Plastiktüte: Geht´s auch ohne?

Plastiktüten sind für Verbraucher praktisch, da sie leicht und stabil sind. Durch ihre meist nur einmalige Verwendung sind sie aber zu einem großen Müllproblem geworden. Sind Papiertüten besser? Wie kann der Einkauf umweltfreundlich transportiert werden?

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Gemüse in Plastiktüte

Plastiktüten gibt es in Deutschland schon seit mehr als 50 Jahren. Die Herstellung erfolgt meist aus Kunststofffolien, deren Ausgangssubstanz Erdöl ist. Für eine etwa 20 Gramm schwere Plastiktüte braucht man 40 Gramm Erdöl.
 

Warum sind Plastiktüten so beliebt?

Sie sind praktisch und haben viele Vorteile

  • … im Gebrauch
    Sie wiegen wenig, sind wasser- und chemikalienbeständig und haben eine hohe Festigkeit. Zudem lassen sie sich platzsparend lagern.
     
  • … in der Herstellung
    Sie lassen sich kostengünstig und leicht herstellen, da dafür nur wenig Rohstoffe und Chemikalien benötigt werden.

Bunt bedruckt  sind sie ein stylischer Werbeträger und es gibt nicht wenige Menschen, die hobbymäßig Tüten sammeln.

Weltweiter Verbrauch von Plastiktüten und seine Folgen

Der Verbrauch von Plastiktüten ist gigantisch. Der jährliche weltweite Plastiktütenverbrauch wird auf eine Billion Stück geschätzt. Der hohe Konsum von Plastiktüten lässt nicht nur die Müllberge höher werden, sondern belastet auch Menschen, Tiere und Umwelt. 

Derzeit landen in der Europäischen Union etwa 90 Prozent der Plastiktüten auf Mülldeponien. Dabei sind Plastiktüten schwer abbaubar. Je nach eingesetztem Kunststoff brauchen sie bis zum vollständigen Zerfall 100 bis 500 Jahre.

Nach Angaben von Greenpeace gelangen bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle jährlich vom Land aus in die Meere. Insgesamt haben sich schätzungsweise schon 150 Millionen Tonnen angesammelt. Der größte Müllstrudel wiegt drei Millionen Tonnen, ist etwa so groß wie Mitteleuropa und befindet sich zwischen Hawaii und Kalifornien.

Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland

Jährlich werden in Deutschland 6,1 Milliarden Plastiktüten verbraucht sowie 3,1 Milliarden so genannte Hemdchenbeutel. Hierbei handelt es sich um die sehr dünnen transparenten Beutel, die zum Einpacken von Obst und Gemüse verwendet werden.

Wird der Plastiktütenverbrauch auf die Verbraucher umgerechnet, dann liegt der Verbrauch pro Person bei 76 Kunststofftaschen pro Jahr (ohne Hemdchenbeutel). Oder anders ausgedrückt: In jeder Minute werden 11.700 Tüten genutzt. Damit liegt der deutsche Verbraucher weit unter dem EU-Durchschnitt mit 198 Tüten. Es gibt aber auch Länder in Europa mit einem deutlich geringeren Verbrauch an Plastiktüten. In Luxemburg werden pro Verbraucher und Jahr 20 Tüten verbraucht, in Dänemark und Finnland sogar nur vier Tüten.

Vereinbarung zwischen Politik und Handel

Nach Vorgaben der EU soll der Verbrauch an Plastiktüten in den EU-Ländern bis zum Jahr 2025 um rund die Hälfte auf 40 Stück pro Kopf und Jahr sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Bundesumweltministerium im April 2016 mit den Handelsvertretern eine Vereinbarung getroffen, die besagt, dass bis 2018 mindestens 80 Prozent der in den Verkehr gebrachten Kunststofftüten Geld kosten sollen. Der zu zahlende Betrag für eine Plastiktüte wird nicht festgelegt. In der Vereinbarung heißt es lediglich, dass der Betrag  „angemessen“ sein soll.
Diese Vereinbarung gilt für alle Plastiktaschen mit und ohne Tragegriff, die im Handel erhältlich sind. Keine Plastiktüten sind Tiefkühltragetaschen, Permanenttragetaschen und sehr leichte Plastiktüten (dünner als 15 Mikrometer, für Obst und Gemüse genutzt).

