Rettet die Insekten!

Die Lage der Insekten hat sich in den letzten Jahren weltweit dramatisch verschlechtert. Nicht nur die Anzahl der Insekten ist stark zurückgegangen, sondern auch deren Artenvielfalt. Die Ursachen sind vielfältig. Doch was kann man dagegen tun?

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Pfauenauge Schmetterling

Bei mehr als 60 Prozent der weltweit bekannten Tierarten handelt es sich um Insekten. Sie sind Nahrungsgrundlage für Amphibien, Reptilien, Fledermäuse, Fische und Vögel, und sichern ebenso unsere Nahrung, indem sie Obst, Gemüse und andere Futterpflanzen bestäuben. Schließlich sind 90 Prozent aller Pflanzen zumindest teilweise für die Fortpflanzung auf die kleinen Krabbeltiere angewiesen.

Insekten sind außerdem unersetzlich in der Forst- und Landwirtschaft. Dort dämmen sie beispielsweise die Ausbreitung schädlicher Insekten ein oder verwerten organische Stoffe wie Pflanzenreste, Tierleichen oder Totholz und sorgen so für die Nährstofffreisetzung und fruchtbare Böden.

Doch in den letzten Jahren ist weltweit ein deutlicher Rückgang von Insektenbeständen zu verzeichnen.

In Deutschland geht es den Insekten schlecht

Von 1989 bis 2016 wurden über 60 Standorte in Schutzgebieten in Nordrhein- Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg auf das Insektenvorkommen untersucht. Dabei konnte über den Untersuchungszeitraum ein Insektenschwund um 75 Prozent festgestellt werden. Dabei bezieht sich der Rückgang nicht nur auf seltene oder gefährdete Insektenarten, Schmetterlinge, Wildbienen oder Nachtfalter, sondern auf die gesamte Welt der Insekten.

Auswirkungen des Insektensterbens sind schwerwiegend

Da die Insekten auch als Nahrungsquelle schwinden, bedeutet ihr Rückgang gleichzeitig, dass viele andere Tierarten in ihren Beständen gefährdet sind. So liegt zum Beispiel die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Insektensterben und dem sinkenden Bruterfolg sowie dem nachgewiesenen Rückgang der Vogelarten gibt, der insbesondere im Offenland dramatisch ist.

Der Schwund an bestäubenden Insekten gilt als besorgniserregend. Hierzu zählen nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen, Schwebfliegen, Hummeln, Schmetterlinge oder Wollschweber. In Europa hängt der Ertrag von 84 Prozent aller angebauter Nutzpflanzen von der Bestäubung durch diese Insekten ab. Möchte man dieser tierischen Dienstleistung einen ökonomischen Wert beimessen, so läge dieser bei 200 bis über 500 Milliarden Euro im Jahr. Zum Vergleich: Der Haushalt der Bundesrepublik Deutschland umfasste im Jahre 2015 etwa 300 Milliarden Euro.

So tragen die bestäubenden Insekten maßgeblich zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten bei.

Stichwort Bienensterben!

Das sogenannte Bienensterben betrifft weniger die Honigbienen, denn ihr Bestand ist nicht nur von natürlichen Faktoren abhängig, sondern auch von der Imkerei. Und die ist gerade – zum Glück – so populär wie lange nicht: Alleine in Hessen leben derzeit 60.500 Bienenvölker. Weitere Infos zur Imkerei gibt es hier .

Die Situation der wildlebenden Bienen ist wesentlich dramatischer. So stehen von den 550 Wildbienenarten, die es in Deutschland gibt, mehr als die Hälfte auf der roten Liste und sind damit gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Doch woran liegt es eigentlich?

Wissenschaftler vermuten als Ursache für das Insektensterben eine Vielzahl vom Umständen. Je nach Lebensraum, Insektenart oder Zeit treffen sie unterschiedlich stark zu.

So hat zum einen die intensive Landwirtschaft zu einer Verarmung der Artenvielfalt geführt. Durch sogenannte Flurbereinigungen sind viele Lebensräume für Insekten wie Hecken, Sträucher, Streuwiesen, Weiden und feuchte Senken entfernt worden. Zum anderen führt der Einsatz von Pestiziden zur Vernichtung von Nahrungs-, Nist- und Überwinterungsquellen oder zum direkten Tod von Bienen, Schmetterlingen, Fliegen und Co.

Durch Bodenversiegelungen für den Bau von Infrastruktur wie Gewerbeflächen, Straßen und Siedlungen werden ebenfalls Lebensräume von Insekten zerstört.

Auch die Lichtverschmutzung wirkt sich auf die Anzahl der Insekten aus. So stört die fortdauernde Beleuchtung nicht nur ihren Tag-Nacht-Rhythmus, vielmehr verlieren Sie die Orientierungsfähigkeit, werden vom Licht angezogen und verglühen an den Lampen oder werden leichte Beute ihrer Fressfeinde.

Steingärten, englischer Rasen, Buchsbaumkugeln… so sieht leider kein insektenfreundlicher Garten aus. Aufgrund der sterilen Gartengestaltung und der Anwendung von Pestiziden bieten selbst Gärten kaum noch Entfaltungsräume für Insekten.

Auch der Einfluss des Klimawandels ist als Ursache nicht auszuschließen. So ist es möglich, dass sich durch Wetterveränderungen Lebensräume verschieben. Studien zeigen bereits, dass durch Temperaturanstiege manche Arten in Richtung Norden oder höhere Bergregionen wandern.

Was kann man tun, um den Insekten zu helfen?

  • Konsumverhalten: Durch die Art und Weise, wie wir leben und was wir kaufen bestimmen wir maßgebeblich über unsere Umgebung und die Lebensräume der Insekten mit. Wer sich zum Beispiel für Bio-Lebensmittel entscheidet, unterstützt eine Landwirtschaft ohne künstliche Pestizide. Außerdem achten viele Bio-Höfe auf Fruchtwechsel und Brachflächen beim Anbau und bieten so Insekten vielfältige Lebensräume.
  • Natürlicher Pflanzenschutz im Garten und auf dem Balkon: Wer einen eigenen Garten hat, sollte auf natürlichen Pflanzenschutz setzen. Denn was für landwirtschaftliche Betriebe gilt, sollte auch im privaten Raum gelten. Um Pflanzen trotzdem vor Schädlingen zu schützen, gibt es viele natürliche Methoden.
  • Unordnung muss sein: Insekten mögen leider keinen ordentlich gemähten Rasen und akkurat geschnittene Hecken. Wenn es nach ihnen ginge, wäre viel mehr „Unordnung“ im Garten. Denn „Unordnung“ bedeutet Vielfalt. Lassen Sie es daher mal etwas wilder zu gehen: Pflanzen Sie heimische Stauden und Kräuter und säen Sie Wildblumenmischungen. Totholz und Laub dürfen im Winter auch ruhig mal liegen bleiben. So finden Insekten, Vögel und kleine Säugetiere Nahrung und Nistplätze.
  • Urlaub für Insekten: Wer den Insekten bei der Suche nach geeigneten Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten helfen möchte, stellt ein Insektenhotel im Garten, auf dem Balkon oder dem Hinterhof auf. Die kleinen Häuschen aus Holz sind mit Baumrinde, Bambus, Schilfrohr, Steinen und Zapfen gefüllt und gefallen Wildbienen, Marienkäfern, Ohrwürmern und Schmetterlingen. Im Internet finden sich auch eine Vielzahl von Anleitungen zum Selberbasteln.(sie)

Stand: April 2019