Ohne Torf in die Gartensaison starten

Wer im Sommer pralle Tomaten oder knackige Paprika ernten möchte, kann jetzt mit der Anzucht der Gemüsepflanzen beginnen. Die Auswahl der Anzuchterde ist entscheidend für den Erfolg beim Aufwuchs der Keimlinge. Auf jeden Fall sollte die Erde torffrei sein.

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Bunte Pflanztöpfchen mit gelben Steckschildern

Rund 95 Prozent der Torfflächen in Deutschland sind bereits verschwunden oder akut bedroht. Nur noch an wenigen Stellen lassen sich die letzten Flecken an unberührten Torfflächen finden. Circa 1000 Jahre braucht es, bis sich eine Torfschicht um einen Meter entwickelt. Somit wird klar, dass nur noch torffreie Anzucht- und Blumenerden im Garten zum Einsatz kommen sollten.

Unklare Deklaration

Noch immer hält sich hartnäckig die Überzeugung, dass torfhaltige Substrate die einzig richtige Grundlage für eine erfolgreiche Anzucht von Jungpflanzen ist. Um kritische Verbraucherinnen und Verbraucher nicht zu verschrecken, greifen einige Anbieter zu Fantasiebezeichnungen wie „Bio-Erde“. Auch die Deklaration als „torfreduziert“ sagt nur aus, dass das Produkt nicht ausschließlich aus Torf besteht. Bis zu 80 Prozent kann der Torfanteil in solchen reduzierten Mischungen betragen.

Anspruchsvolle Jungpflanzen

Das ideale Substrat für die Aufzucht von Setzlingen muss einigen Ansprüchen genügen. So soll die Erde eine hohe Wasser- und Luftkapazität mitbringen. Das heißt, dass einerseits das Substrat genügend Feuchte hält und nicht so schnell austrocknet und andererseits nicht zu Staunässe neigt, die das Wurzelwachstum der Pflänzchen hemmt. Ein stabiler pH-Wert und eine geringe Auswaschung der Pflanzennährstoffe sollen auch sichergestellt sein.

Nicht zu verwechseln ist Anzuchterde mit der klassischen Blumenerde. Diese ist zumeist nährstoffreicher, was bei den Keimlingen zu einem unerwünschten Schnellwachstum führen kann. Eine spezielle Anzuchterde ist nährstoffärmer und lässt daher die Setzlinge mehr Wurzelmasse ausbilden. Das kommt der Pflanze beim Wuchs und der Anlage der Fruchtstände zugute.

Torf-Alternative für die Anzucht

Als alternative Anzuchtsubstrate werden häufig Tabs aus Kokosfasern genannt. Dabei werden die Fasern in Tablettenform gepresst und durch einen Mantel aus Zellulosematerial zusammengehalten. Kokosfasern wird eine ähnlich gute Stabilität und Wasserspeicherfähigkeit bei gleichzeitiger Luftigkeit wie Torf zugesprochen. In der Mitte des Quellkörpers ist eine Vertiefung vorhanden, in der das Saatgut zur Anzucht eingelegt wird. Weitere Anzuchterde in der Saatschale wird nicht benötigt. Es ist ratsam, die Düngeinformation, die mit den Tabs geliefert wird, aufmerksam zu lesen. Je nach Pflanzenart müssen bei solchen Tabs die Setzlinge später mit Nährstoffen versorgt werden.

Anzuchterde – selbst hergestellt

Wie kann man selbst ein Substrat für die Anzucht herzustellen? Das ist gar nicht so schwierig. Es gibt auch nicht nur das eine richtige Mischungsverhältnis der möglichen Bestandteile. Denn die unterschiedlichen Gemüsesorten haben ihre eigenen Ansprüche. Ein häufiger Fehler ist, die eigene Mischung mit zu vielen Nährstoffen zu versehen. Die Setzlinge sollen aber dazu gebracht werden, möglichst viel Wurzelwerk auszubilden und das gelingt am besten in einer nährstoffarmen Umgebung. Ein Mischungsverhältnis, das häufig verwendet wird, besteht aus je einem Drittel Gartenerde, reifem Kompost und Sand. Neben der Feinkrümeligkeit des Substrates ist darauf zu achten, dass die eigene Anzuchterde möglichst keimfrei und ohne Fremdsamen ist. Wer sichergehen will, sollte die Mischung sterilisieren. Das gelingt bei Temperaturen um die 150 Grad. Wer noch einen alten Bräter im Keller stehen hat, kann diesen dafür nutzen. Je nach Ausgangsfeuchte der Mischung dauert die Sterilisation zwischen 30 und 45 Minuten. Die Trocknung sollte dabei immer im Auge behalten werden, da sich im Kompostanteil noch entflammbare Materialien befinden können. Mit ein wenig Aufwand lassen sich zumeist die unerwünschten Fremdsprößlinge auch ohne Erhitzung im Zaum halten.

Renaturierung von Mooren in Hessen

Auch die Niedermoore in Hessen sind stark gefährdet. Die NABU-Stiftung Hessische Naturstiftung und die Botanische Vereinigung für Naturschutz in Hessen planen daher bis zu sechzig Moorstandorte zu pachten und damit langfristig zu erhalten. Im Burgwald zeigen erfolgreiche Renaturierungsprojekte wie Moore wiederbelebt werden können.