Es gibt viele Arten von Einkaufstüten

  • Einweg-Plastiktüte aus Polyethylen
    Der größte Teil der handelsüblichen Einweg-Plastiktüten wird aus dem Kunststoff Polyethylen hergestellt. Da hierfür als Rohstoff Neugranulat aus Erdöl nötig ist, sind sie bei einmaliger Verwendung ohne Recycling in der Umweltbilanz sehr schlecht zu bewerten.
     
  • „Biologisch abbaubare“ Plastiktüten
    Dieser Tütentyp besteht aus technischen Gründen meist nur zu 30 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und zu 70 Prozent aus Erdöl. Die Ökobilanz dieser Tüte ist aufgrund der eingeschränkten Wiederverwertung und der mangelnden Kompostierfähigkeit sehr schlecht. Zudem braucht man mehr Material für eine Tüte, da die Foliendicke größer sein muss, um die nötige Reißfestigkeit zu erzielen.
     
  • Einweg-Plastiktüten aus nachwachsenden Rohstoffen
    Kunststoffe können heutzutage auch aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden. So wird für Plastiktüten aus Polyethylen beispielsweise Zuckerrohr aus Brasilien verwendet. Der Anbau der nachwachsenden Rohstoffe und die Verarbeitung zu Verpackungsmaterial sind jedoch rohstoff- und energieintensiv. Somit weist die Ökobilanz dieses Tütentyps keine Vorteile auf im Vergleich zu Einweg-Plastiktüten aus Erdöl. Daher sind Einweg-Plastiktüten aus nachwachsenden Rohstoffen auch keine umweltfreundliche Alternative.
     
  • Einweg-Plastiktüten mit hohem Recyclinganteil
    Diese Einweg-Plastiktüte wird zu mindestens 70 Prozent aus Recyclingmaterial hergestellt, so dass weniger Kunststoff neu produziert werden muss. Somit hat diese Plastiktüte gegenüber allen anderen Einweg-Plastiktüten ökologische Vorteile. Da aber in Deutschland nur ein sehr geringer Anteil an Plastiktüten mit der Wertstoffsammlung (gelbe Tonne bzw. gelber Sack) zurückgegeben wird, ist die vorhandene Menge an Recyclingmaterial gering.
     

Sind Mehrweg-Tragetaschen aus Kunststoff oder Baumwolle eine gute Alternative?

Mehrweg-Tragetaschen müssen, da sie für eine mehrmalige Nutzung gedacht sind, stabiler und belastbarer sein. Folglich haben die Taschen eine dickere Wandstärke, für deren Herstellung meist mehr Material und Energie benötigt wird als bei Einweg-Taschen.

  • Mehrweg-Tragetasche aus Kunststoff
    Damit eine Mehrweg-Tasche aus Kunststoff in der Ökobilanz wirklich besser ist als eine Einweg-Plastiktüte, ist eine Mindestanzahl an Wiederverwendungen notwendig. Bereits nach drei Nutzungen ist eine Mehrweg-Tragetasche aus Kunststoff (Polypropylen) umweltfreundlicher als eine Einweg-Tasche aus Polyethylen. Zudem werden diese Mehrweg-Tragetaschen überwiegend aus alten PET-Getränkeflaschen hergestellt.
     
