Waschnüsse und Kastanien für die Wäsche – wie sauber ist das?

Wer umweltfreundlich Wäsche waschen möchte, ist vielleicht schon einmal auf Waschnüsse oder heimische Rosskastanien als Alternative für Waschmittel gestoßen. Doch wie wäscht man mit Nüssen seine Wäsche? Wird die Wäsche auch wirklich sauber und worauf sollte man achten, wenn man ökologisch waschen möchte?

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Waschmaschine mit Waschnüssen und Lavendelöl

Nüsse und Kastanien für die Waschmaschine

Als umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen chemischen Waschmitteln gelten indische Waschnüsse und Rosskastanien. Zurückgeführt wird diese Waschoption auf die in den Nüssen enthaltenen Saponine. Diese Pflanzenstoffe bilden in Verbindung mit Wasser eine seifenähnliche Substanz.

Während es sich bei der Rosskastanie um die Frucht eines in Deutschland heimischen Baumes handelt, stammt die Waschnuss von einem Baum, der in tropischen und subtropischen Regionen Asiens wächst und als Seifenbaum bezeichnet wird. In Indien werden diese Nüsse schon lange als Shampoo oder Waschmittel genutzt und auch hierzulande finden sie als ökologische Reinigungsmittel immer mehr Anwender.

Wer sich im Herbst nicht auf die Suche nach glänzenden Rosskastanien begeben möchte, kann auch in Drogerien und Supermärkten Waschnüsse, zum Beispiel in Form von Pulvern oder Schalen, erhalten.

Erstmal klingt es toll!

Auf den ersten Blick spricht wirklich vieles für das Waschmittel aus der Natur. Schließlich wachsen die Nüsse auf Bäumen und müssen nicht chemisch hergestellt werden. Sie verschwenden keine Ressourcen und sind zudem auch günstig, besonders dann, wenn man dafür lediglich die Kastanien sammelt. Praktisch: Waschnüsse können für alle Waschtemperaturen und Textilien verwendet werden. Allergiker oder Personen die unter Neurodermitis leiden, können die Nüsse ebenfalls bedenkenlos zum Waschen einsetzen.

…und so funktioniert´s!

Waschnüsse
Für eine Waschladung braucht man etwa sechs bis acht Waschnüsse, die in einem Baumwollsäckchen mit der Wäsche zusammen in die Wäschetrommel kommen. Nun kann die gewünschte Temperatur eingestellt und der Waschgang gestartet werden.

Kastanien
Die gesammelten Schätze werden zunächst mit einem scharfen Messer klein gehackt, damit die Saponine aus dem Inneren der Kastanie austreten und sich entfalten können. Für Weißwäsche sollte die Schale entfernt werden, um Verfärbungen vorzubeugen. Dann werden die Kastanienstücke über Nacht in ein Glas mit Wasser eingelegt. Am nächsten Morgen sollte die Flüssigkeit milchig aussehen und beim Schütteln leicht aufschäumen. Die Kastanienstücke werden dann abgesiebt und die Flüssigkeit kann als Alternative für flüssiges Waschmittel verwendet und ins Spülfach der Waschmaschine gegeben werden.

Allerdings: Weder Waschnüsse noch Kastanien enthalten Duftstoffe. Wer also auch auf einen frischen Geruch der Wäsche besteht, sollte zusätzlich noch ein paar Tropfen eines ätherischen Öls ins Weichspülerfach geben. Bei hartem Wasser hilft ein Teelöffel Waschsoda als Wasserenthärter und Waschverstärker.

Nach der Nutzung können Waschnüsse und Kastanien dann ganz einfach in der Biotonne oder auf dem Komposthaufen entsorgt werden.

Wird die Wäsche sauber und weiß?

Leider eignen sich die Waschnüsse und Kastanien nicht für hartnäckige Flecken und stark verschmutze Wäsche – hier reicht die Reinigungskraft der Nüsse nicht aus. Auch fehlen dem Naturprodukt bleichende Zusätze, was es nicht unbedingt zu einem geeigneten Waschmittel für weiße Wäsche macht.

Stiftung Warentest kommt zu einem eindeutigen Ergebnis

Stiftung Warentest testete im Juli 2019 Waschnüsse und Kastanien im Vergleich mit herkömmlichen Flüssigwaschmitteln. Dabei fielen die natürlichen Varianten durch. Grund: „Die Wäsche vergraut derart rasant, dass selbst die Prüfer staunten“ (test 8/2019). Bereits nach sechs Waschgängen, so Stiftung Warentest, bekam die Wäsche einen Graustich, nach 20 Waschgängen war sie bereits grau verdunkelt. Auch bei der Fleckentfernung fielen die Naturprodukte durch, den Waschnüssen und Kastanien fehlen fettlösende Tenside und schmutzlösende Enzyme. Flecken von Schokodessert oder Spinat waren daher nach einer 40 Grad-Wäsche noch deutlich sichtbar.

