Permakultur: Die Natur zum Vorbild

Industrielle Landwirtschaft: Der Einsatz von Pestiziden belastet Böden und Gewässer, die exzessive Bewirtschaftung von Feldern laugt die Böden aus und wild lebende Tier- und Pflanzenarten verschwinden nach und nach. Geht das nicht auch anders? Beim Prinzip der Permakultur steht ein achtsamer Umgang mit der Natur und den Mitmenschen im Vordergrund.

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Keimling wird in die Erde gesetzt

Was versteht man unter Permakultur?

Permakultur ist ein Konzept für eine dauerhaft nachhaltige Lebensweise, das darauf beruht, dass der Mensch durch Beobachtungen die Natur besser kennenlernt, um sie effektiv zu nutzen. Dabei soll die Natur als Vorbild für Gestaltungsmöglichkeiten und Werkzeuge für eine zukunftsfähige, soziale, ökologische und ökonomische Lebensgrundlage dienen.

Als Basis für das Permakultur-Konzept dienen drei ethische Grundsätze:

  1. Achtsamer Umgang mit der Erde, da diese die Grundlage zum Leben ist. Diese Lebensgrundlage soll für alle Lebewesen erhalten bleiben, unabhängig davon, ob der Mensch einen Nutzen aus ihrem Dasein ziehen kann.
  2. Achtsamer Umgang mit den Menschen: Gegenseitige Unterstützung, Respekt und Solidarität sollen dazu beitragen, dass alle Menschen selbstständig leben können.
  3. Selbstbegrenzung und gerechtes Teilen: Unbegrenztes Wachstum ist unmöglich. Die Menschen sollen bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse lernen sich zu begrenzen, um die Erde und ihre Lebewesen nicht auszubeuten. Überschüsse und natürliche Ressourcen sollen an alle Menschen gerecht verteilt werden.

Alternativer Nobelpreis für die Permakultur

Das Konzept der Permakultur wurde von den Australiern Bill Mollison und David Holmgren in den 1970er Jahren erarbeitet. Mollison und Holmgren stellten fest, dass die industrielle Landwirtschaft aufgrund des Einsatzes von Pestiziden zwar ertragreich ist, aber Böden und Gewässer verschmutzt werden und sich die Artenvielfalt reduziert. Hingegen zeigten sich natürliche Ökosysteme wesentlich produktiver und artenreicher. Die beiden Forscher suchten daraufhin nach Ansätzen für eine nachhaltige Landwirtschaft, die den Boden schont, wenig Abfall erzeugt und die Artenvielfalt erhöht.

Hierfür beobachteten die Forscher Anbaumethoden alter Naturvölker und verknüpften diese mit fortschrittlichen landwirtschaftlichen Praktiken und den bereits existierenden Kreisläufen des Biolandbaus. Dabei entdeckten sie, dass es möglich ist, durch eine ganzheitliche Planung und Schaffung von sich selbst erhaltenden, naturnahen Kreisläufen den drei ethischen Grundsätzen gerecht zu werden. Für ihr Konzept erhielten Mollison und Holmgren 1981 den Alternativen Nobelpreis.

Permakultur: Und so funktioniert´s!

Die Verwendung von fossilen und fremden Energiequellen, wie Erdöl oder Erdgas ist bei der Permakultur nicht erlaubt. Das Pflanzen, Säen, Pflegen und Ernten soll ausschließlich durch Handarbeit erfolgen. Lediglich die Verwendung von Rechen oder Pflanzstöcken ist gestattet. Demzufolge sind die Beete zwar in ihrem Umfang begrenzt, allerdings wachsen auf dieser relativ geringen Fläche unterschiedlichste Gemüse- oder Obstsorten. Monokulturen sind in der Permakultur ein Fremdwort, stattdessen ist Vielfalt angesagt! Dadurch sind die Pflanzen robuster und weniger anfällig für Schädlinge – die Produktivität steigt.

Zudem bleiben keine Reste oder Abfall übrig, stattdessen wird alles wiederverwertet und in die natürlichen Kreisläufe rückgeführt. Auch gibt es keinen Kunstdünger oder Chemie. So wird beispielsweise Pferdemist vom Nachbarn zur Düngung verwendet, mit Regenwasser bewässert und der Einsatz von Komposterde sorgt für einen nährstoffreichen Boden.

Die Ernte wird mit den in den Gärten und auf den Feldern lebenden Tieren geteilt.

Die Nutzung des Gartens reicht außerdem über den Anbau von Nahrungsmitteln hinaus. So hat alles seinen Sinn, aber ohne dabei Schaden anzurichten: Der Garten spendet Schatten, filtert die Luft und dient der Entspannung des Menschen.

Permakultur weltweit und vor der eigenen Haustür

Mittlerweile wird Permakultur weltweit praktiziert, in heimischen Gärten und auch auf kleineren bis mittelgroßen Bauernhöfen. Dabei hat sich Permakultur vor allem beim Gemüseanbau bewährt. Allerdings: Bereits bestehende herkömmliche Anbaumethoden lassen sich nicht innerhalb weniger Monate komplett nach dem Prinzip der Permakultur umstellen. Dies kann Jahre in Anspruch nehmen. Hier liegt wohl der größte Kritikpunkt dieser alternativen Anbaumethode.

Häufig sind besonders Privatpersonen an der Umsetzung im eigenen Garten interessiert, die beruflich gar nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben aber dennoch ein Stück weit zum Selbstversorger werden wollen.

Mittlerweile existieren in Deutschland auch eine Vielzahl an Gemeinschaftsgärten und weiteren Projekten rund um das Konzept der Permakultur. Wer Interesse hat, in die verschiedenen Permakulturprojekte hinein zu schnuppern, wird zum Beispiel hier fündig:

Permakultur -Info: Permakulturprojekte in Deutschland und weltweit

Transition Initiativen Deutschland, Österreich, Schweiz

Stand: Februar 2019