  • Mehrweg-Tragetaschen aus Baumwolle oder Jute
    Für Mehrweg-Taschen aus Naturmaterialen können  Baumwolle, Bast oder Flachs verwendet werden. Der Anbau dieser Pflanzen und ihre Verarbeitung zu Verpackungsmaterial sind wasser- und energieintensiv, was ihre Ökobilanz verschlechtert. Damit diese Tragetaschen ökologisch betrachtet besser als eine Einweg-Plastiktüte aus Polyethylen  abschneidet, muss der Jutebeutel oder die Baumwolltasche zwischen 25 und 30 Mal verwendet werden.

Und was ist mit der Papiertüte?

Für die Herstellung von Papier wird viel Energie und Wasser benötigt. Zudem braucht man für Papiertüten besonders lange und reißfeste Zellfasern, die auch noch mit Chemikalien behandelt werden müssen. Wird jedoch Recyclingpapier verwendet und die Papiertüte der Wiederverwertung zugeführt, wirkt sich dies positiv auf ihre Umweltbilanz aus. Ist dies nicht der Fall muss eine Papiertüte mindestens drei bis vier Mal benutzt werden, um im Vergleich zu einer Einweg-Plastiktüte auf Erdölbasis besser abzuschneiden. Dies ist gerade beim Lebensmitteleinkauf nicht immer möglich, denn durch Obst und Gemüse kann die Papiertüte auch mal durchweicht werden, so dass sie nicht wiederverwendbar ist.

Umweltfreundliche Alternativen

Am umweltfreundlichsten sind alle Transportbehältnisse, die mehrfach verwendet werden können:

  • Körbe
    In Körbe lassen sich Lebensmittel und andere Dinge gut verstauen.Da sie aber etwas sperrig sind und gefüllt schwer zu tragen sind, eignen sie sich vor allem für kurze Wege.
     
  • Klappboxen
    Sie lassen sich flach zusammenklappen, so dass sie im nicht benötigten Zustand wenig Platz brauchen. Im aufgeklappten Zustand haben sie ein großes Volumen. Mit einer Klappbox im Kofferraum des Autos hat man immer genügend Platz zum Verstauen der Sachen eines spontanen Einkaufs.
     
  • Taschen, Rucksäcke
    Taschen und Rucksäcke aus festem Material gibt es in unterschiedlichen Größen. So kann man je nach geplantem Einkaufsvolumen die passende Transportmöglichkeit mitnehmen.
     
  • Zusammenfaltbare Mehrweg-Tragetasche aus Polyester
    Diese Tasche lässt sich zusammenfalten und in einer Verschlusstasche verstauen, die dann nicht größer als eine Packung Taschentücher ist. Diese Tasche aus Polyester ist sehr strapazierfähig und kann bis zu 10 Kilogramm tragen. Da sie so klein ist, passt sie als Reservetasche in jede Handtasche oder ins Auto. Zudem ist sie sehr leicht: Mit der Verschlusstasche wiegt sie 31 Gramm, ohne 26 Gramm. Damit ist sie leichter als manche Einweg-Plastiktüte.

Tipps

  • Nehmen Sie zum Einkauf mehrfach verwendbare Behältnisse wie Taschen, Körbe, Rucksäcke oder Klappboxen mit.
  • Bewahren Sie für den spontanen Einkauf klein zusammenfaltbare Taschen in der Handtasche oder im Kofferraum des Autos auf.
  • Wenn Sie Tüten haben – egal, ob aus Jute, Baumwolle, Plastik oder Papier - dann sollten diese möglichst oft benutzt werden
  • Mehrwegtüten sind besser als Einmaltüten – aber nur, wenn sie auch öfters benutzt werden. Sonst gilt: Einwegtüten sind besser als nur einmal verwendete Mehrwegtüten.

Übrigens:

Es gibt Länder, in denen ein Verbot für Plastiktüten besteht. Hierzu gehören Hawaii, Bangladesch, Tansania und auch einige Bundesstaaten in Australien. In Indiens Hauptstadt Neu-Delhi sind Plastiktüten ebenfalls verboten. Wer dagegen verstößt, hat mit empfindlichen Geldstrafen oder sogar Gefängnis zu rechnen.

Stand: Juli 2016

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