötig ist um eine große Tasse Kaffee zu erhitzen.

VF: Warum ist Ökopapier nicht mehr so grau wie früher?

Nissen: Modernste Altpapieraufbereitungstechnologie ermöglicht die Herstellung von Recyclingpapier auch mit hohen Weißgraden.

VF: Wie wird es hell, ohne Chlor einzusetzen?

Nissen: Im Deinking-Prozess werden die Druckfarben unter anderem mit Hilfe von Natronlauge und Wasserstoffperoxid aus dem Altpapier entfernt. Der übrigbleibende Faserbrei wird anschließend mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid gebleicht.

VF: Also kann es ohne Abstriche im privaten Bereiche als auch in Büros und Unternehmen eingesetzt werden?

Nissen: Recyclingpapier kann bedenkenlos für die verschiedensten Zwecke im privaten Bereich, in Unternehmen und Behörden eingesetzt werden.  

VF: Wie sieht es in der Praxis aus? Sehen sich die Unternehmen in der Pflicht für den Umweltschutz und verwenden Recyclingpapier oder ist alles beim Alten?

Nissen: Recyclingpapier wird heute in den Unternehmen als ein wichtiger Baustein für ökologisch-nachhaltiges Handeln gesehen. Dass sich in einer aktuellen Kampagne unserer Initiative über 80 CEOs großer und bekannter Unternehmen persönlich mit ihrem Namen für die Verwendung von Recyclingpapier einsetzen, war vor wenigen Jahren noch undenkbar. Unternehmen entdecken Recyclingpapier zunehmend als ein Instrument, um ihr Nachhaltigkeitsengagement auch mit dem verwendeten Papier sichtbar zu machen. Insgesamt gibt es allerdings noch einiges zu tun, damit das gestiegene Wissen um die ökologischen Vorteile sich auch in entsprechendem Verhalten niederschlägt.

VF: Gewährleisten Drucker und Geräte einwandfreie Qualität auf Ökopapier?

Nissen: Hervorragende Lauffähigkeit auf allen handelsüblichen Druckern und Kopierern, exzellente Bedruckbarkeit und effizienter Tinten- und Tonerverbrauch – das garantiert Recyclingpapier mit dem Blauen Engel, das grundsätzlich nach DIN EN 12281 zertifiziert ist. Unabhängig davon bestätigen dies führende Hersteller von Druck- und Kopiergeräten mit öffentlichen Zertifikaten.  

VF: Der Blaue Engel ist das Markenzeichen für Recyclingpapier. Was sagt er aus?

Nissen: Der Blaue Engel steht für die Verwendung von 100 Prozent Altpapier. Davon sind 65 Prozent minderwertige Sorten, die auf diese Weise wieder als hochwertige Papiere nutzbar gemacht werden. Auch Verbraucherschutzaspekte bezieht der Blaue Engel mit ein, indem auf Chlor, optische Aufheller, und weitere gesundheitsschädliche Chemikalien in den Produktionsprozessen verzichtet wird. Zudem garantiert der Blaue Engel beste Qualität durch die Gewährleistung wichtiger Normen wie der DIN EN 12281.

VF: Gibt es weitere Symbole oder Siegel, die den Verbraucher auf Öko-Papier hinweisen?

Nissen: Es gibt einen wahren Labeldschungel von Zeichen, die dem Verbraucher umweltrelevante Aspekte signalisieren. Beim Klima-, Ressourcen- und Verbraucherschutz ist allerdings der Blaue Engel für Papier eindeutig die erste Wahl.

VF: Wenn in Ausnahmefällen doch mal Papier benötigt wird, das in der Recyclingvariante nicht zur Verfügung steht: Worauf sollte ich achten?

Nissen: Für solche Fälle empfehlen wir darauf zu achten, dass das Papier zumindest FSC

-zertifiziert ist. Dies kennzeichnet Waldprodukte als Erzeugnisse von nachhaltigen Forstbetrieben.

VF: Die Initiative Pro Recyclingpapier spricht sich für die Verwendung von Recyclingpapier aus. Was steckt genau hinter der Initiative und wer beteiligt sich hier alles?

Nissen: Unsere Initiative ist ein Zusammenschluss von 25 namhaften Unternehmen, die sich seit dem Jahre 2000 am Beispiel von Recyclingpapier für ökologisch-nachhaltiges Wirtschaften einsetzen. Mit verschiedensten Projekten versuchen wir die Akzeptanz von Papieren mit dem Blauen Engel zu verbessern, noch existierende Vorurteile abzubauen sowie Unternehmen und Behörden bei der Umstellung zu unterstützen.

Sönke Nissen

Stand: Juli 2016