Skeptisch bleibt Stiftung Warentest auch beim tatsächlichen ökologischen Vorteil. Da aufgrund der unzureichenden Waschleistung Nutzer die gleiche Wäsche höchstwahrscheinlich mehrmals waschen müssen, steigt der Strom- und Wasserverbrauch an. Außerdem ist das Risiko groß, dass vergraute Kleidung frühzeitiger entsorgt wird.

Ökologisch Waschen – wie geht das?

Die niederschmetternden Testergebnisse werfen die Frage auf, welche Möglichkeiten es gibt, um möglichst ökologisch Wäsche zu waschen. Leider gibt es keine Waschmittel, die völlig unschädlich für die Umwelt sind, denn sie enthalten Stoffe, die biologisch nur schwer oder nicht vollständig abbaubar sind, Gewässerorganismen schädigen und sich in der Umwelt oder den Organismen anreichern. Wer umweltschonend waschen möchte, kauft Waschmittel mit dem europäischen Umweltzeichen, der Euroblume. Dieses Zeichen garantiert eine möglichst schonende Reinigung der Wäsche.

Folgende Tipps können zusätzlich helfen, das Wäschewaschen umweltfreundlicher und preiswert zu gestalten:

  • Waschtrommel voll beladen: Voll beladen bedeutet, dass bei normaler Koch-/Buntwäsche noch eine Handbreit „Luft“ in der Waschtrommel ist. Wird „pflegeleicht“ gewaschen, ist die Waschtrommel zur Hälfte zu befüllen und bei Wollwäsche zu einem Drittel.
  • Waschmittel sparsam nach Verschmutzungsgrad verwenden: Zu viel Waschmittel bringt kein besseres Ergebnis. Deshalb ist es empfehlenswert, sich nach der auf der Waschmittelpackung angegebenen Dosierung zu richten. Meist genügt für Wäsche im Haushalt die Waschmittelangabe für „leicht“ oder „normal“ verschmutzte Wäsche.
  • Waschpulver bevorzugen: Waschpulver sind umweltfreundlicher als flüssige Waschmittel, da sie eine höhere Waschleistung haben und auch die Klärwerke weniger belasten.
  • Vorwäsche meist nicht nötig: Bei der üblicherweise nur leicht oder normal verschmutzten Wäsche braucht es keine Vorwäsche. Diese ist nur bei sehr starker Verschmutzung erforderlich.
  • Die richtige Temperatur wählen: Für weiße Wäsche reichen in der Regel eine Temperatur von 60 Grad und die Verwendung eines Vollwaschmittels aus. Kochwäsche bei 90 Grad ist nur für Wäsche mit besonderen hygienischen Anforderungen wie ansteckenden Krankheiten nötig. Normale Buntwäsche wie T-Shirts oder Jeans werden bei 30 oder 40 Grad sauber. Durch die Verwendung eines Colorwaschmittels bleiben die Farben gut erhalten. Die Energiekosten einer 60 Grad-Wäsche sind dreimal so hoch wie die einer 30 Grad-Wäsche.
  • Flecken in der Wäsche: Wenn nur ein Kleidungsstück Flecken enthält, braucht man nicht gleich die ganze Wäsche mit mehr Waschmittel oder bei einer höheren Temperatur waschen. Besser ist es, das befleckte Kleidungsstück gezielt vorher mit passendem Fleckenmittel, zum Beispiel Gallseife, zu behandeln und es dann zur normalen Wäsche zu geben.
  • Wäsche trocknen: Sofern wettermäßig möglich und Platz vorhanden ist, ist das Trocknen der Wäsche an der frischen Luft dem maschinellen Trocknen vorzuziehen. Keine Energie wird auch beim Trocknen der Wäsche in einem unbeheizten, gut durchlüfteten Raum im Haus gebraucht. Wird dagegen die Wäsche in einem beheizten Raum getrocknet, wird meist mehr Energie zum Beheizen des Raumes benötigt als beim Trocknen im Trockner.
  • Wäsche sortiert waschen: Wäsche nach weiß und bunt, pflegeleicht und Wolle sortieren, da dadurch die Waschtemperatur sowie die Wahl des Waschmittels besser auf die Kleidung abgestimmt werden kann und ein besseres Waschergebnis erzielt wird. Zur Schonung der Textilien sollten Pullover, T-Shirts und Hosen mit der Innenseite nach außen gewaschen werden. (Sie)

Stand: Oktober 2019